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Wieder mobil dank Rollator

Wieder mobil dank Rollator

Seit Anfang der 90er Jahre gibt es in Deutschland Rollatoren. Anfangs eher kritisch beäugt, sind sie inzwischen aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Denn sie geben ihnen ihre Mobilität zurück.

Den richtigen Gebrauch ihres vierrädrigen Helfers musste Margot Sartorius (Name geändert) erst einmal erlernen. "Um einen Rollator zu beherrschen, dafür ist schon ein bisschen Übung notwendig - oder wenigstens eine ordendliche Einweisung", sagt die 83-Jährige. Seit fünf Jahren ist die Seniorin aus St. Wendel auf die rollende Gehhilfe angewiesen - oder besser: bedient sie sich ihrer. Gebraucht hätte sie ihn ob ihrer Knie- und Hüftprobleme wohl schon eher. "Aber ich war ein bisschen zu eitel, einen zu benutzen", gesteht sie verschmitzt lächelnd. "Ich dachte immer, das ist etwas für alte Leute, und ich habe mich ja nicht alt gefühlt. Ich bin ja topfit - abgesehen von den Problemen beim Gehen."

Irgendwann seien diese Probleme immer schlimmer geworden - letztlich hätte gar der Rollstuhl gedroht. "Da habe ich dann gedacht, probier halt doch einmal den Rollator aus. Und seither ärgere ich mich, dass ich vorher so verbohrt war. Denn was ist das für eine Erleichterung", schwärmt die ehemalige Zugehfrau. "Ich kann wieder auf eigenen Beinen stehen und mich ohne Hilfe bewegen." Dafür hat sie kurz nach der Anschaffung an einem Rollator-Kurs in einem Seniorentreff teilgenommen.

In Schweden erfunden

Egal durch welche Stadt Deutschlands man heutzutage geht, Menschen wie Margot Sartorius, die einen Rollator vor sich herschieben, sieht man allenthalben. Dabei gibt es die eigentlich simplen Gehhilfen hierzulande erst seit Anfang der 90er Jahre. Gut zehn Jahre zuvor, 1978 nämlich, hatte die Schwedin Aina Wifalk das kleine Wägelchen, auf das man sich stützen kann, erfunden. Wifalk litt an Kinderlähmung , war selbst gehbehindert. Mit dem Rollator erlangte sie Mobilität .

Heute werden laut Branchenschätzung jährlich rund 200 000 dieser Gehwagen in Deutschland verkauft. Wobei Kaufen meist nicht das richtige Wort ist. "Der Anwender bekommt seinen Rollator vom jeweiligen Sanitätshaus sozusagen geliehen", sagt Klaus Kreutzer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Sanitätsfachhandel mit Sitz in Köln. Kreutzer, der in Remscheid ein gleichnamiges Sanitätshaus betreibt, erklärt: "Wird ein Rollator nicht mehr benötigt, nimmt das Sanitätshaus ihn zurück, überprüft seine Funktionen, setzt ihn gegebenenfalls instand und verleiht ihn dann an einen anderen Anwender."

Verschrieben wird der Rollator von einem Arzt, die Kosten übernimmt die jeweilige Krankenkasse. Sind zur Bedienung des Rollators bestimmte Sonderausstattungen nötig, sollte der Arzt dies in der Verordnung berücksichtigen. "Die gesetzliche Zuzahlung beträgt zehn Prozent des Preises, den die Kasse bezahlt - höchstens jedoch zehn Euro", klärt Kreutzer auf. Der Standard-Rollator ist in der Regel aus Stahlrohr, hat eine Sitzfläche und einen Einkaufskorb sowie Bremsen für die Hinterräder, die sich als Feststellbremse arretieren lassen. "Der Rollator lässt sich zusammenfalten, bleibt aber nicht alleine stehen, sondern muss abgelegt werden. In der Regel wiegen solche Rollatoren zwischen neun und elf Kilo", so der Verbandsvorsitzende.

Es gibt aber auch Leichtgewichte unter den Gehhilfen, etwa der Taima M-GT der Firma Dietz. Nur 6,3 Kilo bringt dieser auf die Waage. Er ist leicht zu falten und bleibt auch zusammengefaltet stehen. Ein solcher Rollator ist insgesamt komfortabler, lässt sich leichter manövrieren und hat zum Teil schon in der Grundausstattung Reflektoren und Gehstockhalter. "Für einen Rollator im oberen Preissegment muss man aber bis zu 300 Euro draufbezahlen", weiß Klaus Kreutzer. Als Zubehör empfiehlt er alles, "was der Sicherheit und dem eigenen Schutz dient, etwa Reflektoren, um bei Dämmerung rechtzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern erkannt zu werden". Ein Klemmschirm kann vor Regen und Sonne schützen und eine Fahrradklingel bringt Aufmerksamkeit. Eine Rückenlehne erleichtert das Sitzen. Auch Taschen für Handys, Brieftasche und Klein-Utensilien gibt es. Und den oben erwähnten Gehstockhalter.

Gelenkschonend

Apropos Gehstock - die Vorteile eines Rollators gegenüber Krücken oder anderen Gehhilfen beschreibt Kreutzer so: "Das Gehen mit dem Gehstock oder gar Krücken belastet Gelenke und Muskulatur wesentlich stärker als das Gehen mit einem Rollator." So man denn die richtige Technik beherrscht, wobei wir wieder bei Margot Sartorius wären: "Wichtig ist, dass man mit seinem Körper immer zwischen den beiden Griffen bleibt. Damit man sich bei einem Stolperer abfangen kann", weiß sie seit ihrer Schulung. Dabei sollten die Griffe des Rollators auf Höhe des Handgelenks festgestellt sein.

Übrigens müssen die rollenden Gehhilfen nicht immer grau oder schwarz sein. Es gibt inzwischen einige Hersteller, die sie in kräftigen Farben anbieten. "Allerdings darf man nicht vergessen, dass Rollatoren noch lange kein Hilfsmittel wie Brillen sind, die sich als modisches Accessoire zur Betonung der eigenen Persönlichkeit seit Jahren etabliert haben", sagt Kreutzer, "insofern bevorzugen Anbieter eher die dezente Farbgebung. Aber wenn der Kunde Farbe will, bekommt er diese natürlich auch."