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„Wir arbeiten jenseits der Joghurt-Kultur“

 Martin Monzel, Geschäftsführer der Firma Lactopia, bei der Arbeit in seinem Labor. Foto: Becker & Bredel
Martin Monzel, Geschäftsführer der Firma Lactopia, bei der Arbeit in seinem Labor. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Saarbrücken. Viele kennen Probiotika durch Trinkjoghurts in kleinen Flaschen. Als Pulver oder Kapseln gibt es die „guten“ Bakterien beim jungen Saarbrücker Unternehmen Lactopia. Solche Nahrungsergänzungsmittel sollen zum Beispiel die Verdauung fördern. Robert Schmidt

Die Lactopia-Mitarbeiterin trägt einen weißen Kittel und eine weiße Haube, die Hände in Arzthandschuhe verpackt. Sorgsam füllt sie kleine braune Kapseln über einen Trichter in eine kleine Plastikdose. Keine Medikamente werden hier verpackt, wie mancher denken könnte, sondern Nahrungsergänzungsmittel . Die Palette der Firma Lactopia, die auf zwei Etagen im Starterzentrum der Saar-Universität arbeitet, reicht von Kapseln gegen Verdauungsbeschwerden über Kosmetik und Tierfutter bis hin zu Pulver für Joghurt. Das wichtigste Gut des jungen Unternehmens lagert in mehreren großen Gefrierschränken: Probiotika. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO sind das "lebende Mikroorganismen, die einen über die Grundernährung hinausgehenden Nutzen für die menschliche Gesundheit hab en".

Lactopia-Geschäftsführer Martin Monzel legt Wert darauf, nicht mit Herstellern probiotisch angereicherter Trinkjoghurts wie Actimel , LC1 und Yakult in einen Topf geworfen zu werden: "Wir arbeiten jenseits der Joghurt-Kultur", sagt Monzel. Die EU hatte es der Branche 2011 untersagt, mit Gesundheitsversprechen zu werben. Die Unternehmen hätten ihre Werbeversprechen nicht oder zumindest nicht ausreichend wissenschaftlich untermauert, so die Begründung.

Monzel sieht das zumindest für seine Produkte als nicht zutreffend an. Es sei bewiesen, dass die "regelmäßige Einnahme bestimmter Probiotika die körpereigene Abwehr" stärke. Diese Probiotika setze Lactopia gezielt ein, mische sogar auf Kundenwunsch die jeweils geeignetsten Bakterien zusammen. Lactopia garantiere zudem eine Mindestkeimzahl in seinen Produkten. Das Unternehmen habe auch ein EU-Bio-Siegel erhalten, das garantiere, dass für die damit gekennzeichneten Produkten nur natürliche Zutaten verwendet würden.

Im Jahr 2013 hat der heute 42-jährige Monzel Lactopia gegründet, gemeinsam mit dem heute 50-jährigen Götz Beylich-Oswald, der dafür seine Praxis als Allgemeinarzt aufgegeben hat. Monzel, der in Gießen Biotechnologie studiert hatte, war zuvor Leiter des Netzwerks der Nano- und Biotechnologie Nano-Bio-Net in Saarbrücken . Mittlerweile hat die Firma fünf Vollzeitstellen und beschäftigt studentische Hilfskräfte. Mentor Holger Maaß von den Business Angels Saarland ist kaufmännischer Leiter und Gesellschafter der Firma geworden. Auch der Biopharmazie-Professor Marc Schneider von der Universität des Saarlandes ist als Gesellschafter bei der Firma eingestiegen.

Lactopias Jahresumsatz lag im vorigen Jahr bei 200 000 Euro, soll sich aber in den kommenden Jahren jeweils verdoppeln, sagt Monzel. Unterstützt wurde die Firma mit einem "Exist"-Existenzgründer-Stipendium des Bundes, das ein Jahr lang drei Gründern den Lebensunterhalt sowie Sachkosten finanzierte. Ausgezeichnet mit einem Preis beim überregionalen Businessplan-Wettbewerb "1,2,3, go" hat sich Lactopia bereits ein ansehnliches Netzwerk aufgebaut: "Wir haben bereits mehr als 40 Produkte auf dem Markt und beliefern viele Kunden mit eigenen Vertriebsnetzen." Ideen habe man für die nächsten fünf Jahre, sagt Monzel. Gerade in der Entwicklung: ein probiotisches Abnehmmittel.

lactopia.de