| 20:18 Uhr

Frauenfußball
FCS will einen guten Eindruck hinterlassen

Im Schneetreiben beim Achtelfinale gegen Jena zeigte FCS-Torhüterin Christina Ehl (Mitte) eine starke Leistung. Heute Abend im Viertelfinale gegen den FC Bayern wird sie vermutlich erneut viel zu tun haben.
Im Schneetreiben beim Achtelfinale gegen Jena zeigte FCS-Torhüterin Christina Ehl (Mitte) eine starke Leistung. Heute Abend im Viertelfinale gegen den FC Bayern wird sie vermutlich erneut viel zu tun haben. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Die Zweitliga-Fußballerinnen treffen im Viertelfinale des DFB-Pokals heute auf den FC Bayern. Auf Christina Ehl wartet Schwerstarbeit. Von David Benedyczuk

Die Rollen sind klar verteilt: Hier der Gastgeber 1. FC Saarbrücken, aktuell Fünfter der 2.  Frauen-Bundesliga Süd. Dort der FC Bayern München, deutscher Meister 2015 und 2016, mit einem erlesenen Kader, gespickt mit Nationalspielerinnen. Auch die Bilanz gegeneinander spricht vor dem heutigen Viertelfinale im DFB-Pokal (18 Uhr, Sportplatz am Franzenhaus in Quierschied) eine klare Sprache: Von 20 Partien gewannen die Bayern 17, dazu kommen drei Remis.


Einen Saarbrücker Sieg sucht man vergebens – und ein solcher scheint angesichts des Aufgebots von Thomas Wörle, zu dem mit Melanie Behringer und Simone Laudehr (verletzt) sogar noch zwei Weltmeisterinnen von 2007 zählen, fast ausgeschlossen. Dennoch will der 36-jährige Bayern-Trainer, der seit 2010 im Amt ist, nichts dem Zufall überlassen: „Es geht um den Halbfinaleinzug im Pokal. Wir nehmen die Partie absolut ernst. Saarbrücken ist nicht irgendwer, sondern ein Zweitligist, der immer noch Chancen hat, in die Bundesliga aufzusteigen“, sagt Wörle.

Auch wegen des jüngsten Vergleichs mit dem FCS, bei dem er bereits Bayerns Trainer war, warnt er so eindringlich. Am 10. September 2011 gewann der FC Bayern auf dem Weg zum ersten und bisher einzigen DFB-Pokaltriumph in Runde zwei nur mit 1:0 in Saarbrücken. „Das ist bei mir noch im Hinterkopf. Wir haben das Spiel damals bestimmt, aber nur ein Mal nach einem Freistoß getroffen“, sagt Wörle. Die Partie sei „kein warnendes Beispiel, aber eines dafür, dass man nicht mit angezogener Handbremse spielen darf“.



Aus dem Team von FCS-Trainer Taifour Diane sind ihm einige Namen durchaus geläufig: Etwa Anja Selensky. Oder auch Jacqueline De Backer und Christina Ehl, die beide schon 2011 im Pokal gegen die Bayern mit dabei waren. Während De Backer, die bereits zehn Saisontore auf ihrem Konto hat, dem FCS heute berufsbedingt fehlt, dürfte auf FCS-Torfrau Ehl Schwerstarbeit warten. Dennoch sagt sie: „Wir freuen uns auf das Spiel. Durch unsere guten Pokal-Leistungen haben wir uns das verdient. Wir versuchen, uns so gut es geht zu wehren“, verspricht die 28-Jährige, die mit ihrer starken Leistung beim 1:0 im Achtelfinale gegen den Bundesliga-Vorletzten USV Jena – Ehl hielt unter anderem einen Elfmeter – das Duell mit den Bayern erst möglich gemacht hat.

An einen Sieg gegen den aktuellen Bundesliga-Dritten wagt sie nicht zu denken. Bayern sei „noch mal ein anderes Kaliber als Jena. Ziel muss es sein, so lange wie möglich die Null zu halten und einfach unser Bestes zu geben“, sagt Ehl. Sie mache sich keinen großen Druck, ebenso wenig das Team: „Wir haben nicht viel zu verlieren. Es ist ja schon länger her, dass wir gegen einen so hochkarätigen Gegner gespielt haben.“

Aus Sicht von Bayern-Trainer Wörle muss das nicht die Ausnahme bleiben. „Saarbrücken war vor zehn Jahren im Pokalfinale und hat Spielerinnen wie Dzsenifer Marozsan oder Nadine Keßler rausgebracht. Für mich ist das ein Verein, der über kurz oder lang wieder in der Bundesliga auftaucht.“

Das dürften sich auch die FCS-Verantwortlichen insgeheim wünschen. Heute hoffen sie vor allem auf zwei Dinge. „Wir wollen mit Spaß und Freude an die Sache rangehen und einen guten Eindruck hinterlassen. Außerdem hoffen wir auf eine gute Kulisse mit bis zu 1300 Besuchern“, sagt Frauen-Abteilungsleiter Winfried Klein. Wegen der schwierigen Parksituation vor Ort wird zur rechtzeitigen Anreise und Parken in der Quierschieder Ortsmitte geraten.

Während ein Hauen und Stechen in diesem Fall ausbleiben soll, fordert Ehl auf dem Platz einen Kampf um jeden Zentimeter: „Wir hoffen, dass sich keiner verletzt, denn unser Kader ist dünn. Blaue Flecken muss danach aber jede von uns haben.“