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Am Freitag startet Joachim Arnold mit seinem Auto-Konzert-Kino

Kostenpflichtiger Inhalt: Filme, DJs und Bands in den Saarwiesen Merzig : In Merzig trifft Musik auf Filmlegenden

Die Reihe Auto-Konzert-Kino startet am Freitag, 15. Mai, auf dem Parkplatz am Merziger Zeltpalast.

Wann sind Sie auf die Idee gekommen, Kulturelles als Autokino anzubieten?

ARNOLD Als immer klarer wurde, dass es in der Kernzeit des Lockdowns gar keine Möglichkeit für Menschen geben würde, sich zu treffen, zu feiern, einen Anlass zu haben. Egal, ob Gottesdienst, ein Bandkonzert, einen Kinofilm oder Musik. Das war der Abschirm-Panzer „Auto“ auf einmal die einzige Möglichkeit, also das gute, alte Autokino.

Was haben die Zuschauer zu erwarten?

ARNOLD Unser Konzept basiert auf zwei Ebenen: Die erste, und auch wichtigste, ist, dass wir den arg gebeutelten Live-Künstlern, vorwiegend aus unserer Region, ein Forum geben wollen und auch eine Einnahmequelle. Zum anderen zeigen wir, dass es uns als Kulturveranstalter noch gibt. Man muss da ein bisschen trotzig gegenüber dem Virus sein, finde ich. Zum anderen vermissen die Menschen ja das Kino und die aktuellen Filme. Das wollen wir natürlich auch bedienen, indem wir auch die Filme, die gerade jetzt verfügbar sind, die ganze Woche über zeigen. Auch für Familien, also nicht nur spät abends. Das können wir, weil wir eine LED-Leinwand haben, die auch tagsüber ein sehr lichtstarkes Bild liefert. Man wird’s kaum glauben, aber unser Parkplatz am Zeltpalast, der von Bäumen und Grün eingerahmt ist, entwickelt sogar eine richtig schöne Atmosphäre, ganz anders als ein einfacher asphaltierter Platz vor einem Einkaufszentrum. Insofern ist wie so oft aus der Improvisation was sehr Schönes entstanden.

Warum binden Sie Musiker und DJ aus dem Saarland ein?

ARNOLD Wir wollen die Künstler vor Ort unterstützen. Gerade reden alle davon, was sofort getan werden muss (Kita, Gastro etc.) aber Künstler*innen verdienen auch gerade nichts. Also was kann man denn anderes tun, als zu versuchen, ihnen eine Auftrittsplattform zu geben. Denken wir alle bitte ans Ende der Krise. Unsere Kulturlandschaft wollen wir ja erhalten – und nicht nur die staatlich subventionierte, die am wenigstens aktuell zu leiden hat.

Wie viele Events gibt es ab 15. Mai?

ARNOLD Wir wollen eigentlich täglich spielen. Unser Musikprogramm an den sechs Wochenenden (freitags und samstags) steht bereits komplett, das ist unser künstlerisches „Rückgrat“. Und jetzt kommt mit aktuellen Filmen, die wir von Woche zu Woche planen, das „Fleisch“ an die Knochen. Da müssen wir sehen: Was bekommen wir überhaupt? Zu welchen Konditionen? In welchem Wechsel zeigen wir die Filme? Wir wollen alle Zielgruppen erreichen, auch Familien mit Kindern, oder Leute, die auf Action- oder Horrorfilme stehen.

Wie viele Autos können Sie auf das Gelände lassen?

ARNOLD Wir haben Platz für etwa 150 Autos. Neben der LED-Leinwand steht eine große Open-Air-Bühne, auf der die Live Acts stattfinden. Die werden per Video auf die Wall übertragen. Ab Dienstag bauen wir die Technik auf. Das Gelände wird dieser Tage gemäht und hergerichtet. Man wird auf jeden Fall eine gute Sicht auf die Leinwand haben.

Erhalten Sie von der Politik Unterstützung für Ihre Aktion?

ARNOLD Der Abgeordnete Frank Wagner, der ja aus Merzig kommt, hat das Projekt politisch und medial gut vorangetrieben. Es wurde ja dann auch schnell von anderen so oder ähnlich übernommen. Das ist okay so. Es gibt aber niemanden, der über sechs Wochen ein so abwechslungsreiches und vielfältiges Programm anbietet. Die Stadt Merzig hat uns signalisiert, dass sie uns unterstützt. Wir haben unsererseits der Stadt klargemacht, dass für uns dieses wichtige und kostenintensive Projekt neben der Durchführung der Kammermusiktage mit zwölf Konzerten, die wir noch auf Sicht im Sommer im Zeltpalast planen, unser Beitrag für die Kultur der Stadt in diesem Jahr sein könnte, zu der wir uns im Kooperationsvertrag verpflichtet haben und für den wir auch die vertraglich zugesagte finanzielle Unterstützung der Stadt in Anspruch nehmen. Unser Hauptprojekt, die Musical-Eigenproduktion Jekyll & Hyde Ende August, steht ja unter den jetzigen Voraussetzungen noch sehr stark auf der Kippe. Unser Plan B, der auch allen Beteiligten kommuniziert worden ist, sieht vor, dass wir die Produktion genau ein Jahr später spielen, wenn es in diesem Jahr einfach nicht möglich sein sollte. Für den Fall wollen wir natürlich sicher sein, dass die Alternativen, die wir anbieten, auch als Erfüllung unseres Vertrags betrachtet werden.

Wenn Sie drei Wünsche an die Politik freihätten, was würden Sie sich für sich und Ihre freischaffenden Kollegen wünschen?

ARNOLD Nicht eine Sache gegen die andere ausspielen (Gastro gegen Bundesliga). Aber jetzt geht es auch darum, die vielfältige Kulturlandschaft in Deutschland zu erhalten und das nicht nur in Berlin und München, sondern auch in den kleineren Städten, deshalb: stärkeres Bewusstsein für die Nöte der Künstler und Unternehmer, Geld und ideelle Unterstützung der zum Teil schnell improvisierten und vielleicht nicht ganz perfekten Angebote, die sich die Künstler oder Veranstalter ausdenken.

Ist schon abzusehen, was mit den übrigen Veranstaltungen wegen der Pandemie-Beschränkungen passiert – die Kammermusiktage Mettlach und das Musical Jekyll & Hide?

ARNOLD Wie gesagt, wir fahren diese Veranstaltungen auf Sicht, wobei klar ist, dass die Kammermusiktage für uns in diesem Jahr im großen Zeltpalast (ohne Tribüne) stattfinden werden. Wir entwickeln mit den Behörden Lösungen, wie das zu leisten ist, etwa ein Konzept für Hygiene und Einlass, für Abstand, für die Gänge, Desinfektionsmittel, Masken und so weiter. Der Sommer ist die Zeit, in der wir unser Geld verdienen, das ist das eine. Das andere: Wir wollen aber auch zeigen, dass wir leben.