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Blieskastel
Kinder dürfen inmitten der Natur lernen

Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener besuchte gemeinsam mit Harald Becker von der Stadtverwaltung im April 2017  den Waldkindergarten in Merzig-Besseringen. Sie ist von dem Konzept begeistert. Im Laufe dieses Jahres soll eine solche Einrichtung auch in Blieskastel entstehen.
Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener besuchte gemeinsam mit Harald Becker von der Stadtverwaltung im April 2017  den Waldkindergarten in Merzig-Besseringen. Sie ist von dem Konzept begeistert. Im Laufe dieses Jahres soll eine solche Einrichtung auch in Blieskastel entstehen. FOTO: Helmut Wolf
Homburg/Blieskastel. Im Wald bei Lautzkirchen soll Blieskastels erster Waldkindergarten entstehen. Die finanziellen Voraussetzungen sind bereits geschaffen. Von Joachim Schickert

Die Stadt Blieskastel soll als Mittelpunkt des Biosphärenreservats Bliesgau in diesem Jahr nach dem einstimmigen Beschluss des Stadtrats einen Waldkindergarten erhalten. Der Waldkindergarten soll ab dem ersten Halbjahr 2018 an die städtische Kindertagesstätte Ballweiler angedockt werden, der Aufenthalt wird in einem Waldstück in Lautzkirchen sein (wir berichteten). Wie CDU und Grüne in einer Presseerklärung mitteilen, sei der Waldkindergarten ein Zukunftsprojekt der beiden Koalitionspartner im Blieskasteler Stadtrat. Im Haushalt 2017/2018 habe die Koalition die finanziellen Voraussetzungen bereits geschaffen.



Mit dem neuen Angebot wollten beide Parteien Blieskastels Position als Mittelpunkt der Bio-
sphäre Bliesgau weiter profilieren und ausbauen. „Waldkindergärten haben sich seit Jahrzehnten hervorragend bewährt, um Kindern eine gesunde Entwicklung im Einklang mit der Natur zu ermöglichen. Das Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge wird sehr früh gefördert“, erklärte der Erste Beigeordnete der Stadt Blieskastel, Georg Josef Wilhelm für die CDU-Fraktion. „Blieskastel verfügt für dieses Konzept über beste Voraussetzungen. Wir haben große, naturnah bewirtschaftete Wälder, die sich sehr gut für einen Kindergartenbetrieb unter freiem Himmel eignen“, ergänzte die Beigeordnete Brigitte Adamek-Rinderle für die Bündnisgrünen. In ihrem Antrag beauftragten CDU und Grüne die Verwaltung, ab dem ersten Halbjahr 20 bis 25 Kindern den Besuch eines Waldkindergartens zu ermöglichen.

Die Einrichtung solle dem entsprechen, was sich in den  Waldkindergärten im Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland bewährt habe. Dazu gehörten insbesondere der nahezu ausschließliche Aufenthalt im Freien bei allen Wetterlagen, soweit keine besonderen Gefahren bestehen, der Umgang und die Gestaltung mit Naturspielzeug und die Förderung der persönlichen Talente in der unmittelbaren Berührung mit der Natur. Für gefährliche Wetterlagen sei aber unbedingt ein beheizbarer Schutzraum vorzuhalten. Nach Angaben des Bundesverbandes der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland, erfreuen sich Waldkindergärten immer größerer Beliebtheit. Der erste Wald- und Naturkindergarten  sei bereits 1968 in Wiesbaden entstanden.

Auch Blieskastels Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener (CDU) ist von dem Konzept des Waldkindergartens nach wie vor  begeistert. Sie habe sich im Vorfeld der Diskussion im Waldkindergarten in der Stadt Merzig umgeschaut und das Thema dann direkt aufgegriffen, um in Blieskastel eine solche Einrichtung anzubieten.

Die Geschichte reicht noch nicht so weit zurück: Die Waldkindergartenbewegung fand erst in den 1990er Jahren größeren Anklang. Der erste anerkannte Waldkindergarten sei 1993 in Flensburg gestartet. Derzeit würden zahlreiche neue Gruppen gegründet. Heute gebe es weit über 1500 Waldkindergärten in Deutschland. Neben reinen Waldkindergärten gibt es auch Wald- und Tierkindergärten, bei denen sich die Kinder auch um die Versorgung und Pflege von Tieren kümmern. Der Waldkindergarten wird häufig als „Kindergarten ohne Dach und Wände“ bezeichnet, wie der Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten auf seiner Internetseite berichtet. Der wesentliche Unterschied zu konventionellen Kindergärten bestehe darin, dass die betreuten Kinder mit ihren Erziehern den Kindergartenalltag fast durchgehend außerhalb von Gebäuden, das heißt im Wald oder auf der Wiese, verbringen. Die Aktivitäten im Freien fänden bei jedem Wetter statt; Einschränkungen gebe es nur bei Witterungsbedingungen, die einen sicheren Aufenthalt im Freien unmöglich machen. Vorgeschrieben seien in Deutschland eine beheizbare Unterkunft in zumutbarer Nähe des Waldgebietes, in dem Kinder und Erzieher bei sehr schlechten Witterungsbedingungen Schutz und Aufenthaltsmöglichkeit finden sollen.

Hierzu dienten in der Regel ein beheizter Bauwagen oder eine Waldhütte. Im Waldkindergarten wird in der Regel auf handelsübliches Spielzeug verzichtet. Die Kinder sollen mit Naturgegenständen spielen, die sie in ihrer Umgebung finden. Die vorgeschriebene Gruppengröße liege bei einem Waldkindergarten bei 15 bis 20 Kindern bei einem Schlüssel von mindestens zwei staatlich anerkannten Erziehern. Abgesehen von diesen Rahmenbedingungen stellten sich die Waldkindergärten als normale Kindergärten vor, in welchen Kinder gebildet, begleitet und erzogen werden. Inzwischen gebe es bewährte Fort- und Weiterbildungsangebote für eine Tätigkeit als pädagogische Fachkraft im Waldkindergarten.