Schwarz, laut und lang

Das erste ganztägige Saarmageddon-Festival auf dem Saarbrücker Messegelände begeisterte am Freitag trotz ein paar Pannen die Fans von Hard Rock und Metal.

Am Bühnenrand erleuchten flammende Pyro-Effekte den Saarbrücker Nachthimmel, harte, schneidende Gitarrenriffs betäuben die Ohren, geschminkte Männer legen mit ihrer Show los. Keine Frage: Der Auftritt der saarländischen Erfolgsband Powerwolf ist ein furioser Abschluss des Rock- und Metal-Festivals Saarmageddon am vergangenen Freitag auf dem Messegelände.

Neun Bands unterschiedlichster Couleur gestalten den langen Tag. Das heißt, beinahe sind es nur acht. Denn gleich zu Beginn wird der Auftritt von Valient Thorr kurzfristig abgesagt - die Band ist noch nicht da. Später betritt dann die US-Band Devildriver die Bühne - um nach zwei Songs sang- und klanglos wieder zu verschwinden. "Leider war die Band viel zu spät", teilt der Veranstalter Saarevent per Facebook mit, "um uns an die vom Ordnungsamt auferlegten Zeiten zu halten, musste das Set der Band drastisch gekürzt werden". Das schmeckt vielen Fans natürlich nicht, die die Tickets gerade wegen des kompromisslosen harten Rocks von Devildriver gekauft hatten.

"Das war viel zu schwach", bringt es Festival-Besucher Steffen Staub auf den Punkt. Der Metal-Fan ist deswegen sichtlich irritiert. Seine Laune hebt sich jedoch wieder, als er von seiner weiteren Leidenschaft erzählt: Er ist Orga-Leiter beim Männerchor Dudweiler. Ein hübscher Kontrast, wie er findet, dass "so jemand" ein Metal-Festival besucht und dazu noch den ganzen Tag ausharrt. Denn Beginn ist bereits um zwölf Uhr mittags. Dass ein so langes Festival ausgerechnet an einem Freitagmittag startet, an dem viele arbeiten müssen, ist ein weiterer Kritikpunkt.

Abgesehen davon erleben die etwa 5000 altersmäßig sehr gemischten Besucher einen gelungenen Start des Saarmageddon-Festivals. Entgegen der düsteren Erscheinung vieler schwarz gekleideter Metal-Freunde blickt man auf dem Festivalgelände in entspannte Gesichter. Es ist ein typisches Rock-Festival mit fliegenden Bierbechern, "Crowdsurfing" (man lässt sich von der Menge tragen) und Leuten, die ein kurzes Nickerchen auf dem Steinboden machen.

Als Hauptband bringt der handwerklich hervorragende Power Metal von Powerwolf die Menge mit treibender Rhythmik, hoher Geschwindigkeit und eingängigen Melodien zum Kochen. Sänger Attila Dorn als Kopf des saarländischen Quintetts spielt locker mit Horror-Klischees. "Ich muss mehr Blut als Wasser trinken", scherzt er, als er kurz hustet. Nachdem er die Massen zum Mitsingen animiert, lobt er überschwänglich: "Ihr trefft alle Töne, das Saarland ist geil!". Einen interessanten Kontrast dazu bildet das australische Quartett Airbourne: harter Blues-Rock der ganz alten Schule. Mit den langen Haaren, die die Musiker im Takt hin und her schwingen, und den "Uh-oh-oh-ohh"-Mitgröl-Chören könnten die Vier den 80er Jahren entsprungen sein oder so manchen AC/DC-Tributabend füllen.

Harten Metal mit derbem Hip-Hop und Reggae-Elementen vereint das britische Quintett Skindred. Die fünf unterbrechen sogar ihren Auftritt, um dem schließlich doch noch eingetroffenen Valient Thorr kurz die Bühne zu überlassen. Eine freundliche Geste bei einem Festival mit viel Potenzial.

Rote Rosen für den Grafen

Unheilig auf Abschiedstour in Saarbrücken

Der Graf gastierte im Rahmen seiner Abschiedstour als Frontmann der Band Unheilig am Samstag auf dem Saarbrücker Messegelände. Rund 7000 Fans, viele davon aus der Gothic-Szene, waren gekommen.



Der Graf mag Saarbrücken. Denn "zum ersten Mal bei dieser Tour haben wir das perfekte Wetter", lässt er die etwa 7000 Besucher auf dem Messegelände wissen: Mit seiner Band Unheilig ist er auf Abschiedstour. Wird es wirklich das letzte Mal sein?

Knapp zwei Stunden gibt der Graf, der seinen bürgerlichen Namen als Geheimsache behandelt, auf der Bühne alles, frenetisch bejubelt von seinen Fans, die er mit großen Gesten hofiert. Immer wieder streicht er sich über sein kahles Haupt, geschwitzt von der Anstrengung eines Konzertabends, und hält inne - womöglich ergriffen von der eigenen Aura.

"Ich fand's klasse", zieht Besucherin Monika Welsch am Ende des Konzertes glücklich ihr Resümee. Sie habe Glück gehabt, da sie einen Tag zuvor ihr Ticket noch bei Ebay gekauft habe. Doch auch sie fragt sich, ob es tatsächlich die Abschiedstour ist. Immerhin habe der Graf das bereits vor zwei Jahren bei seinem Auftritt in Saarbrücken bekräftigt.

Den Fans ist es egal. Überall auf dem Gelände blickt man in fröhliche Gesichter. Sie tanzen zu "Feuerengel", wiegen sich zu "Unter Deiner Flagge" gegenseitig im Arm, singen bei "Zeit zu gehen" lauthals mit. Richtig emotional wird es, als der Graf dem Wunsch dreier Mädchen in der ersten Reihe nachkommt und jeden der Musiker auf ihrem Banner unterschreiben lässt. Da kullern nicht nur bei den Mädchen die Tränen. Alles scheint perfekt, der Sound ist stimmig, die Musiker hochprofessionell, jede Geste sitzt.

Der Graf sagt Goodbye in Saarbrücken. Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel

Und tatsächlich spielt Unheilig sogar ein neues Lied: "Mein Leben ist die Freiheit" wurde erst vor kurzem komponiert, "nur so aus Spaß", wie der Graf mitteilt. Kann es sein, dass Unheilig etwa bereits ein Comeback plant? Klingt die Musik im besten Fall mitreißend wie bei "So wie Du warst", ertönt sie mitunter jedoch wie schlimmster Kirmes-Cha-Cha-Cha wie bei "Die Weisheiten des Lebens". Die aneinandergereihten Sprichwörter gehen als Parodie und Huldigung des eigenen Werkes gleichzeitig durch. Der Zugabenblock beinhaltet eine seltsam gefühlsarme Version von "Für mich soll's rote Rosen regnen" und natürlich den größten Hit "Geboren um zu leben". Obgleich man schon fragen darf, wieso bereits vor den Zugaben dermaßen viele Besucher das Messegelände verließen, geht für die meisten eine emotionale Reise glücklich zu Ende.