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Tanz auf dem Vulkan

Hat klare Vorstellungen davon, wie eine Inszenierung auszusehen hat: Musik & Theater Saar-Chef Joachim Arnold bei den Proben zu „Cabaret“ im Merziger Zeltpalast. Foto: Ruppenthal
Hat klare Vorstellungen davon, wie eine Inszenierung auszusehen hat: Musik & Theater Saar-Chef Joachim Arnold bei den Proben zu „Cabaret“ im Merziger Zeltpalast. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Merzig. Joachim Arnold und sein Team von Musik & Theater Saar bringen den Broadway-Musical-Klassiker „Cabaret“ um die lebensfrohe Nachtclubsängerin Sally auf die Bühne. In der Version von Holger Hauer sollen die beiden Liebespaare mehr Profil bekommen. Von SZ-RedakteurinSophia Schülke

Mehr Ernst, mehr Intimität und mehr Inhalt. Nachdem im vergangenen Sommer das Musical "Hairspray" einem wie eine schrille und bunte Sahnetorte im Merziger Zeltpalast vorkam, folgt nun ein Klassiker, der als Tanz auf dem Vulkan ein zugleich düsteres wie überdrehtes Porträt der 30er-Jahre in Berlin zeichnet. Das Broadway-Musical "Cabaret" feiert am 9. August seine Premiere. Bis zum 1. September werden 12 Veranstaltungen gegeben. Die lebensfrohe und politisch naive Sally, Nachtclubsängerin im Berliner Kit-Kat-Club, verliebt sich in den amerikanischen Schriftsteller Clifford. Doch der aufkommende Nationalsozialismus beschwert die Beziehung.

Mit "Cabaret" wird es nicht nur ernster zugehen als bei "Hairspray", sondern auch direkter: "Ich sage meinen Kit-Kat-Girls, dass sie mit dem Publikum, speziell mit den Männern, spielen sollen", erklärt Regisseur Holger Hauer, der seine Karriere am Saarländischen Staatstheater begann. Überhaupt öffnet Musik & Theater Saar-Chef Joachim Arnold die Bühne in den Zuschauerraum: Wer die Logenplätze nimmt, sitzt in der Arena vor der Bühne, dort wo die Tänzerinnen beginnen. Tanz soll aber kein Selbstzweck sein. "Wenn man in meiner Choreografie tanzt, gibt es einen Anlass", so Choreograf Christopher Tölle.

Auf der Bühne markieren drei Portale die Eingänge des Kit-Kat-Clubs, schwarze Vorhänge und Lichterketten schaffen intime Atmosphäre. "Drei Projektionsflächen betonten über Bilder wie fahrende Züge oder zerspringendes Glas die Emotionen der Figuren", sagt Arnold. Sechs Musiker spielen dazu im Jazzstil der Zeit.

Neben der üblichen Darstellung einer - von Endlosparty und wirtschaftlich-sozialen Problemen - zerrissenen Stimmung, will Regisseur Hauer einen Schritt weitergehen: "Die Figur des Clifford soll stärker gezeichnet werden, die Figur wird oft als lascher, Sally anhimmelnder Typ vernachlässigt." Darüber hinaus will die Merziger Produktion einen anderen Umgang mit den beiden gegensätzlichen Liebespaaren finden. "Wir wollen die Temperatur in ihren Szenen unterschiedlich zeichnen", sagt Hauer. Schließlich scheiterte das junge Paar, Sally und Clifford, an inneren Umständen, das ältere Paar, Fräulein Schneider und Herr Schulz, an äußeren. Bisher, so Hauer, sei dies immer gleich abgebildet worden.

Eine junge Frau mit dem Traum von einer Schauspielkarriere, die alles möchte und am Ende als großer Clown dasteht, der viel verloren hat - so sieht Schauspielerin Vasiliki Roussi ihre Sally. Hier spielt sie die Figur bereits zum vierten Mal. "Ich begreife diese Leichtigkeit von Sallys Lebensgefühl besser als mit Mitte 20", sagt die Schauspielerin und ergänzt, "weil ich weiß, dass unter dem, was sie sagt, noch andere Schichten stecken". Unter dem Motto "An American in Paris - eine musikalische Weltreise" steigt am heutigen Samstagabend im Strandbad Losheim die 17. Ausgabe der Open-Air-Gala "Klassik am See". Auf dem Programm stehen "Klassik-Hits" von Gershwin, Verdi, Vivaldi und anderen. Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern (DRP) unter Leitung von Antony Hermus. Solisten sind Bernd Glemser (Klavier), Irina Oknina (Sopran) und Geert Chatrou (Kunstpfeifer). Beginn um 20 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Infos und Tickets: www.klassik-am-see-losheim.de