Das Neujahrskonzert des Saarländischen Staatsorchesters

Neujahrskonzert des Staatsorchesters : Ein Travolta am Pult

Das Saarländische Staatsorchester begeistert mit seinem neuen Chef Sébastien Rouland beim Neujahrskonzert – das Programm ist am Freitag noch einmal im Staatstheater zu hören.

Jahresauftakt im Sprunglauf: So beflügelnd darf 2019, oder wenigstens das Konzert- und Theaterjahr in Saarbrücken, gern weiterstürmen. Sébastien Rouland entert das Podest beim Neujahrskonzert im Staatstheater mit vollem Amtsfrische-Elan. Wobei dem neuen Generalmusikdirektor der knappe Quadratmeter Dirigentenhügel kaum reicht: Der Franzose wirbelt, steppt und wedelt wie im Saturday Night Fever. Yeah, ein Pult-Travolta! Okay, nicht ganz das passende Jahrhundert, doch in den diversen Strauß-Polkas und Offenbach-Szenen pulst ja mindestens so viel Energie, entfacht sich ähnlicher Tanzbeindrang. Wenn man denn in solchem Taktstocktempo vorprescht wie Rouland mit dem wunderbar agilen Staatsorchester. Die somit rasch auch die 50er-Jahre-Deko vergessen machten, die das Staatstheater wohl aus dem staubigsten Funduswinkel zog. Nein, es muss ja nicht die florale Verschwendungssucht sein, mit der man in Wien zu Neujahr „servus“ sagt, ein paar Blümchen aber hier und da… Da war schon mal mehr Lametta im Großen Haus.

Umso glanzvoller aber das Programm des Konzerts dann, vom Hausherrn höchstpersönlich, Intendant Bodo Busse, prickelnd kommentiert. Bis auf diesen faux pas, Maestro Rouland als „Schaffner“ zu titulieren – wir wollen doch hoffen, dass der GMD auch künftig der Lokführer des Staatsorchester-Expresses bleibt. Zumal er so rasant zwischen Wien und Paris unterwegs ist, zwischen dem zum Start des Jahres obligatorischen Vater-Sohn-Gespann Strauß. Und eben Offenbach. Ob jetzt Jacques oder Jakob spielt da partout keine Rolle. Gerade jetzt zu seinem 200. Geburtstag empfiehlt der sich ja als Kern-Europäer: Feierte der Kölsche Jung doch in Paris seine größten Triumphe. Diesseits des Rheins wiederum hielt man die Can Can nach seinen Noten für den Ausbund französischer Frivolität. So funktioniert’s halt franco-allemand.

Übrigens auch mit dem Publikum im Saarbrücker Theater: Man hört wieder erfreulich viel Französisch auf den Gängen. Vielleicht ja auch die Zugkraft des neuen Orchesterchefs. Die Ouvertüre aus Offenbachs „La vie parisienne“ ist denn gleich eine Visitenkarte seines Könnens. Feurig, aber auch voll klangsinnlicher Streicher – und mit Raffinesse! Die, und das ist das Schöne, auch bei den Herren Strauß nicht ermattet, selbst wenn die „schöne blaue Donau“ vielleicht mehr Leichtigkeit vertragen hätte.

Dass Rouland aber auch ein famoser Sängerdirigent ist, hörte man ja bereits in der Oper. Hier aber kann man auch mal beobachten, wie dezidiert er sich den Sängern zuwendet, wie ernst er auch Höchstvergnügliches nimmt, dann Olga Jélinkovas Sopran und dem köstliche erotische Kapriolen summenden und brummenden Salomón Zulic del Canto einen perfekten Rahmen bietet („Duo de la mouche“). Selbiges gilt für Carmen Seibels herrlich beschwipsten Mezzo („je suis un peu grise“). Und wie wunderbar auch das Staatsorchester Jelinkovás und Seibels Stimmen wiegend auf den „Barcarole“-Klängen bettet. Die perfekte Zugabe. Es geht ja auch mal ohne den ollen Radetzky.

Mehr von Saarbrücker Zeitung