Staatsorchester Konzertsaison : Neue Konzertlust am Saarländischen Staatstheater

Staatsorchester Konzertsaison : Neue Konzertlust am Saarländischen Staatstheater

Stars und Rares: Dirigent Rouland verspricht viel in seiner ersten Saarbrücker Saison.

Gedulden musste man sich ja schon. Als das Staatstheater im April seine Offerten für die Spielzeit 2018/2019 ausbreitete, hatte der frisch gebackene Generalmusikdirektor Sébastien Rouland fürs Konzertpublikum nur einen amuse-bouche parat. Kein Wunder, der Nachfolger von Nicholas Milton ging in Saarbrücken ja kurzfristig an den Start. Bedenkt man überdies die gängigen Vorlaufzeiten der Pultchefs, die oft drei, vier Jahre im Voraus verbucht sind, kann man eigentlich bloß staunen, wieviel der 45-Jährige in seiner ersten Saar-Saison dirigieren will. In der Oper hat er sich Gounods „Faust“ (Premiere: 31. Mai) vorgenommen und die Musiktheater-Melange „Médée/Medea senecae“, Cherubinis Oper plus Xenakis Chorstück also. Und es müsste schon mit dem Opernteufel zugehen, wenn diese Premiere am 19. Januar nicht was Besonderes wird. Schließlich inszeniert dann Demis Volpi, der gefeierte Choreograph und mittlerweile auch Opernmann. Alle Zeichen also auf Ereignis.

Rouland will aber auch im Konzert gleich richtig hinlangen: Vier der acht Sinfoniekonzerte dirigiert der Franzose selbst. Eine mehr als beachtliche Schlagzahl. Fest steht aber auch: Das Warten hat sich gelohnt. Lange schon war nicht mehr soviel Vorfreude auf ein Programm, wie es nun Rouland mit Orchestermanager Stefan Eschelbach auftischt. Denn das Konzertmenü hat einfach alles: Stars und Surprise, bekannte sinfonische Genüsse, aber eben auch Rares.

Schauen wir erstmal zu den Sternen. Wenn man sich gleich zu Beginn (2. und 3. September) Camilla Nylund einlädt, ist das ein Statement und ein Versprechen auf die gesamte Saison. Denn die finnische Sopranistin zählt zu den schönsten wie auch charaktervollsten Stimmen derzeit – mit lyrischer Sensibilität, aber auch enormer Gestaltungskraft. Und die „Bruchstücke“ aus Alban Bergs „Wozzeck“, die sie singen wird, sind auch ein Versprechen auf eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Nordisch bleibt es in gewisser Weise dann mit dem norwegisch-britischen Geiger Charlie Siem im zweiten Sinfoniekonzert (14. und 15. Oktober). Er spielt Gabriel Prokofievs Violinkonzert „1914“. Nein, der Vorname ist kein Schreibfehler, der in London lebende Komponist, Producer und DJ ist der Enkel Sergej Prokofievs; musikalisch ein ganz eigener Kopf mit Hip-Hop-Historie aber auch veritablem Klassik-Interesse. In der neuen Spielzeit ist er zudem der „Artist in Focus“ des Staatstheaters, was nichts anderes heißt, als dass die Bühne ihm große Aufmerksamkeit widmet. Mit diesem Programmschwerpunkt liegt das Staatsorchester offenbar goldrichtig: Bei Fazil Say, zuletzt im Fokus, gingen die Konzertkarten weg wie warme Semmeln. Und so wollen Rouland und Eschelbach denn daran auch nicht rütteln. Im Gegenteil: Mit der Einladung von Prokofiev junior denken sie erfreulicherweise noch kühner, im besten Sinne herausfordender, fern eingefahrener Gleise.

Solistisch aber ist noch viel mehr drin: Hornist Felix Klieser, der sein Instrument mit den Füßen spielt, ist am 31. März und 1. April mit Strauss’ Konzert für Horn und Orchester Nr. 1 zu Gast. Pianistin Sophie Pacini, 2015 mit dem „Echo Klassik“ zur Nachwuchskünstlerin des Jahres gekürt, spielt Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 (28. und 29. April). Und Geigerin Stéphanie-Marie Degand wird sich mit Lalos Symphonie espagnole (16. und 17. Juni) hoffentlich als musikalisch heißblütig erweisen. Der neue Chef verbeugt sich übrigens mit einem Sinfoniekonzert auch tief vor seinem Heimatland Frankreich: Am 19. und 20 Mai lässt Rouland Noten von Ravel, Saint-Saëns und Chausson auflegen.

Konstanten des Staatsorchester-Programms sind mittlerweile schon die „Inspirationskonzerte“ in der Alten Feuerwache – auch hier wird man sich Prokofiev widmen, flankiert von Richard Strauss und Korngold. Und längst ist die populäre Filmmusik kein Beiwerk mehr im Programm: Gleich vier große Konzerte unterstreichen das, wobei man sich das Gastspiel am 3. November in der Alten Schmelz in St. Ingbert mit der Musik zu Chaplins „Goldrausch“ und die „Nacht der deutschen Filmmusik“ am 8. Dezember besonders vormerken sollte. Auch dieses Konzert dirigiert übrigens Rouland. Wer’s lieber konzentrierter mag: Die zehn Kammerkonzerte, die das Staatsorchester aus seiner Mitte heraus bestreitet, versüßen garantiert so manchen Sonntag der nächsten Saison.

Sébastien Rouland, der neue Staatsorchester-Chef. Foto: Ledroit-Perrin

www.staatstheater.saarland

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