1. Saarland

Die mit dem Müll fahren

Die mit dem Müll fahren

Püttlingen. Hausmüll ist dem Müllwerker angenehmer als Biomüll. Er stinkt nämlich nicht so. Biomüll an heißen Sommertagen ist das Schlimmste. Stinkt grauenhaft. Obwohl man ihn nach so vielen Jahren im Beruf gar nicht mehr so wahrnimmt. Sommerarbeit ist aber insgesamt besser als Winterarbeit. Denn Winter heißt Kälte und Glätte

Püttlingen. Hausmüll ist dem Müllwerker angenehmer als Biomüll. Er stinkt nämlich nicht so. Biomüll an heißen Sommertagen ist das Schlimmste. Stinkt grauenhaft. Obwohl man ihn nach so vielen Jahren im Beruf gar nicht mehr so wahrnimmt. Sommerarbeit ist aber insgesamt besser als Winterarbeit. Denn Winter heißt Kälte und Glätte. Schlechtwettergeld gibt es in dieser Branche nicht. Der Winter geht dem Müllwerker hinten auf dem Trittbrett des Müllautos ganz böse in die Knochen.

Müllwerker ist die offizielle Bezeichnung für diesen Beruf, der kein Lehrberuf ist; die Leute sagen Müllmänner, und das geht für die Müllwerker denn auch in Ordnung. Sie selbst unterscheiden zwischen Fahrer vorn im Auto und Lader beziehungsweise Läufer hinter dem Auto. Der Fahrer fährt, die Lader und Läufer - na klar: die laden und laufen. Wer vorausschauend denkt, macht Führerscheine und kann zum Fahrer aufsteigen. Viele laufen aber nur. Bis sie vielleicht irgendwann müde und ausgelaugt sind, so mit 50 oder 55 Jahren. Dann sehen sie mal weiter. Internistisch krank sind sie dann eher nicht. Dreck macht da, wie der Volksmund sagt, eher Speck. Doch der Rücken, der kriegt am meisten ab.

Der Verdienst ist in Ordnung, versichern sie, jedenfalls bei einem Unternehmen wie Paulus in Friedrichsthal: Mittelständler, soziale Einstellung, menschlicher Chef und ein Routenplaner, der weiß, was man Leuten zumuten darf, wenn man ihnen jeden Tag noch aufrichtig ins Gesicht blicken will. Disponent Robert Munsch könnte jederzeit selbst den Lader machen. Paulus auch.

Die Firma Paulus, 60 Leute, keine Leiharbeiter, 26 Autos, fährt den Müll im Köllertal ab. Unter anderem. Püttlingen, sagt der Chef Josef Paulus, sei "ein Lieblingsgebiet". Weil hier die Häuser so schön dicht stehen, da kommt rasch viel Müll ins Auto und die Tonnenreihen werden flink abgearbeitet. Wer seine Tour fertig hat, kann gehen. Das ist die sportliche Seite des Jobs. Laufende Müllmänner machen aus der 40- eine 35-Stunden-Woche. Wenn die Leute ihre Tonnen günstig aufstellen, können es auch 34,5 werden.

"Wir sind verrückt auf Masse", erklärt der gelernte Bauingenieur Josef Paulus. Am liebsten setzt er eingespielte Dreier-Teams ein, zum Beispiel Fahrer Michael Schneider und die beiden Lader Hans-Jürgen Makary und Michael Steuer. Zuverlässig, ortskundig, schnell, keine Beschwerden - saubere Arbeit für gutes Geld. Reichtum sei aber nicht drin, versichert der Chef, allenfalls noch ein gutes Auskommen. Andere Firmen haben aus Kostengründen nur einen Lader hinterm Auto, der hat es dann schwerer. Osteuropäer arbeiten unter Tarif.

Makary und Steuer schieben nahezu traumwandlerisch eingeübt die Tonnen ans Auto, manchmal zwei gleichzeitig. Sie halten sich, wie routinierte Fußballer, gegenseitig den Rücken frei und Autos vom Hals. Manche rasen mit 50 Sachen im Zentimeterabstand an den Füßen vorbei, die meisten warten aber gern. Arbeitsschuhe mit Stahlkappen sind vernünftig. Wanderschuhe sind aber besser fürs Vorankommen. Makary würde gern mal eine rauchen zwischendrin, aber das muss bis nachher warten, bis das Team zur Deponie fährt. Michael Steuer trägt statt Baumarkt-Handschuhen weiche, weiße, die sonst bei einem Autozulieferer benutzt werden - ein Hauch Luxus in einer rauen Arbeitswelt.

Fahrer Schneider hat Automatikgetriebe, Überwachungskamera und jede Menge Vorschriften, die das Führen des Müllautos sicherer machen sollen. Am verlässlichsten aber ist seine Routine. Früher war er selber zehn Jahre Läufer gewesen. Ihm kann man nichts vormachen. Um 15.30 Uhr ist Feierabend, dann kümmern sich diese Männer um Familien, Fußball, Computer. Der Disponent berichtet, dass im Köllerbacher Neubaugebiet jetzt Bordsteine umgesetzt werden, damit es die Müllwerker leichter beim Rangieren haben. Das ist eine nette Wertschätzung. Und an Weihnachten gibt es hier und da sogar ein kleines Präsent.