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Das Revueorchester 1920 feiert jetzt zehnten Geburtstag.

Revueorchester 1920 : Blick zurück im Zwirn

Ein Auftritt von Max Raabe war der Urknall: Seitdem hat die Idee eines nostalgischen Ensembles den Musiker Martin Ade nicht mehr losgelassen. Das Revueorchester 1920 feiert jetzt zehnten Geburtstag.

In zehn Tagen feiert das Revueorchester 1920 in der Congresshalle sein zehnjähriges Bestehen – das Jubiläum markiert eine Geschichte voller Herzblut und Suche nach Perfektion. Trompeter Martin Ade ist zusammen mit Thomas Morbe (auch Trompete) der Chef dieser Zeitreisen-Combo mit Richtung auf die 1920er. Er war es auch, den ein Auftritt von Max Raabe in den Neunzigern derart „flashte“, dass er seither von dieser Stilistik nicht mehr lassen kann. „Das war 1995, in der Zeit von ‚Kein Schwein ruft mich an‘, dem großen Hit von Max Raabe. Da dachte ich, das ist genau die Musik, die ich machen will.“

Dennoch dauerte es 13 Jahre, bis Ade diesen Entschluss umsetzte. „Ich fand für diese Musik kein Orchester. Also blieb mir nichts anderes übrig, als selbst eines zu gründen.“ Dass er es schaffte, in relativ kurzer Zeit eine Band aus saarländischen Musikern zusammenzustellen, hat ihn selbst überrascht. „Denn Geld verdienen kann man mit der Nummer weniger, das kann ja keiner bezahlen, so eine große Besetzung“. Als da wäre: eine Sängerin, ein Sänger, eine Tänzerin, eine Posaune, zwei Trompeten, ein Bariton-, ein Tenor- und zwei Altsaxofone, eine Geige sowie die Rhythmusgruppe mit Gitarre, Piano, Schlagzeug und wahlweise Kontrabass oder Sousafon – Bassist Peter Spang beherrscht beides. „Darüber sind wir sehr froh, denn das Sousafon ‚knackt‘ einfach ganz anders, das macht auch den ganz speziellen Klang dieser Zeit aus“, sagt Ade, der generell so nahe wie möglich ans Original kommen möchte. „Wir versuchen die originalen Arrangements zu spielen. Wenn wir die nicht kriegen, lassen wir es uns arrangieren nach einer Originalaufnahme.“

Wer nun meint, die einfachen und eingängigen Melodien wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ wären leicht zu interpretieren, der täuscht sich sehr. „Bei unseren Arrangements brechen sich die Saxofonisten fast die Finger. Das ist richtig spektakulär, mit viel Noten drin und richtig komplex. Mit zwölf Mann sitzen wir da, da hat jeder was zu tun.“ Gitarrist Dietmar Kunzler nahm für die Band extra an Workshops von Max Raabes Gitarristen Ulrich Hoffmeier teil.

Die Liebe zum Detail  gilt nicht nur fürs Musikalische, sagt Ade: „Wir legen auch sehr viel Wert aufs Optische, wir gucken, dass wir die entsprechenden Brillen und die Klamotten anziehen. Ich muss manchmal dahinter sein, dass Gel in den Haaren ist, dass die auch schön glänzen.“ Der große Hype um die Musik der Zwanziger sei vielleicht schon vorbei, allerdings habe die TV-Serie „Babylon Berlin“ den Flair dieser Zeit noch mal aufleben lassen. Am liebsten spielt der Trompeter auf Bällen, denn das, was das Revueorchester 1920 darbiete, sei pure Tanzmusik für die großen Säle. „In der Congresshalle werden einige zwischen den Reihen tanzen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“ Die Band habe mittlerweile einen festen Stamm an Fans, der in passender Kleidung und Kenntnis der richtigen Tanzschritte auf die Konzerte kommt. Die, die es nicht so gut beherrschen, bekommen es auf der Bühne vorgemacht: Sängerin Lisa Helfer erwähnte nämlich irgendwann, dass sie und ihre Schwester Loredana Stepp tanzen können. Das wurde sofort und gerne aufgegriffen und in die Show eingebaut, wobei natürlich auch Stile wie Charleston und Lindy Hop vorgeführt werden. Bei der Jubiläumsfeier mit dem Motto „Tanz auf dem Vulkan“ erhalten die „Helfer Sisters“ Unterstützung vom Revueballett Energy Dancers, einer professionellen Tanzgruppe aus Berlin. Weitere Gäste sind die Rosevalley Sisters mit ihrem dreistimmigen Gesangsstil aus den amerikanischen Dreißiger- und Vierzigerjahren. Peter Stern und sein Ohrwurm Ensemble wiederum werden deutsche Gassenhauer aus den Fünfzigern darbieten.

Konzert: Samstag, 12. Januar, 20 Uhr, Congresshalle Saarbrücken. Infos:
www.revueorchester1920.de