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Erhalt von Leitungen und Straßen wird teurer

St Ingbert. Der Erhalt der Infrastruktur kostet viel Geld. Was auf St. Ingbert dabei in den kommenden Jahren zukommt, erläuterten Experten in einer Ausschusssitzung des Stadtrates. Dabei wurde deutlich: Ob Straßen oder Leitungen in der Erde – Der Erneuerungsbedarf wächst. Michael Beer

Die Spardiskussion ist landauf landab in vollem Gange. Doch während die Rathäuser überlegen, wo der ein oder andere Euro einzusparen ist, warten an anderer Stelle in den kommenden Jahren deutlich steigende Kosten: in der städtischen Infrastruktur. Zu ihr gehören die Straßen an ihrer Oberfläche genauso wie all das, was darunter verbuddelt ist, also Kanäle, Strom-, Gas-, Wasserleitungen und Leitungen für die Welt der Kommunikation. Adam Schmitt, Beigeordneter der Stadt und für die Grünen im Stadtrat, spricht in diesem Zusammenhang von Investitionsstaus in zweistelliger Millionenhöhe. Auf Antrag der Grünen haben Experten von Stadt und Stadtwerken jetzt den Ratsausschüssen Stadtentwicklung und Umwelt sowie Baumanagement vorgestellt, was sich hinter dem Stichwort Infrastruktur verbirgt und was sie kostet. 260 Kilometer Straße durchzieht St. Ingbert , erläuterte der Leiter der zuständigen Abteilung, Frank Model. In der Zuständigkeit der Stadt liegen davon 220 Kilometer. Mit moderner Technik haben Models Leute heute einen digitalen Straßenkontrollplan, mit dem sie den Zustand und Sanierungsbedarf im Auge behalten. 600 000 Euro stehen für die Straßenunterhaltung in diesem Jahr zur Verfügung. "Das ist nicht allzu viel", sagte Model, "der eigentliche Finanzbedarf läge bei 2,2 Millionen Euro".

Christian Fettig, technischer Leiter des Abwasserbetriebs, erläuterte den Ratsmitgliedern, dass über Gebühren jährlich 8,26 Millionen Euro eingenommen werden. Allerdings fließen davon 5,1 Millionen Euro an den Entsorgungsverband Saar. Das St. Ingberter Kanalsystem ist 235 Kilometer lang.

Sanierungsbedarf steigt



Die Frage nach einem Sanierungsstau lasse sich von Stadt zu Stadt unterschiedlich beantworten. Fettig: "Von einem Stau zu sprechen, halte ich für falsch." In den kommenden Jahren müssten allerdings etwa 80 Kilometer des Systems erneuert werden, da Rohre aus Jahren mit großem Siedlungsausbau ihre Lebensdauer überschritten haben. Dafür müsse "mehr Geld und Menpower" investiert werden. Für die Kanalunterhaltung stehen etwa 710 000 Euro im Haushalt.

Für die St. Ingberter Stadtwerke übernahm deren Geschäftsführer Hubert Wagner die Präsentation. Als Netzbetreiber müsse sein Unternehmen ein umfangreiches Regelwerk beachten. In St. Ingbert liegen nach seinen Ausführungen 213 Kilometer Gasleitungen, 230 Kilometer Wasserleitungen und 701 Kilometer Elektroleitungen unter der Erde. Der jährliche Erneuerungsbedarf liege bei 3,9 Kilometer beim Gas, 4,6 Kilometer beim Wasser und 15,6 Kilometer beim Stromnetz. Beim Gasleitungsnetz beispielsweise seien die Stadtwerke "relativ gut bei. Wir liegen bei der Erneuerung dort, wo wir liegen müssen". Was den Finanzierungsbedarf betrifft, machte auch Wagner wenig Hoffnung auf sinkende Preise für den Endverbraucher. Ein Beispiel: Viele Stromverbraucher sind heute über Photovoltaik-Anlagen auch zugleich Produzenten. Bei steigender Eigennutzung geht ihr Strombezug bei den Versorgern runter. Mithin zahlen sie auch weniger, obwohl sie die Infrastruktur weiter nutzen und deren Kosten nicht geringer werden. Die Tarifstruktur müsse darauf reagieren, sagt Wagner.