Fasten : Heilfasten oft wirksamer als Medikamente

Bei Rheuma, Bluthochdruck oder Diabetes bringt eine Fastenkur in der Regel deutliche Besserung.

(ml) Das Heilfasten, bei dem fünf bis 21 Tage lang nur wenige Kalorien erlaubt sind, ist heute eine wichtige Therapie in der Ernährungsmedizin. Viele Fachkliniken erzielen durch Heilfasten beeindruckende Erfolge, vor allem bei der Behandlung von Rheuma und chronischen Schmerzerkrankungen, aber auch Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und erhöhten Blutfettwerten.

Bei Rheuma lässt Fasten die Entzündungen abklingen. Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren fast ohne Ausnahme vom Fasten. Ihr Bedarf an Insulinspritzen sinkt. „Heilfasten kann bei Nahrungsunverträglichkeiten, Reizdarmsyndrom, entzündlichen Darmerkrankungen, Allergien und sogar neurodegenerativen Erkrankungen wie Multipler Sklerose die Beschwerden lindern“, sagt der Ernährungsmediziner Professor Dr. Andreas Michalsen von der Berliner Universitätsklinik Charité.

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 kann eine Kombination von Heilfasten und nachfolgendem Intervallfasten besonders wirksam sein. „Bei den meisten Menschen fällt ein hoher Blutdruck beim Fasten weitaus stärker ab als mit einem blutdrucksenkenden Medikament“, sagt Michalsen – um 25 bis 30 mmHG.

Dr. Alan Goldhamer, der eine Fastenklinik in Kalifornien leitet, hat bereits Tausende von Patienten behandelt. Er propagiert allerdings ein reines Wasserfasten, also eine Nulldiät. Doch die Erfolge sind beeindruckend. In einer Studie mit 174 Patienten, die elf Tage fasteten und danach sechs Tage lang wieder langsam an eine normale Ernährung gewöhnt wurden, sank der systolische obere Blutwert im Schnitt um 37 mmHg, bei Patienten mit sehr hohem Blutdruck sogar um 60 mmHg – von 190 auf 130 mmHg.

Michalsen sieht vergleichbare Ergebnisse bei seinen Fastenpatienten. „Nach der Fastenkur ermöglicht es eine vegetarische Ernährung plus Bewegung oft, dass der Patient auf Medikamente verzichten kann“, sagt der Arzt. „Allerdings wirkt das Fasten nicht bei allen Patienten auf den Blutdruck.“ In einer Studie mit 30 übergewichtigen Frauen wies Michalsen nach, dass sich bereits nach einer Woche Fasten der Blutdruck und auch die Insulin- und Cholesterinwerte deutlich verbessert hatten.

Professor Dr. Valter Longo von der Universität in Los Angeles hat in mehreren Experimenten herausgefunden, dass sich ein Teil der Wirkung des Fastens allein auf den Verzicht von tierischen Produkten sowie Zucker zurückführen lässt. Die Konzentration von Insulin sinkt, ebenso des Hormons IGF-1, das in höherer Konzentration auf ein erhöhtes Krebsrisiko hinweist, und des Proteins mTOR, welches Entzündungen in Zellen anfacht.

„Eine österreichische Studie hat gezeigt, dass nach einer Buchinger-Fastenwoche Veränderungen im Darmmikrobiom nachzuweisen sind. Die Vielfalt der Bakterienstämme steigt, was für ein gesundes Immunsystem wichtig ist“, erläutert Michalsen. Auch gegen Erkältung und grippale Infekte hilft oftmals Fasten, denn es dämmt generell Entzündungsprozesse ein.

Fasten bringt auch gesunden Menschen Nutzen. Es hebt die Stimmung und führt zu besserer Gesundheit, größerer Vitalität und ganz nebenbei auch zu einem dauerhaft gesünderen Gewicht.

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