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Wenn das Glücksspiel zur Sucht wird

Online-Casinos : Wenn das Glücksspiel zur Sucht wird

In Corona-Zeiten erleben Online-Casinos einen Boom. 40 Prozent der Deutschen haben sie im vergangenen Jahr genutzt. Auf der Internetseite check-dein-spiel.de können Nutzer überprüfen, ob ihr Spielverhalten problematisch ist.

Geld weg. Ehe aus. Job futsch. Das können nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) typische Folgen von Online-Glücksspiel-Sucht sein. Sie betreibt die Internetseite www.check-dein-spiel.de. Sie informiert umfassend zu dem Thema. Deren Leiterin, Professor Heidrun Thaiss, berichtet, dass die Coronavirus-Pandemie und die dadurch eingeschränkten sozialen Kontakte die Risiken erhöht haben: „Die Nutzung digitaler Medien hat in den letzten Monaten deutlich zugenommen – damit rücken auch Online-Glücksspiele vermehrt in den Fokus.“ Das bestätigt auch Georg Stecker,
Sprecher des Interessenverbandes der Spielhallenbetreiber in Deutschland, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. An konkreten Umsätzen ließe sich die Zunahme jedoch leider nicht messen, da die Anbieter meist im Ausland zuhause seien.

Öffentliches Glücksspiel ist hierzulande verboten, allerdings gibt es in einigen Bundesländern Ausnahmen.  Der neue Glücksspielstaatsvertrag, der Internetpoker und Ähnliches in Deutschland in einem einheitlich begrenzten Rahmen erlaubt, wird voraussichtlich am 1. Juli 2021 in Kraft treten. Die Regelungen sehen unter anderem ein individuelles Einzahlungslimit von maximal 1000 Euro vor.

Als besonders hoch gilt das Suchtpotenzial bei Online-Casinos, da diese jederzeit und überall genutzt werden könnten. Online-Poker und -Casinos sowie Sportwetten im Internet könnten ebenso zur Gefahr werden. „Wer einmal in den Teufelskreis geraten ist, Geldverluste durch Glücksspiel wieder ausgleichen zu wollen, ist einer Sucht nahe“, sagt Thaiss.

Um herauszufinden, wie hoch das persönliche Risiko ist, bietet check-dein-spiel.de der BZgA einen anonymen Selbsttest an. Darin werden unter anderem die Gründe für die Teilnahme an Online-Glücksspielen erfragt. Bei weiteren Fragen geht es um Alkohol- und Drogenkonsum, Spontanität und Impulsivität im alltäglichen Leben. Ebenfalls thematisiert werden Geldprobleme, die als Folge von übermäßigem Glücksspiel auftreten können. Die Liste, die eine Spielsucht im Internet auslöst, ist lang. Sie reicht von Vernachlässigung der Familie über Depressionen bis zu Selbsttötungsgedanken.

„Angesichts der Probleme, die Sie mit dem Spielen haben, sollten Sie Ihre Glücksspielteilnahme deutlich einschränken. Am besten wäre es aber, wenn Sie versuchen, komplett damit aufzuhören“, lautet die Empfehlung für Menschen, deren Test ein erhöhtes Suchtrisiko ergibt.

Unterstützung dabei bietet die Internetseite check-dein-spiel.de nicht nur in Form von telefonischer und E-Mail-Beratung, sondern auch mit dem vierwöchigen Online-Beratungsprogramm Checkout. Mithilfe von persönlichen Gesprächen, einem Tagebuch sowie verschiedener Übungen soll das Ziel, auf Glücksspiele gänzlich zu verzichten, erreicht werden.

Aktuelle Studiendaten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen für das Jahr 2019, wie weit Glücksspiele in Deutschland verbreitet sind: „37,7 Prozent der 16- bis 70-Jährigen geben an, im vergangenen Jahr mindestens einmal daran teilgenommen zu haben. Über alle Glücksspielformen hinweg weisen etwa 430 000 Menschen bundesweit ein mindestens problematisches Spielverhalten auf.“

Damit daraus keine Sucht wird, gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Tipps für den verantwortungsvollen Umgang mit Glücksspielen. Ein weiterer Ratschlag: „Nutzen Sie das Spiel nicht, um an Geld zu kommen.“ Die Anbieter zahlen weniger Geld aus, als sie von den Spielern erhalten, und machen am Ende satte Gewinne, lautet die Erklärung dazu.

Zum Schluss die  wichtigste Empfehlung: „Achten Sie darauf, dass Glücksspiele nur einen kleinen Teil Ihres Lebens einnehmen.“ Das Portal check-dein-spiel.de bietet eine Liste für alternative Beschäftigungen zum Online-Glücksspiel. Sie reicht von Fitness und Entspannung über Backen und Kochen bis Bildung und Kreativ-sein – jede Menge Aktivitäten, die auch in Corona-Zeiten möglich sind.