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Köllertaler Künstlerin Katharina Krenkel häkelt Viren und Bakterien.

Häkelkunst aus Püttlingen : „Hepatitis war anstrengender als Corona“

Die Püttlinger Künstlerin Katharina Krenkel hat 24 Viren und Erreger als textile Skulpturen für eine Kunstinstallation gehäkelt.

Schreiend bunt, knautschig und kuschelig sind sie, die Viren und Bakterien, die die Köllertaler Künstlerin Katharina Krenkel seit dem Sommer gehäkelt hat. Vom Tuberkulose-Bakterium über den Cholera-Erreger bis hin zum Corona-Virus hat die für ihre textile Kunst bekannte Künstlerin aus Wolle und Garn alles kreiert. Entstanden sind 24 so genannte „soft sculptures“, die derzeit in einer ungewöhnlichen Präsentation im Stadtpark der sauerländischen Stadt Schmallenberg zu sehen sind.

Wie kommen die Häkel-Viren ausgerechnet nach Schmallenberg? „Glückliche Fügung und gute Verbindungen“, sagt dazu Katharina Krenkel. 2015 war die Bildhauerin dort zu einem Textilkunstfestival eingeladen, lernte eine Kunstvermittlerin kennen, die das Projekt mitorganisierte. Außerdem war das Kulturamt der Stadt angetan von der Idee und so gibt es nun in der sauerländischen Provinz eine der raren Kunstpräsentationen, die man vor Corona geschützt live und in Farbe anschauen kann.

In einem großen mit schwarzem Molton ausgeschlagenen gläsernen Schaukasten im „Lenneatelier“ mitten im Park sind die 24 Objekte in drei großen Mobiles montiert. Ein Ventilator bläst Luft in die Installation, die dadurch in ständiger Bewegung ist und den treffenden Titel „Mikromysterium, eine ansteckende Ausstellung“ trägt. Durch Gucklöcher kann das Publikum diesen ans Weltall erinnernden, beleuchteten Kosmos und die kunstvoll nachempfundenen Erreger „wie Forscher durch ein Mikroskop“ betrachten, erläutert Krenkel. Tag und Nacht ist die Installation zu sehen.

„Die Hepatitis war besonders anstrengend“, lacht Katharina Krenkel. Für das Virus mit seinen vielen Noppen häkelte sich die Künstlerin quasi die Finger wund. „Ich habe zwei Wochen fast rund um die Uhr daran gearbeitet.“ Bevor sie zur Häkelnadel greift, macht sie nach der Recherche eine erste „Kritzelzeichnung“, dann entsteht der Erreger aus Garn per Versuch und Irrtum. „Ich probiere rum und ziehe die Fäden immer wieder auf, wenn es nicht passt“, erklärt Krenkel zu ihrer Arbeitsweise. Dann schreibe sie eine Anleitung, damit die Objekte alle gleich aussehen.

Diese Kunst ist also keineswegs mit heißer Nadel gestrickt, sondern wohl durchdacht in ein Konzept verpackt. Sonst wäre es ja Kunsthandwerk. Weil aber Katharina Krenkel und ihr Ehemann O.W. Himmel bekannt für ihre kreativen Ideen auch in Sachen (eigener) Kunstvermarktung sind, gibt es das Corona-Virus in einer kleinen Auflage von sieben Stück zum Erwerb. An einer Skulptur dieser Art arbeitet Krenkel übrigens mindestens eine Woche lang. Sie weiß: „Die eigentliche Arbeitskraft und kreative Leistung, die da drin steckt, will niemand bezahlen.“ Und dennoch ist ihr das Jammern zuwider. „Künstlerinnen wie ich leben schon immer in prekären finanziellen Verhältnissen. Das war auch schon vor Corona so. Als Künstler können wir aber auch etwas geben“, so ihr pragmatischer Ansatz, mit dem sie sich seit vielen Jahren mit ihrem kreativen Schaffen über Wasser hält. Mal mehr, mal weniger erfolgreich und nie so richtig lukrativ. So habe sie mit dem „Mikromysterium“ in Schmallenberg kaum etwas verdient, lediglich ihre eigenen Fixkosten und eine Aufwandsentschädigung seien dabei rumgekommen. „Durch Corona sind bei mir sechs Ausstellungen weggefallen“, erzählt sie. Vor allem ihr gehäkeltes Altartuch, das 2011 erstmals in der Saarbrücker Johanneskirche ausgestellt war, ist quer durch die Republik gefragt, doch zurzeit nicht ausstellbar. Das tut Krenkels Kreativität allerdings keinen Abbruch. „Ich habe in diesem Jahr so viel gearbeitet wie nie und immer viele Ideen.“

Eine davon ist ebenfalls aus der Not entstanden – und so unkonventionell wie man es von Krenkel/Himmel gewohnt ist: Die „Corona-Care-Pakete“. Um die 40 habe man seit April verschickt, mit kleinen Kunstwerken aus der heimischen Produktion darin (wir berichteten). Es gibt keinen festen Preis, sondern es wird um eine Spende gebeten. „Damit haben wir die Energie umgedreht. Die Botschaft soll sein, dass auch wir Künstler etwas anbieten können in dieser Krise. Irgendwas kommt dann immer zurück.“

Ihr „Mikromysterium“ ist bis 31. Januar in Schmallenberg zu sehen. Danach hofft Krenkel, dass auch andere Institutionen sich dafür interessieren. Sie hat zum Beispiel Kontakt zum Dresdener Hygienemuseum aufgenommen und auch in der Region will sie sich umhören.

Corona-Skulpturen oder das Corona-Care-Paket sind bei der Künstlerin erhältlich. Kontakt: https://katharinakrenkel.blogspot.com