Telekom und United Internet wollen E-Mails sicherer machen

Telekom und United Internet wollen E-Mails sicherer machen

Mitten im NSA-Überwachungsskandal wollen deutsche Internet-Firmen mit Sicherheit „Made in Germany“ punkten. Die Deutsche Telekom und United Internet (Web.de, GMX) stellten gestern eine gemeinsame Initiative vor, die das Versenden von E-Mails sicherer machen soll.

Unter Internetnutzern geht die Angst um. Seit Wochen hören sie täglich, wie ihre Kommunikation von britischen und amerikanischen Geheimdiensten abgesaugt, durchsucht und gespeichert wird. Die Auswirkungen bekommt die sonst so hippe Technologie-Branche inzwischen zu spüren. Das Vertrauen der Nutzer in Internetdienste ist eingebrochen, wie jüngst eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom zeigte. Mehr als die Hälfte der Nutzer hat demnach weniger starkes oder gar kein Vertrauen in die Internetwirtschaft. Vor diesem Hintergrund wollen die Deutsche Telekom und United Internet (Web.de, GMX) gemeinsam einen sicheren E-Mail-Dienst anbieten.

Unter dem Motto "E-Mail Made in Germany" stellten die Chefs der beiden Konkurrenten gestern eine entsprechende Initiative vor. Dabei werden Mails auf ihrem Weg zwischen den Rechenzentren der Unternehmen mit dem Netzwerkprotokoll SSL verschlüsselt. Zudem würden alle Daten "in sicheren Rechenzentren in Deutschland" gespeichert, erklärten die Unternehmen.

"Wir machen den Transport des Mail-Verkehrs in Deutschland sicherer", sagte Telekom-Chef René Obermann. Zwei Drittel der Internetnutzer in Deutschland verwendeten eine E-Mail-Adresse von T-Online, Web.de oder GMX als ihr zentrales Mail-Konto. Die meisten Nutzer schickten ihre Mails bereits über eine SSL-gesicherte Verbindung an die Server der Unternehmen. Von 2014 an soll das Pflicht werden.

Ein Sicherheitsmanager der Telekom verglich den Transportweg mit einem Rohr, durch das eine Mail geschickt werde. Dieses Rohr sei nun undurchsichtig. Jedoch werden die Mails weiter unverschlüsselt auf den Rechnern der beiden Telekomanbieter gespeichert, wenn der Anwender nicht selbst eine Verschlüsselungssoftware einsetzt. Von dort können deutsche Ermittlungsbehörden sie mit einem richterlichen Beschluss anfordern.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) begrüßte die Brancheninitiative: "Mit dieser Verschlüsselung werden die Zugriffsmöglichkeiten Unberechtigter weiter erschwert." Er sehe darin eine sinnvolle Ergänzung zu der bereits seit über einem Jahr bestehenden De-Mail. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) befürwortete die Ankündigung. "In Verbindung mit einem sicheren PC ist dieses neue E-Mail-Angebot ein wesentlicher Beitrag zu mehr Sicherheit im Cyberraum", sagte Lothar Eßer, Leiter des BSI-Referats Internetsicherheit.

Netzaktivisten kritisierten das Angebot als überflüssige Marketing-Aktion. Die beiden Unternehmen "schließen lediglich zwei existierende Sicherheitslücken", schrieb das Blog "Netzpolitik.org". Das allein mache die E-Mail-Kommunikation nicht sicherer. Wie bei der De-Mail fehle eine wirksame Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.