Adelige, die nie welche waren

Adelige, die nie welche waren

Wie sind unsere Familiennamen entstanden? Dieser Frage widmet sich Namensforscher Wolfgang Reget aus Merchingen, der für die SZ der Herkunft von Familiennamen auf den Grund geht - in dieser Ausgabe zum letzten Mal. Zum Abschluss seiner Kolumne beschäftigt sich Wolfgang Reget mit der Herkunft "adeliger" Familiennamen

Wie sind unsere Familiennamen entstanden? Dieser Frage widmet sich Namensforscher Wolfgang Reget aus Merchingen, der für die SZ der Herkunft von Familiennamen auf den Grund geht - in dieser Ausgabe zum letzten Mal. Zum Abschluss seiner Kolumne beschäftigt sich Wolfgang Reget mit der Herkunft "adeliger" Familiennamen. Kaiser, König, Herzog, Fürst, Graf, Bischof oder gar Papst - allseits bekannte Amtsbezeichnungen für hohe weltliche oder geistliche Würdenträger und vieltausendfach in Deutschland vorkommende Familiennamen. Manch ein Namensträger wird sich stolz auf eine edle Herkunft berufen. Aber Namen können täuschen. Mit einer fürstlichen Abstammung haben diese Namen leider gar nichts zu tun. Eher ist das Gegenteil der Fall. Solche Übernamen sind auch unter Bezeichnungen wie Schimpf-, Spott- oder Spitznamen bekannt. Als Kaiser, König oder Graf konnte schlichtweg ein eingebildeter, überheblicher, großspuriger oder sehr stolzer Mensch bezeichnet werden, dessen spezielle charakterlichen Eigenschaften in seinem sozialen Umfeld mit einem spöttisch gemeinten Beinamen herausgestellt wurden, der sich schließlich zum Familiennamen verfestigte. In früheren Zeiten zogen fahrende Schauspielgruppen durchs Land. Bei ihren Vorführungen schlüpften vielmals die Akteure in die Rolle von hochwohlgeborenen Edelleuten, so dass unweigerlich die gespielte Rolle zum realen Familiennamen führen konnte. Das amtliche Dienst- oder Abhängigkeitsverhältnis des ursprünglichen Namensträgers konnte ebenfalls den Anstoß zu einem festen Namen geben. Ein niederer Dienstmann, der von Amts wegen besondere Verwaltungstätigkeiten in einer Dorfschaft auszuführen hatte (wie zum Beispiel Aufsicht über die Einziehung der Steuern, Ablieferung des Getreides, Schlichtung bei Streitfällen), konnte wegen dieser Tätigkeit nach seinem adligen Auftraggeber auch als "König" oder "Graf" bezeichnet werden. Da in früheren Zeiten nur männliche Personen mit solchen Aufgaben betraut wurden, fehlen weibliche Entsprechungen völlig. Somit trifft man heute noch auf viele Adlige, die nie welche waren.

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