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Gesetzlich oder privat krankenversichern?

Gesetzlich oder privat krankenversichern?

Für junge Gutverdiener ist es verlockend, von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung zu wechseln. Pro Monat können sie viel sparen und bekommen auch bessere Leistungen. Dennoch sollte die Entscheidung gut durchdacht sein.

Im Krankheitsfall eine Behandlung nur vom Besten und unter optimalen Bedingungen zu bekommen, das will jeder. Zwar bietet die gesetzliche Krankenversicherung eine gute Grundversorgung, wer aber auf Extraleistungen wie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer in der Klinik Wert legt, kann unter bestimmten Voraussetzungen in die private Krankenversicherung wechseln. Allerdings ist eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht ohne Weiteres möglich, ab dem 55. Lebensjahr sogar nahezu ausgeschlossen.

"Privat krankenversichern kann sich jeder, der in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht versicherungspflichtig ist", sagt Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung . Selbstständige und Freiberufler können sich jederzeit privat krankenversichern, und zwar unabhängig von ihrem Einkommen. Auch Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (2015: 54 900 Euro) haben die Möglichkeit, in die private Versicherung zu wechseln. Für Staatsdiener lohnt es sich ebenfalls. "Für Beamte ist die private Krankenversicherung sogar meist deutlich preiswerter als die gesetzliche, weil ein großer Anteil ihrer Krankheitskosten von der Beihilfe ihres Dienstherrn übernommen wird", erklärt Ulrike Steckkönig von der Stiftung Warentest .

Wer in eine private Krankenversicherung wechseln möchte, muss sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen und einen Fragebogen ausfüllen. Von diesem Ergebnis kann es eine private Krankenversicherung abhängig machen, ob sie einen bislang gesetzlich Versicherten aufnimmt oder nicht.

In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Höhe des Beitrags vom Bruttoeinkommen des Versicherten abhängig. "Wer mehr verdient, zahlt auch mehr", erläutert Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In der privaten Versicherung dagegen sind das Alter und der Gesundheitszustand bei Vertragsbeginn maßgeblich dafür, wie viel ein Versicherter im Monat zahlt. Die Höhe des Preises hängt auch von den vereinbarten Leistungen ab. "Es gibt aber große Unterschiede zwischen den Anbietern und zwischen den Tarifen innerhalb eines Unternehmens", sagt Steckkönig. Ein Preis- und Leistungsvergleich ist nicht immer einfach. Wer bereits krankenversichert ist, kann Angebote ohne Zeitdruck einholen. Die Entscheidung hängt letztlich von individuellen Anforderungen ab.

Für Alleinstehende unter 40 Jahren sowie kinderlose Eheleute kann es sich lohnen, in die private Krankenversicherung zu wechseln. Neben besseren Leistungen im Krankheitsfall ist der Versicherungsbeitrag häufig um einige hundert Euro günstiger als in der gesetzlichen Versicherung

"Die anfangs niedrigen Beiträge können allerdings in späteren Jahren empfindlich steigen", warnt Verbraucherschützerin Elke Weidenbach. Sie empfiehlt, das Ersparte unbedingt fürs Rentenalter zurückzulegen. Denn auch bei Ausstieg aus dem Erwerbsleben sinken die Beiträge nicht. Privatversicherte haben jedoch einen Rechtsanspruch auf einen Tarifwechsel bei ihrer Kasse, wenn die Beiträge im Laufe der Jahre steigen. "Dadurch lassen sich Beiträge häufig spürbar reduzieren", betont Dominik Heck. Versicherte mit Kinderwunsch sollten bedenken, dass der Nachwuchs im Gegensatz zur gesetzlichen in der privaten Krankenversicherung nicht kostenlos mitversichert ist. "Kinder brauchen in der privaten Krankenversicherung eigene beitragspflichtige Verträge", erklärt Weidenbach. Das gilt auch für Lebenspartner ohne Einkommen.

"Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung wählen die Versicherten in der privaten den Leistungsumfang ihres Versicherungsschutzes nach ihren eigenen Bedürfnissen", erläutert Heck. Privatpatienten haben die freie Wahl unter allen ambulant tätigen Ärzten. Auch bekommen sie in der Regel die Kosten für Behandlungen bei Heilpraktikern erstattet. Beim Zahnersatz gibt es für privat versicherte Mitglieder häufig höhere Erstattungen als in der gesetzlichen Versicherung.

Im Krankenhaus haben Privatversicherte Anspruch auf eine Chefarzt-Behandlung sowie auf ein Ein- oder Zweibettzimmer. "Während in der gesetzlichen Krankenversicherung in den vergangenen Jahrzehnten Leistungen gekürzt wurden, haben Privatversicherte einen lebenslangen, vertraglich geregelten Anspruch auf die vereinbarten Leistungen", sagt Heck.

Wer bei Vertragsbeginn Vorerkrankungen hat, muss allerdings mit hohen Risikozuschlägen rechnen. "Auch Ausschlüsse vom Versicherungsschutz sind möglich", warnt Ulrike Steckkönig von der Stiftung Warentest . Außerdem müssen Privatversicherte im Gegensatz zu gesetzlich Versicherten viel Papierkram erledigen. Rechnungen von Ärzten und Therapeuten werden ihnen direkt nach Hause geschickt. Privatversicherte müssen zunächst alles selbst zahlen. Das gilt auch für Medikamente. Erst danach können sie die Rechnungen und Rezepte bei ihrer privaten Krankenversicherung einreichen, die die Kosten dann erstattet.

"Ab Mitte 40 sollte man von einem Wechsel in die private Krankenversicherung absehen", rät Ulrike Steckkönig. "Ansonsten drohen hohe Beitragssteigerungen im Rentenalter, weil die angesparten Rückstellungen, die der Versicherer fürs Alter seines Kunden vornimmt, möglicherweise zu knapp sind, um einen Beitragsanstieg zu bremsen."

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HintergrundWer nach Abwägung aller Argumente zu dem Ergebnis kommt, dass er in der gesetzlichen Krankenversicherung nun doch am besten aufgehoben ist, muss dennoch nicht auf gewisse Extras im Krankheitsfall verzichten. Versicherte haben die Möglichkeit, über die Grundversorgung der gesetzlichen Versicherung hinaus private Zusatzversicherungen abzuschließen. Darauf weist Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Düsseldorf hin. So kann sich auch ein gesetzlich Versicherter vom Chefarzt behandeln lassen oder ein Einzelzimmer im Krankenhaus beanspruchen. dpa