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Zara-Gründer macht wieder Kasse

Arteixo/Madrid. Der weltgrößte Textilriese Inditex wächst und wächst. 2014 wurde wieder ein Rekordergebnis erzielt. Konzerngründer Amancio Ortega schweigt sich über sein Erfolgsrezept aus, aber eine spanische Zeitung glaubt, es zu kennen. dpa-MitarbeiterEmilio Rappold

Als Amancio Ortega in einem Hemdengeschäft im Nordwesten Spaniens vor 65 Jahren sich mühsam seine ersten Pesetas verdiente, hätte sich der 13-jährige Laufbursche nicht in kühnsten Träumen seine Zukunft vorstellen können. Wegen der erneut hervorragenden Geschäfte seiner Läden um die auch in Deutschland beliebten Kleidungsmarken Zara und Massimo Dutti wird der Gründer und Mehrheitsaktionär des weltgrößten Textil-Einzelhandelskonzerns Inditex in diesem Jahr nach spanischen Medienschätzungen rund eine Milliarde Euro an Dividenden kassieren .

Im abgelaufenen Geschäftsjahr glänzte das Unternehmen aus der 30 000-Einwohner-Provinzstadt Arteixo bei La Coruña im Nordwesten Spaniens nämlich erneut mit einem Rekordergebnis. 2014 habe man den Nettogewinn um fünf Prozent auf 2,5 Milliarden Euro verbessert, teilte der Konzern mit. Der Umsatz habe sich sogar um acht Prozent auf 18,1 Milliarden Euro erhöht.

Mit diesen Zahlen übertrumpft Inditex seinen Hauptkonkurrenten H&M um Längen. Die Schweden kamen 2014 auf einen Nettogewinn von 2,14 Milliarden sowie auf Erlöse von insgesamt 16,2 Milliarden Euro . H&M ist zwar mit einem satten Gewinnplus von mehr als ein Drittel ins neue Geschäftsjahr gestartet und sieht sich in einem Höhenflug, doch an den spanischen Mode-Riesen Inditex wird man so schnell nicht herankommen. Der will ebenfalls kräftig wachsen. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Expansion auch 2015 fortsetzen wird", sagte Pablo Isla, der Ortega vor vier Jahren im Amt des Firmenpräsidenten ablöste.

"Lokomotive" des Konzerns bleibt Zara. Die inzwischen fast legendäre Marke erhöhte 2014 ihren Umsatz um sieben Prozent auf 11,6 Milliarden Euro . Groß im Kommen ist unterdessen das 2003 ins Leben gerufene Tochterunternehmen Zara Home, das im vergangenen Jahr umsatzmäßig gleich um 21 Prozent auf 548 Millionen zulegte.

Inditex ist inzwischen in 88 Ländern auf allen fünf Kontinenten präsent. 2014 wurde die Zahl der Läden um 343 auf 6683 erhöht. Neue Geschäfte wurden unter anderem in so namhaften Adressen wie der Züricher Bahnhofsstraße, der Lincoln Road in Miami, der Calle Serrano in Madrid und der Queens Road in Hongkong eröffnet. Allein in China gibt es bereits mehr als 500 Verkaufsflächen.

Wie Präsident Isla ankündigte, sollen dieses Jahr für 480 Neueröffnungen 1,35 Milliarden Euro investiert werden. Zudem wird der Internethandel stetig ausgebaut.

Die Aktionäre sollen eine um 7,5 Prozent erhöhte Dividende erhalten. Die Mitarbeiter - deren Zahl 2014 um 8741 auf 137 054 kletterte - sollen bei einer Firmenzugehörigkeit von mindestens zwei Jahren künftig am Erfolg beteiligt werden. Dafür wolle man ab 2016 zehn Prozent des Gewinnzuwachses bereitstellen.

Ortega ist Schätzungen des US-Magazins "Forbes" zufolge mit 63 Milliarden US-Dollar (rund 59 Milliarden Euro ) viertreichster Mann der Welt. Der asketisch und zurückgezogen lebende 78-jährige Selfmademan hat nie eine Universität besucht und absolvierte nur ein paar Grundschuljahre. Sein Erfolgsmodell wird von den besten Hochschulen der Welt studiert, verraten hat es Ortega aber nie.

Die spanische Zeitung "El País" glaubt indes, das Rezept zu kennen. "Schnelligkeit" und "Logistik" seien die Zauberworte. Im Schnitt brauche die Idee eines Inditex-Designers heute oft nur noch zwei Wochen, bis sie als neues Produkt im Kleiderschrank des Kunden hängt.