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Nach Razzia bei Reichsbürgern: Feindesliste mit Baerbock, Esken aufgetaucht

Mehr Schutz für Bundestag gefordert : Nach Razzia bei Reichsbürgern: „Feindesliste“ mit 18 prominenten Namen entdeckt

Bei der großangelegten Razzia im „Reichsbürger“-Milieu wurde am Mittwoch auch eine „Feindesliste“ der Gruppierung gefunden. Darauf: 18 prominente Personen, unter anderem aus Politik und den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Laut einem Bericht der Berliner „tageszeitung“ stehen mehrere Politiker und Journalisten auf einer „Feindesliste“, die im Zuge der Razzia im Reichsbürger-Milieu am Mittwoch gefunden wurde. Nach Recherchen der „taz“ sind unter anderem Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), SPD-Chefin Saskia Esken, SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der frühere CDU-Chef Armin Laschet und der aktuelle CDU-Chef Friedrich Merz auf der Liste zu finden.

Auf der 18 Personen umfassenden Liste sollen außerdem auch drei bekannte Fernsehmoderatorinnen und -moderatoren öffentlich-rechtlicher Sender stehen.

Nach Reichsbürger-Razzia: Forderung nach Schutz des Bundestages werden lauter

Derweil werden die Forderungen nach einem verstärkten Schutz des Bundestags lauter. „Auch bei diesem Netzwerk gibt es offenbar eine Verbindung zur AfD-Fraktion. Wir werden für den Bundestag genau prüfen, welche Sicherheitsvorkehrungen wir anpassen müssen und das Thema in allen entscheidenden Gremien behandeln“, sagte die stellvertretende Bundestagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt der Funke Mediengruppe (Freitag). Ähnlich äußerten sich Politiker der SPD.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch bei einem der größten Polizeieinsätze in der Geschichte der Bundesrepublik in elf Bundesländern sowie in Italien und Österreich 25 Menschen festnehmen lassen. Unter den Festgenommenen ist die Richterin und frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann. Gegen sie läuft inzwischen ein Disziplinarverfahren. Als ehemalige Abgeordnete hatte Malsack-Winkemann - wie alle ausgeschiedenen Parlamentarier, die dies wünschen - Zugang zu den Gebäuden des Bundestages.

„Verfassungsfeinde mit Zutrittsprivilegien“

Der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, Konstantin von Notz (Grüne), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das Sicherheitskonzept des Bundestags sei nicht dafür gemacht, dass „Verfassungsfeinde mit Zutrittsprivilegien“ ins Parlament gewählt würden. „Wir müssen das Schutzkonzept für den Bundestag erhöhen, ohne den Alltag der demokratischen Abgeordneten zu sabotieren.“

Der SPD-Innenpolitiker Sebastian Hartmann sagte ebenfalls den Funke-Zeitungen: „Nach der Verhaftung einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten der AfD, die den Bundestag stürmen lassen wollte, müssen dringend ihre bestehenden Kontakte in das Parlament überprüft werden.“ Insgesamt solle der Bundestag sein Sicherheitskonzept prüfen.

Dass unter den Beschuldigten eine ehemalige AfD-Abgeordnete des Deutschen Bundestages sei, „ist natürlich ein sehr bemerkenswerter und sehr schlimmer Vorfall“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstagabend nach Beratungen mit den Länderchefs im Kanzleramt. Er war zuvor nach den Konsequenzen gefragt worden, die aus diesem Ereignis gezogen werden müssten. Es gehe nun um „autonome Entscheidungen der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, die jeweils auf rechtlicher Grundlage eine Abwägung vornehmen“, betonte Scholz. Das sei ein gutes Verfahren im Umgang mit den Geschehnissen.

„Klare Kante“ gegen Feinde im Staatsdienst

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff sprach sich angesichts der Festnahme von Malsack-Winkemann für einen besseren Schutz des Richteramts aus. „Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie man einer so offenkundig verfassungsfeindlichen Person den Zugang zur Richterbank öffnet“, sagte er dem Fernsehsender Welt. Die Politik müsse überlegen, ob man das Richterinnen- und Richtergesetz klarer fasse, „um hier ganz deutlich auszuschließen, dass solche Leute Recht sprechen in Deutschland, die eine feindliche Einstellung zu unserer Rechtsordnung als solcher haben“.

Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds, Ulrich Silberbach, forderte im RND „klare Kante“ gegen Verfassungsfeinde im Staatsdienst. „Wer nicht mit beiden Beinen fest auf dem Boden unserer Verfassung steht, hat im öffentlichen Dienst nichts zu suchen, das gilt sowohl für Beamtinnen und Beamte als auch für die Arbeitnehmenden im Staatsdienst.“

(dpa)