US-Staat kappt Managergehälter

US-Staat kappt Managergehälter

Washington. US-Oberaufseher Kenneth Feinberg ließ sich vier Monate lang Zeit, die Vergütungsstrukturen der sieben Unternehmen unter die Lupe zu nehmen, die ihr Überleben dem amerikanischen Steuerzahler verdanken

Washington. US-Oberaufseher Kenneth Feinberg ließ sich vier Monate lang Zeit, die Vergütungsstrukturen der sieben Unternehmen unter die Lupe zu nehmen, die ihr Überleben dem amerikanischen Steuerzahler verdanken. Die Banken Citigroup, Bank of America, GMAC und Chrysler Financial, der Versicherer AIG und die beiden Autobauer Chrysler und General Motors erhielten im vergangenen Jahr Staatshilfen von rund 250 Milliarden US-Dollar und Garantien, die weit drüber hinaus reichen. Vermutlich existierte heute keiner dieser Konzerne mehr ohne die Nothilfe aus Washington. Dass sich die Führungsetagen der betroffenen Unternehmen für ihr Versagen mit generösen Boni und Spitzengehältern belohnt, während Amerikaner in Rekordzahlen ihren Job verlieren, lässt die Wut auf der Straße kochen. Und veranlasste den Aufseher der US-Regierung nun entschieden durchzugreifen. Feinberg will die Gehälter der 175 führenden Manager jener Unternehmen, welche die höchsten Staatshilfen in Anspruch genommen haben, drastisch zusammenstreichen: Sie müssen im Schnitt mit Einbußen von 50 Prozent rechnen. Die obersten Firmenchefs sollen gar auf 90 Prozent ihrer Bezüge verzichten. Die meisten Zahlungen - ohne Boni - sollen auf unter 500 000 Dollar (333 300 Euro) im Jahr sinken, berichtete das "Wall Street Journal". Hinzu kommt ein gestaffeltes System an Aktien-Vergütungen, das sich am langfristigen Wohl eines Unternehmens orientiert. Demnach dürfen Aktienpakete erst nach Ablauf von zwei Jahren zu einem Drittel eingelöst werden. Besonders stark greift Feinberg beim Versicherer AIG ein, der bisher wenig unternahm, die Boni-Pakete in Höhe von 198 Millionen US-Dollar zurückzustutzen. Die Bezüge der AIG-Manager sollen auf jeweils 200 000 US Dollar im Jahr begrenzt werden. Vorbei sein soll es künftig auch mit anderen Statussymbolen unternehmerischer Macht. Firmenflieger, Chauffeure, Mitgliedschaften in edlen Country-Clubs und Golfplätze unterliegen dann der Genehmigung durch die Regierung. Darüber hinaus drängt Feinberg darauf, die Stellung der obersten Chefs zu schwächen. Deren Aufgabe soll künftig zwischen einem Vorsitzenden und einem Geschäftsführer aufgeteilt werden. Die detaillierten Richtlinien Feinbergs werden noch in dieser Woche erwartet. Die US-Regierung will damit auch ein Signal setzen. Statt direkt in andere, nicht von staatlicher Hilfe abhängige Unternehmen einzugreifen, setzt Washington auf die Einsicht der Verantwortlichen, sich bei den Bezügen zu mäßigen. In der Finanzbranche an der Wall Street wird aber erwartet, dass Rekordboni in Höhe von 140 Milliarden Dollar ausgeschüttet werden. sp/afp