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Shakespeare heute: Altes Stück mit jungen Songs

Shakespeare heute : Altes Stück mit jungen Songs

„Rock me Hamlet“ ist eine gelungene musikalische Version von Shakespeares Klassiker, die leider zu wenige Zuschauer hatte.

Shakespeares Hamlet – ein schwerer, klassischer Stoff, ein blutrünstiges Drama, ein monumentales Theaterstück: Wie bringt man so etwas mit der scheinbar leichten Muse namens Musical zusammen? Indem man den Originaltext etwas kürzt und an manchen Stellen einen passenden Popsong einschiebt. So hat das jedenfalls Sascha von Donat gemacht, der Regisseur von „Rock Me Hamlet“, dem Musical-Drama, das jetzt in der Festhalle aufgeführt wurde.

Um es vorweg zu nehmen: Die Vorstellung hätte mehr als die dünnen 250 Zuschauer verdient gehabt. Vor allem gab es zwei stimmlich starke Hauptdarsteller zu sehen, Carl Bruchhäuser als Hamlet sowie Neele Pettig als Ophelia. Peter Saurbier machte als König Claudius ebenso eine gute Figur wie auch Daniel Müller als Horatio. Da konnte man kleine Abstriche machen bei ein paar gesanglich nicht so starken Nebendarstellern.

Von Donat, der in der Pause zu sprechen war, erzählte davon, wie er auf die Idee dieser Hamlet-Version gekommen war: Als Regieassistent hatte er sich einst geschworen, das Stück mal ganz anders auf die Bühne zu bringen. Immer wieder sei ihm ein passender Popsong zu einer bestimmten Szene eingefallen. Glück habe er mit Adeles „Hello“ gehabt, das sei gerade zur richtigen Zeit rausgekommen und habe sich ideal geeignet für den Gesang der Toten im letzten Akt.

In der Tat war dies einer der ergreifendsten Momente, als die bereits verstorbene Ophelia mit dem erstochenen Polonius den Adele-Hit anstimmte, während sich Hamlet mit Ophelias Bruder Laertes duellierte und Königin Gertrud am vergifteten Trank starb. Auch sonst waren die Popsongs geschickt in das Drama integriert, etwa „Little Talks“ von Of Monsters and Men, das am Kipppunkt des anfänglichen Glücks von Ophelia und Hamlet und dem beginnenden Wahnsinn des dänischen Prinzen stand. Oder als Hamlet den Supertramp-Hit „The Logical Song“ sang, mit der passenden Zeile am Ende „Who I am?“ - „Wer bin ich?“.

Fast wie für Hamlet geschrieben ist Coldplays Song „Viva la vida“, den König Claudius am Keyboard anstimmte: Davon, wie es ist, die Welt zu regieren, handelt das Lied, und auch davon, dass Revolutionäre doch gerne den Kopf des Königs auf einem Silbertablett sähen. Also das passte zusammen, 400 Jahre alter Stoff von Shakespeare und aktuelle Popmusik. Vielleicht hätte es sogar Sinn ergeben, die altertümliche Übersetzung zu aktualisieren und eventuell noch ein wenig mehr zu kürzen: Fast drei Stunden Spielzeit mit Pause waren recht lang, und mancher Handlungsstrang für Hamlet-Unkundige schwer nachvollziehbar.

Lobenswert wiederum waren die tolle Band um den musikalischen Leiter, Florian Caspar Richter, die stimmige Ausleuchtung, die Kostüme im Stile des Steampunk sowie die Idee, den gesamten Theatersaal fürs Spiel einzubeziehen: So wandelten Hamlet und Horatio mehrfach durch die Reihen und erweiterten somit den Bühnenraum. Ganz zum Schluss des Dramas wurde die mit Leichen übersäte Bühne schwarz, ehe sich das Ensemble im Dunkeln aufstellte: Als das Licht dann anging, reagierte das Publikum mit stehenden Ovationen.

„Superklasse, es hat uns sehr sehr gut gefallen“, meinte hinterher Sabina Krebs aus Pirmasens, die das originale Drama noch nie gesehen hatte. „Das war modern, der Stoff war aufgelockert durch die Songs, das war eine ganz ganz tolle Idee.“ Diesem Urteil konnte man sich ohne Weiteres anschließen.