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"Schulen müssen Integration erleichtern"

"Schulen müssen Integration erleichtern"

Saarbrücken. Der Behindertenbeauftragte des Landes, Wolfgang Gütlein (Foto: SZ), hat sich dafür ausgesprochen, die Voraussetzungen für die Integration behinderter Kinder in Regelschulen zu verbessern

Saarbrücken. Der Behindertenbeauftragte des Landes, Wolfgang Gütlein (Foto: SZ), hat sich dafür ausgesprochen, die Voraussetzungen für die Integration behinderter Kinder in Regelschulen zu verbessern. Gütlein sagte der SZ, er halte die Ankündigung von Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), künftig mehr Sonderpädagogen an Regelschulen einzusetzen, für "einen Schritt in die richtige Richtung". Dasselbe gelte für ihren Plan, künftig im Saarland Sonderpädagogen weiterzubilden.

Gütlein nannte es wünschenswert, dass "alle Lehrer", also nicht nur die Sonderpädagogen, verstärkt mit Sonderpädagogik in ihrer Ausbildung konfrontiert werden. Wenn es bei Integrationsversuchen in Regelschulen immer noch in zehn Prozent der Fälle zu Abbrüchen komme, liege das nicht notwendigerweise an den behinderten Kindern. Es könne beispielsweise auch an den Regelschulen selbst liegen, also daran, dass diese bisher noch nicht genügend auf die Bedürfnisse behinderter Kinder eingehen und die Förderstunden der Integrationspädagogen nicht ausreichend sind, betonte er.

Ziel müsse ein "echtes Wahlrecht" für die Eltern im Hinblick darauf sein, ob ihr Kind eine Förder- oder eine Regelschule besucht. Basis dieser Entscheidung der Eltern müsse eine "objektive Aufklärung" über die Lernbedingungen an Regel- und Förderschulen sein. Ob sich aus der unlängst in Kraft getretenen UN-Behindertenkonvention ein individueller Rechtsanspruch auf den Besuch einer Regelschule ergebe, sei unter Völkerrechtlern strittig, so Gütlein. Unstrittig sei aber, dass sich aus der Konvention die Verpflichtung für den Staat ergebe, alles dafür zu tun, dass behinderte Kinder in Regelschulen integriert werden können, wenn sie dies wünschen.

Kramp-Karrenbauer hatte unlängst angekündigt, die Voraussetzungen für die Integration behinderter Kinder in Regelschulen zu verbessern. Sie will dort mehr Sonderpädagogen einsetzen und schließt nicht aus, die Integrationsverordnung des Landes zu ändern.

Nach der Verordnung ist die Unterrichtung behinderter Kinder in Regelschulen bisher nur dann möglich, wenn dort die sachlichen, personellen und baulichen Voraussetzungen dafür vorliegen. Derzeit besuchen im Land rund 30 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf keine Förder-, sondern eine Regelschule.

Stichwort

Die UN-Konvention für die Rechte von Behinderten ist ein völkerrechtlicher Vertrag. Sie schreibt unter anderem vor, dass Kinder "nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden" dürfen. Zudem müssen die Kinder nach der Konvention an diesen Schulen "Zugang zu einem integrativen, hochwertigen. . . Unterricht" haben. Sie müssen ferner dort auch "die notwendige Unterstützung" erhalten, "um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern". nof