Petra Lamy als Wirtin in „Cabaret“

Im Merziger Zeltpalast hat am 9. August Holger Hauers Inszenierung des Musicals „Cabaret“ Premiere. Seit 10. Juli wird geprobt. Petra Lamy spielt Fräulein Schneider, die Zimmerwirtin von Hauptfigur Sally Bowles.

Petra Lamy.

Ob die Piaf-Fans es Petra Lamy verübeln werden, dass sie Fräulein Schneider den Vorzug gab? Denn eigentlich wäre die Zeit dafür reif gewesen, dass die Saarbrücker Schauspielerin, Sängerin und Leiterin der Schauspiel-Schule Acting & Arts in diesem Herbst wieder einmal mit ihrer beliebten "Hommage an Edith Piaf" auf die Bühne tritt.

Am 10. Oktober jährt sich der Todestag des Spatzen von Paris zum 50. Mal. Nachdem schon im Frühjahr die ersten Anfragen kamen, ob sie zu diesem Anlass etwas plane, habe sie Holger Hauer angerufen und gefragt, ob er in diesem Programm wieder als Erzähler mitmachen würde, erzählt Lamy. Stattdessen machte Hauer ihr ein Gegenangebot: Ob sie Lust hätte, unter seiner Regie als Fräulein Schneider im Musical "Cabaret" im Zeltpalast mitzuwirken.

Bei jedem anderen hätte sie wohl nein gesagt, meint Lamy. Denn in der ihr bekannten Film-Version des Musicals mit Liza Minelli spielt die Zimmerwirtin Schneider nur eine untergeordnete Rolle, als "schrulliges ältliches Fräulein". Doch zu Holger Hauer hat Lamy volles Vertrauen. Bei ihm könne man sicher sein, schwärmt Lamy, dass er mit Schauspielern nicht nur oberflächliches "Musical-Acting" mache, sondern es ihm darum gehe, "die Geschichte herauszuarbeiten".

In Hauers Inszenierung drehe sich das Geschehen vor der heraufdämmernden Nazi-Zeit im Berlin Anfang der 1930er nicht nur um Sally Bowles und ihren Geliebten Cliff Bradshaw. Auch Fräulein Schneider, bei der die beiden unterkommen, und die beiden anderen Mieter, Herr Schultz und Fräulein Kost, werden als Figuren nuanciert ins Licht gerückt.

Die Schneider, so Lamy über ihre Rolle, sei eine resolute Frau, die bessere Tage erlebt habe und nun immer mehr Zimmer ihrer elterlichen Wohnung vermieten müsse, um sich über Wasser zu halten. Als Herr Schultz um die Schneider wirbt, blüht sie auf. "Heirat", heißt der bekannte Song, den Lamy in "Cabaret" singt. Als ein Nazi Schultz bei der Verlobungsfeier als Juden beschimpft und ein Stein ins Fenster kracht, zieht sich Schneider von Schultz zurück. Da frage man sich natürlich, warum.

"Ich will sie nicht als Feigling hinstellen, aber auch nicht rechtfertigen", betont Lamy. Das letzte Lied zeige, was in Schneider vorgehe: "Ich bin müde, gegen wen soll ich denn noch kämpfen, wenn selbst meine Freunde nun in der NSDAP sind?"

Seit dem 10. Juli wurde in Merzig geprobt. Die Truppe sei Holger Hauers "Wunschensemble", insgesamt ein tolles Team, sagt Lamy. Am Freitag ist Premiere, bis September wird dann fast täglich in Merzig gespielt. Eigentlich müsste sie ziemlich erschöpft wirken, denn auch das neue Semesterprogramm ihrer Schauspielschule muss sie bis zum September noch vorbereiten. Anmerken lässt sie sich aber nichts. Und die Piaf? Mal sehen. Vielleicht kommen die Fans ja doch noch auf ihre Kosten.

"Cabaret" - das Broadway-Musical im Merziger Zeltpalast. Termine: 9. (Premiere), 10., 11., 16., 17., 18., 23., 24., 25., 30. und 31. August sowie 1. September. Beginn der Vorstellung jeweils um 20 Uhr, sonntags um 16 Uhr. Karten und weitere Informationen unter Telefon (0 68 51) 9 79 07 77.