Lebensstil wirkt sich stärker auf Schlaganfallrisiko aus als Gene

Gesund leben : Ungesundes Leben führt eher zu Schlaganfall als schlechte Gene

Am stärksten erhöhen Rauchen und Alkohol das Risiko für einen Gehirninfarkt. Ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität wirken vorbeugend.

(ml) Die falschen Gene steigern das Schlaganfallrisiko um ein Drittel, der falsche Lebensstil dagegen um zwei Drittel. Beide Faktoren wirken unabhängig voneinander, können sich aber addieren.

Wer gesund lebt, kann hingegen genetische Nachteile ausgleichen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Team mit Wissenschaftlern der deutschen Zentren für neurodegenerative Erkrankungen in Bonn und München sowie der Universitäten Cambridge (Großbritannien), Stockholm, Edinburgh und München.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass ein gesunder Lebensstil einem Schlaganfall vorbeugt, unabhängig vom genetischen Risikoprofil“, sagt Professor Dr. Martin Dichgans von der Uni München, einer der beteiligten Forscher und 2. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler senkt ein gesunder Lebensstil, zu dem eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung gehören, das Schlaganfallrisiko deutlich. Das gilt jedenfalls für Menschen mit europäischen Vorfahren, denn nur für diese hat das Team um Dr. Loes Rutten-Jacobs vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn das genetische Risiko bestimmt.

Den Forschern standen die Ergebnisse von weltweiten Erbgut-Untersuchungen zur Verfügung, bei denen 90 Genvarianten entdeckt worden waren, die das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Das Team sah sich nun das Erbgut, die Ernährung und den Lebensstil von 306 473 Frauen und Männern an, die an der britischen Langzeit-Studie UK Biobank teilgenommen hatten. Die Probanden waren zu Beginn der Studie vor zehn Jahren zwischen 40 und 73 Jahre alt und wurden dann im Schnitt sieben Jahre lang wissenschaftlich begleitet.

Die Teilnehmer, die bislang weder einen Schlaganfall noch einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurden in drei Gruppen eingeteilt: mit hohem, mittlerem und niedrigem genetischen Schlaganfallrisiko.

Außerdem unterteilten die Forscher die Probanden in Gruppen mit gesundem, mäßig gesundem und ungesundem Lebensstil. Nach der Definition der Amerikanischen Herzgesellschaft lebt gesund, wer nicht raucht, nicht allzu dick ist, sich mit viel Gemüse, Obst und Fisch gesund ernährt und pro Woche mindestens drei Stunden moderat oder eineinhalb Stunden intensiv Sport treibt.

Insgesamt erlitten 2077 der 306 473 Teilnehmer im Laufe von sieben Jahren einen ersten Schlaganfall. Das Schlaganfallrisiko war bei den Menschen mit hohem genetischen Risiko um 35 Prozent höher als bei denjenigen mit geringem genetischem Risiko, und zwar unabhängig vom Lebensstil. Bei moderatem genetischem Risiko war die Rate um 20 Prozent erhöht.

Deutlicher wirkte sich jedoch der Lebensstil auf das Risiko aus, einen Schlaganfall zu erleiden. Die Teilnehmer mit einer ungesunden Lebensweise erlitten 66 Prozent häufiger einen Schlaganfall als Personen mit einem gesunden Lebensstil. Das galt unabhängig vom genetischen Risiko. Bei solchen, die mäßig gesund lebten, ergab sich eine um 27 Prozent erhöhte Schlaganfallrate.

Schlechte Gene und ein ungesunder Lebensstil erhöhen also unabhängig voneinander das Schlaganfallrisiko. Bei Personen mit ungünstigen Genen und zugleich ungesundem Lebensstil addierten sich die Risiken. Sie hatten eine um 130 Prozent erhöhte Schlaganfallrate gegenüber Personen mit geringem genetischem Risiko und gesundem Lebensstil. Am stärksten trugen Rauchen und Übergewicht zum lebensstilbedingten Schlaganfallrisiko bei.

Bei Männern wirkten sich sowohl die Risikogene als auch der Lebensstil stärker aus als bei Frauen. Ein ungünstiger Lebensstil erhöht bei Männern das Risiko für einen Schlaganfall um 82 Prozent, bei Frauen um 36 Prozent. Frühere Studien haben gezeigt, dass Frauen anfälliger für Bluthochdruck sind, Männer hingegen für Herzerkrankungen und Diabetes. Zudem leben Männer generell ungesünder als Frauen, einschließlich Rauchen, Übergewicht und Alkoholkonsum.

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