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Kinowerkstatt
Familienfreundliches Pferdedrama

Mika (Hanna Höppner) auf ihrem Pferd Ostwind, zu sehen am Sonntag im Familienkino der Kinowerkstatt.
Mika (Hanna Höppner) auf ihrem Pferd Ostwind, zu sehen am Sonntag im Familienkino der Kinowerkstatt. FOTO: Constantin Film-Verleih
Homburg/St. Ingbert. Die  Kinowerkstatt zeigt zum Geburtstag des Autors Peter Handke eine Dokumentation. Sonntag läuft als Familienfilm „Ostwind“. red

(red) Peter Handke wurde letzte Woche 75 Jahre alt: Die Kinowerkstatt zeigt am Freitag, 15. Dezember, um 18 Uhr „Peter Handke – Begegnung mit Gero von Boehm“. Gero von Boehm besuchte 2008 Peter Handke in Chaville bei Paris und unternimmt mit dem der Natur sehr Verbundenen einen Spaziergang durch die Wälder der Umgebung. Das Hingezogenfühlen zur Natur entstammt der Kindheit des Schriftstellers. „Der grosse Krieg des Menschen ist der Krieg gegen sich selber,“ sagt Peter Handke in diesem Interview. Geboren wurde Peter Handke am 6. Dezember 1942 in Griffen-Altenmarkt im österreichischen Kärnten.


Mit 22 Jahren versprach Peter Handke seiner Mutter: „Mach Dir keine Sorgen, ich werde weltberühmt“ und sein Einstieg als Schriftsteller war furios. 1966 wurde in Frankfurt/Main seine „Publikumsbeschimpfung“ aufgeführt. Schwerpunkte seines Schaffens waren und sind die Reflexion über Sprache, das Verhältnis von Ich und Welt wie auch der individuelle Selbstfindungsprozess. Handke lehnte sich auf gegen herrschende Systeme, nahm die erdrückenden Rollenzwänge kleinbürgerlicher Existenzen ins Visier ohne sich vom gesellschaftskritischen Impuls der sogenannten 1968er vereinnahmen zu lassen. Um 19 Uhr ist „Peter Handke im Gespräch mit Katja Gasser“ zu sehen. Unbefangen und hartnäckig stellt sie ihn mit Fragen nach Gott und Religion auf die Probe und erhält geduldige, aber auch freche Antworten. Und um 20 Uhr darf an diesem Abend der neue Kinofilm von Corinna Belz nicht fehlen: „Peter Handke - Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“, der überraschende Einblicke in das zurückgezogene Schriftstellerleben des damals 73-jährigen Österreichers gibt, ebenfalls in Chaville nahe Paris aufgenommen.

Um 22 Uhr im „Nachtstudio mit Peter Panzer“ ( 1 Stunde) gab der Autor bereitwillig Auskunft,  dabei kam Handke sogar in Plauderstimmung: Er sprach über das Reisen, das Schreiben, auch über das Alter. Handke, damals 65, kam nach eigenem Bekunden keineswegs deshalb, weil gerade sein neuer Roman „Die morawische Nacht“ in den Buchhandlungen liegt. Nein. Er sei gekommen, weil ihm langweilig sei, sprach der Dichter: „Warum soll ich nicht Leute treffen, die ich nicht kenne und mir anhören, was sie zu erzählen haben über meine Scheißbücher.“ Das ist der Sound, für den der Leser Handke lieben kann.



Am Samstag, 16. Dezember, um 18 Uhr steht ein Klassiker auf dem Programm: „Die Feuerzangenbowle“ (1944) von Helmut Weiss nach dem Roman von Heinrich Spoerl, mit Heinz Rühmann, Erich Ponto, Hans Richter, Paul Henckels. Der bekannte Schriftsteller Johannes Pfeiffer (Heinz Rühmann) hat noch nie die Schulbank gedrückt, zumindest ist er nie auf einer öffentlichen Schule gewesen, sondern hatte immer nur Privatunterricht. Das wird bei einer Runde Feuerzangenbowle mit Freunden zum großen Thema. Und schnell kommt jemand auf die verrückte Idee, dass Pfeiffer doch zur Schule gehen könnte. Gesagt, getan. Der Bart wird abrasiert, das Monokel und der feine Anzug werden weggelegt und Pfeiffer mischt sich unter die Oberstufenschüler eines kleinstädtischen Gymnasiums.

Weiterhin läuft „Dalida“, am Samstag, 16. Dezember, und am Sonntag, 17. Dezember, jeweils um 20 Uhr. Der Film vom Leben und der Karriere der italienischen Sängerin, die ihre Lieder in über zehn Sprachen sang und große Erfolge feierte, basiert auf dem Buch „Dalida - Mon frère, tu écriras mes mémoires“, das Catherine Rihoit mit der Hilfe von Dalidas Bruder Orlando (mit bürgerlichem Namen Bruno Gigliotti) als Memoiren über dessen Schwester verfasste.

Am Sonntag,  17. Dezember, um 16 Uhr heisst es im Familienkino „Ostwind – zusammen sind wir freil!“ (DE 2013) von Katja von Garnier, mit Hanna Binke, Marvin Linke, Cornelia Froboess. Aus der Traum vom Ferienlager! Die vierzehnjährige Mika (Hanna Höppner) hat das Klassenziel nicht erreicht und wird nun von ihren Eltern (Nina Kronjäger und Jürgen Vogel) dazu verdonnert, auf dem Gestüt ihrer strengen Großmutter (Cornelia Froboess) den Sommer über zu lernen. Doch neben dem Stallburschen Sam (Marvin Linke), der sie nicht aus den Augen lässt, entdeckt Mika noch etwas anderes, was auf dem Hof ihr Interesse weckt: den wilden und scheuen Hengst Ostwind. Nicht einmal die fähige Springreiterin Michelle (Marla Menn) oder die Großmutter können das Tier zähmen. Mika beschließt, ihr Glück zu versuchen und schleicht sich in der Nacht in Ostwinds Stall. Damit entwickelt sich eine Freundschaft, in deren Verlauf Mika entdeckt, dass sie in der Lage ist, mit Pferden zu sprechen.

Vor sechs Jahren erschien der Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge. Er wurde von der Kritik gefeiert, gewann Preise und blieb monatelang auf den Bestsellerlisten. Regisseur Matti Geschonneck hat ihn verfilmt, mit einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, jetzt noch einmal in der Kinowerkstatt zu sehen: Am Montag, den 18. Dezember, um 18 Uhr.

Herausragend als deutsche Produktion ist „Simpel“ (BRD 2017) von Markus Goller, noch einmal am  kommenden Montag, 18. Dezember, um 20 Uhr in der Kinowerskstatt zu sehen. Seit Ben (Frederick Lau) denken kann, sind er und sein Bruder Barnabas ein Herz und eine Seele. Barnabas, „Simpel“ genannt (David Kross), ist 22 Jahre alt, aber geistig auf dem Stand eines Kindes. Als ihre Mutter unerwartet stirbt, soll Simpel in ein Heim eingewiesen werden. Als es dazu kommen soll, tickt Simpel aus.

Der österreichische Autor Peter Handke.
Der österreichische Autor Peter Handke. FOTO: dpa / Gert Eggenberger