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Dieses erotische Kratzen: Curtis Stigers in Neunkirchen

Neunkirchen. Der Mann hatte eigentlich nur einen großen Hit, "I Wonder Why", und das ist auch schon 25 Jahre her. Trotzdem schaffte es Curtis Stigers (51), die Neunkircher Gebläsehalle am Donnerstag bis auf den letzten Platz zu füllen. Er zog nicht nur seine Fans von damals an, sondern auch Liebhaber von Frank Sinatra, dessen Songs im Zentrum des Abends standen. Ein weiterer Publikumsmagnet dürfte die formidable SWR-Bigband gewesen sein, deren hervorragende Solisten ein ums andere Mal Beifallsstürme erzeugten. Sebastian Dingler

Stigers tat alles dafür, in die Fußstapfen der großen Crooner des 20. Jahrhunderts zu treten: Er tänzelte raubkatzenhaft über die Bühne, begleitete die Kicks und Stopps des Orchesters mit Faustschlägen und Fußtritten in die Luft und machte selbstredend ausgiebigen Gebrauch von seinem außergewöhnlichen Stimmapparat. Den Schmelz Sinatras erreichte Stigers nicht ganz, glich das aber mit dem erotischen Kratzen seiner Stimme aus. Außerdem griff er bei zwei Nummern zum Saxofon. Und das überzeugend, auch wenn er bescheiden scherzte, ein kluger Mann würde sein Instrument daheimlassen bei all den Koryphäen der SWR-Bigband.

Unter diesen hatte kein Bläser den stärksten Auftritt, sondern Kontrabassist Decebal Badila, dessen Solonummer den schlechten Ruf des Bass-Solos gewaltig aufpolierte. Inmitten der Swingstücke stach "I Wonder Why" heraus, da verließ Stigers dann vorübergehend die selbstbewusste Crooner-Attitüde, um seinen großen Song über den Schmerz einer gescheiterten Liebe vorzutragen. Das hatte Stil und Klasse.