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Kokettes und verbriefte Sehnsüchte: Leonardy und Brück in Reden

Landsweiler-Reden. lem

Nicht unter Tage, sondern in der Verlesehalle der alten Grube Reden spielen Musikfestspiel-Intendant Robert Leonardy am Steinway und Elisabeth Brück am Mikrofon auf. In Polen gab es ebenso Bergbau wie im Saarland. Obwohl weder Chopin noch seine Interims-Geliebte Georges Sand je unter Tage geschuftet haben, gibt es doch eine kleine Verbindung an diesem Abend, der "liebende" Gegensätze ins Gehör rückt. Denn um Kontraste geht es an diesem Abend, wo im verdampften Schweiß vergangener Tage sich gefühlsbetonte Darbietungen der beiden Akteure den Weg bahnen.

Eingefunden haben sich gut 120 Zuhörer, um "alle Worte zu fassen, die Deinen Mund verlassen". Dein Mund ist Chopins Mund, den die kokette Vielschreiberin Georges Sand wortgewandt umschmeichelt. Die erblondete "Tatort"-Ermittlerin haucht wohl betont die verbrieften Sehnsüchte von Georges Sand. Die Hörerschaft lauscht zusammen mit Leonardy, der sich kontemplativ mit den Ellbogen auf den Flügel stützt. Und die heilige Barbara wacht.

"Ich liebe!" - Auftakt einer einfühlsamen Darbietung, die Leonardy im meisterhaften Spiel der "Etüde E-Dur" dialogisch interpretiert - tosender Applaus. Im Anschluss die rezitierte Traurigkeit des weinenden Genies. Abgründe sind fühlbar. Der von Leonardy frei interpretierte Donauwalzer zaubert dann die Glorie der k. und k. Monarchie ins hallige Rechteck. Ein fröhliches Intermezzo, das einige zum Leidwesen vieler aber zum Small Talk nutzen. Ein "tscht", dann Ruhe, ein in h-moll gesetzter Schluss beendet den Abend, der sich ohne lästige Flüstereien sicher besser ausgenommen hätte.