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„Ungarischer Abend“ mit der Deutschen Radio Philharmonie

Saarbrücken. Wer am Freitag im Sendesaal auf dem Halberg einen „Ungarischen Abend“ mit Tänzen und Rhapsodien erwartet hatte, fand sich in diesem ersten SR-Studiokonzert inmitten zeitgenössischer Orchestermusik wieder. Für „Levitation“ ließ sich Peter Eötvös 2007 von einem chinesischen Artisten inspirieren, der eine Feder auf der Nasenspitze balancierte und mit seinem Atem in der Luft tanzen ließ. Von SZ-MitarbeiterHelmut Fackler

Mit zwei Klarinetten (gespielt von Nina Janßen-Deinzer und Boglárka Pesze), einem Akkordeon (Stefanie Mirwald) und 12 Streichern zaubert der erfindungsreiche Instrumentator Klangbilder aus Flageoletts, Obertönen und extrem hohen Instrumentallagen, die "Schwebendes" suggerieren. Der Deutschen Radio Philharmonie gelang dies überzeugend, ihr Dirigent Zsolt Nagy führte sie präzise.

Dies auch im Violinkonzert von György Ligeti, das die Geigerin Tanja Becker-Bender mit raffinierten Klangeffekten in technischer Perfektion und, wo es möglich war, auch mit betörend großem Ton ausstattete. Im klein besetzten Orchester experimentiert der Klangforscher Ligeti mit "verstimmten" Streichern, in "unreiner" Mischung mit temperiert gestimmten. Eine faszinierende Klangwelt, aus der die Solovioline mit einer fulminanten Schlusskadenz in die orchestrale Fortissimo-Realität zurückholte.

Was in der "Tanzsuite" von Béla Bartók nach Folklore klingt, ist der Volkskunst abgelauscht. Es sind jedoch keine Zitate, sondern melodisch wie rhythmisch freie Erfindungen des Komponisten. Dieser "erdichteten Bauernmusik" voll innerer Motorik gab das Orchester unter der straffen Führung von Zsolt Nagy handfeste Strukturen, satte Farben, aber auch feine Schattierungen in den Zwischenspielen. Es war ein gelungener, etwas anderer "ungarischer" Abend.