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Geschickt und liebevoll“

Geschickt und liebevoll“

Hans Thiel

Spiesen-Elversberg. Hans Thiel, Jahrgang 1934, ist der Sohn von Berta und Heinrich Thiel. Er hat sechs Geschwister, ist der drittälteste in der kinderreichen Familie, die anfangs in Schiffweiler und später in Heiligenwald lebte. Vater Heinrich Thiel war Bergmann, Mutter Berta kümmerte sich um den Haushalt, die Kinder und die Nebenerwerbslandwirtschaft. Vater Heinrich Thiel wurde kurz vor Kriegsende noch zum Volkssturm eingezogen.

Die Familie erlebte die Bombennächte und die Not und das Elend der letzten Kriegsjahre. Kriegsende 1945. "Nun gab es die Lebensmittelkarten. Ohne die konnte man nichts zu essen kaufen", erzählt Ehefrau Marlene. Sie, ihre Tochter Martina, ihre Söhne Thomas, und Stefan und ich sitzen im Familienhaus in Spiesen- Elversberg zusammen und reden über die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre im Saarland, und wie es dann weiter ging. Der kleine Hans war 1940 in Heiligenwald eingeschult worden und begann sein Berufsleben 1948 als 18- jähriger Arbeiter in einer Sägerei und arbeitete später als Hauer in der Grube Reden.

"Aus der Jugend meines Mannes gibt es wenig zu erzählen" sagt Ehefrau Marlene. "Er spielte Fußball, aber in keinem Verein, sondern im Straßenclub, wie man das damals nannte, wenn die Jungens auf der Straße kickten. Der Mitgliedsbeitrag im Fußballclub war den Eltern zu teuer."

1959 lernte Ehefrau Marlene ihren späteren Mann kennen: "Er saß plötzlich in einem Bus neben mir und fragte: ,Was arbeitest Du denn?´ Ich sagte: ,Ich bin bei einem Herrenschneider.´ Und so kamen wir ins reden. Ich weiß es noch wie heute. Es war der 16. Juni 1959. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. Dann trafen wir uns immer öfter. Wir gingen im Wald spazieren. Oder gingen ins Kino, sahen Heimatfilme." Im Februar 1960 haben wir uns verlobt. Und geheiratet haben wir am 13. Oktober 1960 in der Neunkircher Marienkirche."

Die Familie zog in eine Zwei- Zimmer-Wohnung. Als Sohn Thomas 1961 geboren wurde, war die Wohnung zu klein. Nun zogen sie in eine Drei-Zimmer Wohnung in Wellesweiler. Doch die wurde auch zu klein, als Sohn Stefan 1963 geboren wurde. Die Familie entschloss sich, ein Eigenheim zu bauen. Ein Grundstück wurde gekauft. Und dann gespart und gespart. Vater Hans arbeitete weiter als Hauer. Dann die Bergwergskatastrophe von Luisenthal am 7. Februar 1962. Es war eines der schlimmsten Unglücke in der deutschen Bergbaugeschichte. 299 Bergleute starben, 433 wurden verletzt. Hans Thiel kündigte auf der Grube Reden: "Ich gehe nie mehr unter Tage!"

Er fand eine Anstellung als Gärtner bei der Stadt Neunkirchen, holte sogar seine Gesellenprüfung nach. Er war handwerklich geschickt, arbeitete "nebenher", wie man so sagt, bei Nachbarn und Freunden. Und in jeder freien Minute am Neubau des eigenen Hauses in Spiesen-Elversberg. Das war 1971 bezugsfertig. Ehefrau Marlene: "Wir waren froh und glücklich. Endlich hatten wir es geschafft." Dann kamen die 70er Jahre. 1973 wurde Tochter Martina geboren. Die Familie leistete sich die ersten Urlaubsreisen in den großen Schulferien.. Mit einem Renault Dauphine ging es ab; dahin, wo man damals als deutscher Ferientourist eben hinfuhr - an den Gardasee, auch nach Jugoslawien und Österreich, und nach Frankreich nach Nizza und nach Monte Carlo. Das Auto war eng. Das Urlaubsgepäck wurde auf einen Dachgepäckträger geschnallt. Seine Frau Marlene und die Kinder beschreiben Hans Thiel "als strengen, aber gerechten Vater." Ehefrau Marlene: "Er war überzeugter Katholik, ich bin es auch. Wir sind einmal nach Lourdes gefahren und haben sogar den Papst Johannes XXIII. in Rom mit einer Reisegruppe besucht. Mein Mann war politisch eher links eingestellt. Er war politisch interessiert, hat die Saarbrücker Zeitung gelesen, war gesellig, hat mit Freunden Skat gespielt und hat sich für Fußball interessiert, war Fan von Borussia Neunkirchen. Jedes Heimspiel war er dort und die ARD-Sportschau war jeden Samstag Pflicht."

Sie macht eine kurze Pause. Sagt dann: ,,1994 wurde er pensioniert. Und nun hatte er noch mehr Zeit für die Enkel. Insgesamt haben wir vier Enkel und einen Urenkel. Opa war immer für seine Enkel da. Wir hatten jetzt mehr Zeit für uns. Zu unserer Goldenen Hochzeit waren wir 2010 in Venedig und sind dort mit der Gondel spazieren gefahren."

Tochter Martina erzählt, dass der Vater und Großvater "bis 2012 - da war er 78 Jahre alt - körperlich gesund. war." Sohn Stefan: "2012 erkrankte er an Parkinson, konnte von nun an nur noch mit dem Rollator laufen. 2014 kam die Diagnose Leberkrebs. Er starb am 25. September hier in dem Haus, das er gebaut hatte. Wir waren beim ihm. Um 3 Uhr 15 haben wir noch mal nach ihm gesehen. Um 3 Uhr 30 ist er eingeschlafen für immer."