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Fußball-Saarlandpokal
Lugingers Serie soll gegen den FCS halten

Beim FC Homburg gibt Jürgen Luginger die Richtung vor – und sie ist erfolgreich. Der Oberligist hat alle seine 24 Saisonspiele bisher gewonnen.
Beim FC Homburg gibt Jürgen Luginger die Richtung vor – und sie ist erfolgreich. Der Oberligist hat alle seine 24 Saisonspiele bisher gewonnen. FOTO: Andreas Schlichter
Homburg. Der FC Homburg hat alle 24 Saisonspiele gewonnen. Morgen kommt es zum Pokalduell mit dem Ex-Club des Trainers. Von Ralph Tiné

Jürgen Luginger ist niemand, der das Rampenlicht sucht. Auf dem Platz kann der Trainer des FC Homburg sehr wohl aus sich herausgehen. Dort macht er seinen Emotionen mitunter lautstark Luft oder korrigiert erkannte Fehler seiner Mannschaft mit wild gestikulierender Vehemenz. Neben dem Platz ist der 50-Jährige dagegen ein Mann der leisen Töne. Dabei hätte der Trainer des alles überragenden Tabellenführers der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saarland derzeit allen Grund, in die Lobeshymnen, die in Homburg auf ihn gesungen werden, mit einzustimmen. Schließlich sind 24 Siege in 24 Ligaspielen – auch mit einem Kader jenseits des gängigen Ligamaßstabs – alles andere als eine Selbstverständlichkeit.


Dass Luginger auf die Frage, wie stolz er auf den derzeitigen Titel „erfolgreichster Oberligist Deutschlands” ist, sofort auf das Vereinskollektiv hinter dem Erfolg verweist, ist ganz typisch. „Wir sind eine Gruppe hier. Natürlich bin ich federführend, aber man darf das Team nicht vergessen, denn das ist entscheidend, und nur so ist dieser Erfolg möglich“, antwortet der sportliche Chef des FCH gewohnt zurückhaltend.

Entsprechend lässt ihn auch die Aussicht kalt, die Saison womöglich mit der Maximalpunktzahl von 108 Punkten abschließen zu können. Das überlässt er seiner Mannschaft: „Das ist natürlich nicht normal, was hier gerade passiert. Aber für mich zählen nur die Punkte, die wir für den Aufstieg brauchen. Die Mannschaft hat das sicher schon irgendwo im Hinterkopf, weil jeder Spieler weiß, dass so eine Gelegenheit für solch eine Serie wohl nicht mehr kommen wird.“

Bis morgen Abend hat der Ligabetrieb für Luginger ohnehin Sendepause. Bis dahin geht es für den FCH nur um das Saarderby gegen den 1. FC Saarbrücken. Ab 19 Uhr kämpfen die beiden Erzrivalen des saarländischen Fußballs im Homburger Waldstadion darum, wer ins Halbfinale des Saarlandpokals einziehen wird.

Für Luginger ist das Traditionsduell mit dem FCS zugleich ein Treffen mit seiner Vergangenheit. 2010 übernahm der gebürtige Bayer den Trainerstuhl bei den Landeshauptstädtern, die damals gerade in die 3. Liga aufgestiegen waren. Mit Tabellenplatz sechs erreichte Luginger in seinem ersten Jahr ein hervorragendes Ergebnis. Nach dem Rücktritt von Dieter Ferner als Sportdirektor 2011 und dem anschließenden vereinsinternen Kompetenz-Gerangel im sportlichen Bereich wurde es für den Trainer allerdings zunehmend schwierig. Trotzdem hielt Luginger den FCS noch zwei weitere Jahre in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, bevor er 2013 nach nur sieben Saisonspielen seinen Hut nehmen musste.



Trotz der Probleme am Ende seiner Zeit in Saarbrücken schaut Luginger ohne Groll zurück und freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein: „Es ist schon etwas Besonderes, wenn der Verein kommt, wo man so lange Trainer war und auch gute Zeiten hatte. Und das Duell zwischen Homburg und Saarbrücken hat im Saarland ja immer seine Brisanz. Alles andere ist für mich Vergangenheit.“

2014 führte Lugingers Weg weiter zur zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen, von wo er vier Monate später zum FC Schalke wechselte. Dort trainierte er die zweite Mannschaft bis zu seiner Demission im März 2017. Im April des gleichen Jahres übernahm Luginger dann den Trainerposten beim damals akut abstiegsbedrohten Regionalligisten FC Homburg von seinem Vorgänger Jens Kiefer. Den Abstieg konnte der neue Mann auf dem Trainerstuhl nicht verhindern.

Angesichts der bislang makellosen Bilanz in der Oberliga dürfte die fünfte Liga für den FCH wohl schon in Kürze als kurzzeitiger Betriebsunfall ad acta gelegt werden. Im Falle des direkten Wiederaufstiegs verlängert sich der zum Saisonende auslaufende Vertrag Lugingers automatisch um eine weitere Spielzeit. Der Trainer weiß, dass im unruhigen Umfeld der Saarpfälzer nach dem Aufstieg in die Regionalliga die Ansprüche wieder hoch sein werden. Immerhin hatte der Verein selbst bis zu dem völlig unerwarteten Abstieg als mittelfristiges Ziel den Aufstieg in die 3. Liga ausgegeben.

Den Aufstieg in die Regionalliga stellt auch der Trainer längst nicht mehr ernsthaft in Frage, will sich auf weitere Vorhersagen aber nicht einlassen. „Das ist jetzt ein Zeitpunkt, wo man noch überhaupt nichts sagen kann, da wir noch gar nicht wissen, welchen Kader wir bekommen werden. Der Verein dürfte auch gelernt haben, dass man gut daran tut, zuerst das eine Thema abzuarbeiten, bevor man sich das nächste vornimmt“, sagt Luginger: „Wir wollen den Wiederaufstieg schaffen. Und wir wollen nach Möglichkeit den Saarlandpokal nach Homburg holen. Alles andere entscheidet sich später.“ In der Liga ist der FCH fast am Ziel angekommen. Gelingt den Homburgern gegen den Tabellenführer der Regionalliga morgen ein Sieg, wäre auch ein großer Schritt in Richtung Pokalerfolg getan.

Hier klatscht der frühere FCS-Trainer Jürgen Luginger mit seinem Kapitän Marcus Mann ab. Der ist heute beim FCS Sportdirektor.
Hier klatscht der frühere FCS-Trainer Jürgen Luginger mit seinem Kapitän Marcus Mann ab. Der ist heute beim FCS Sportdirektor. FOTO: Thomas Wieck