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Kramp-Karrenbauer warnt Merz
Ton im Rennen um CDU-Spitze wird rauer

Annegret Kramp-Karrenbauer
Annegret Kramp-Karrenbauer FOTO: dpa / Carsten Rehder
Berlin/Saarbrücken. Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer warnt ihre Konkurrenten um den CDU-Bundesvorsitz, nur das Kanzleramt im Auge zu haben. dpa/SZ

Der Ton der Kandidaten im Ringen um den CDU-Vorsitz wird gut drei Wochen vor dem Wahlparteitag in Hamburg rauer. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte ihren Konkurrenten Friedrich Merz davor, den Spitzenposten in der Partei nur als Vehikel für den Einzug ins Kanzleramt anzusehen.


„Es wäre fatal, wenn der Eindruck entstünde, dass man den Parteivorsitz eher als notwendiges Übel betrachtet, das man eingehen muss, um in das wichtigste Staatsamt zu kommen. Das hat auch etwas mit Respekt vor unseren CDU-Mitgliedern zu tun“, sagte die CDU-Generalsekretärin dem „Spiegel“. In einem weiteren Gespräch mit dem „Stern“ zeigt sie sich aber selbst offen für die Kanzlerschaft. „Wenn ich mir das grundsätzlich nicht vorstellen könnte, müsste ich vom Parteivorsitz die Finger lassen.“

Annegret Kramp-Karrenbauer sendet erstmals Spitzen gegen Mitbewerber Friedrich Merz.
Annegret Kramp-Karrenbauer sendet erstmals Spitzen gegen Mitbewerber Friedrich Merz. FOTO: dpa / Carsten Rehder


Im „Spiegel“ antwortete Kramp-Karrenbauer auf die Frage, ob es eine gute Idee von Merz sei, sich nach zehn Jahren in der Privatwirtschaft um den Parteivorsitz zu bewerben. Der Rückzug von Merz aus der Politik 2009 sei eine Entscheidung gewesen, die sie respektiere. „Ich habe mich anders entschieden, bin geblieben und habe die CDU seitdem gemeinsam mit vielen anderen mitgestaltet und fortentwickelt.“ Eine ähnliche Spitze gegen Merz hatte auch der dritte aussichtsreiche Bewerber, Gesundheitsminister Jens Spahn, geäußert. Auf der ersten Regionalkonferenz zur Vorstellung der Kandidaten am Donnerstagabend in Lübeck sagte er, er habe in den vergangenen Jahren ungefähr 250 Termine an der Parteibasis absolviert. In Lübeck hatten sich die drei Kandidaten auf der ersten von acht Regionalkonferenzen vor etwa 800 Parteimitgliedern präsentiert. Dabei erhielt Kramp-Karrenbauer für ihre zehnminütige Vorstellung den größten Applaus (41 Sekunden), gefolgt von Merz (30 Sekunden) und Spahn (15 Sekunden). Zuvor hatte eine Umfrage im Rahmen des ARD-Deutschlandstrends ergeben, dass derzeit 46 Prozent der CDU-Anhänger Kramp-Karrenbauer als neue CDU-Vorsitzende favorisieren, 31 Prozent Friedrich Merz und nur zwölf Prozent Jens Spahn.

Die zweite Regionalkonferenz findet für Parteimitglieder im Saarland und in Rheinland-Pfalz am Dienstag statt. Sie musste wegen des großen Interesses kurzfristig von Mainz in die Messehalle nach Idar-Oberstein verlegt werden. Aus dem Saarland werden mehrere Busse mit CDU-Mitgliedern nach Idar-Oberstein fahren. Saar-CDU Chef Tobias Hans unterstütze gestern erneut die Kandidatur seiner Vorgängerin: „Sie hat das Zeug zum Amt. Denn sie ist bereit, volles Risiko zu gehen. Das hat sie mehrfach bewiesen und beweist es auch dieses Mal. Seitens der Mitbewerber geht niemand dieses Risiko ein“, sagte er gestern der SZ.