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Projekt mit Chinas U20 beschlossen
Jetzt machen auch der FCS und Mainz mit

Nachdenklich: DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann bekam bei der Managertagung der Regionalliga Südwest auch kritische Töne zu hören.
Nachdenklich: DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann bekam bei der Managertagung der Regionalliga Südwest auch kritische Töne zu hören. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Walldorf. 16 von 19 Clubs wollen jetzt gegen Chinas U20 spielen. Das Hauptproblem der Regionalliga Südwest ist aber ein anderes. Patric Cordier

Ein weiterer Schritt auf der Autobahn zur Kommerzialisierung des Fußballs oder nur ein Testspiel mit einer für Regionalligisten außergewöhnlichen Antrittsprämie? Die Meinungen zu den Spielen der U20-Nationalmannschaft Chinas gegen Vereine der Fußball-Regionalliga Südwest gingen in den vergangenen Wochen weit auseinander. Seit der Managertagung am Dienstagabend in Walldorf stehen sie aber fest. Mit Beginn der Rückrunde im November wird der Nachwuchs aus Fernost jeweils ein Testspiel gegen 16 der 19 Clubs austragen.


Auch der 1. FC Saarbrücken, der sich bei dem Treffen wegen „der neuen Fakten, die erst jetzt auf den Tisch gekommen sind“, so Geschäftsführer David Fischer, noch Bedenkzeit erbeten hat, und der FSV Mainz 05 II schlossen sich gestern der Mehrheit der Clubs an. Die plötzliche Meinungsänderung der Mainzer erklärte Sportvorstand Rouven Schröder: „Grundsätzlich sehen wir diese Erweiterung der spielbetrieblichen Abläufe kritisch. Wir werden die Antrittsprämie in Gänze an Mainzer Amateur-Fußballvereine spenden.“

Für FCS-Präsident Hartmut Ostermann sprechen keine sportlichen Gründe gegen das Spiel: „Der Fußball hat eine integrative Bedeutung und dient der Völkerverständigung. In diesem Sinne werden wir das angehen.“



An der Antrittsprämie von 15 000 Euro ändert sich nichts. Auch dass die Clubs bei erhöhtem Aufwand für anfallende Stadionmieten oder Sicherheitsdienste weitere Mittel beantragen kann, war schon bekannt. „Für uns ist das ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Faktor“, sagte Wolfgang Brenner, Vorsitzender des Aufsteigers Röchling Völklingen. „Die Vereine haben in einer fairen Art und Weise ihre Argumente ausgetauscht. Und ich habe für jeden Verständnis, der sich gegen dieses Spiel entschieden hat.“

Nicht dabei sein wird der SV Waldhof Mannheim. Dort, wie in Saarbrücken und bei der TuS Koblenz hatten Teile der organisierten Fanszene gegen diese aus ihrer Sicht rein finanziell motivierte Aktion aufbegehrt. Offiziell nannte Waldhofs Geschäftsführer Markus Kompp aber sportliche Gründe: „Wir hätten durch die Partie eine englische Woche gehabt. Aber wir wollen in die Relegation und brauchen daher die Regeneration.“ Koblenz führte dazu noch Probleme mit der Spielstätte ins Feld – das Stadion Oberwerth wird derzeit renoviert. Die Arbeiten an der Laufbahn sollen aber nur bis Mitte September dauern, heißt es in den Medien. Und die Stuttgarter Kickers? Die wären nur dabei gewesen, wenn alle mitgemacht hätten.

„Diese Kooperation ist für die Mehrheit der Vereine Interessant“, betonte Giuseppe Lepore. Der Geschäftsführer von Wormatia Worms wurde zum Sprecher der Regionalliga-Vereine gewählt und will nun mit einer Arbeitsgruppe, zu der sich Vertreter der Liga, von Kickers Offenbach, des TSV Steinbach und der TSG Hoffenheim II gesellen werden, die Detailfragen ausarbeiten. Dabei geht es unter anderem auch um die Möglichkeit der Verwertung im Fernsehen. „Dann wird es einen Vertrag geben, der für alle beteiligten Vereine gleich sein wird“, sagte Markus Stenger, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er erklärte weiter: „Wir erhoffen uns natürlich weitere Vermarktungserlöse in China. Diese würden dann auf die teilnehmenden Vereine verteilt.“

Der DFB wolle und werde an den Spielen der chinesischen U20 nichts verdienen. Darüber, wie das aber bei der durchaus weitreichenderen Kooperation des weltgrößten Sportverbands mit der Wirtschaftsweltmacht, aber dem Fußball-Entwicklungsland China aussieht, wollte am Dienstag niemand wirklich Auskunft geben. Auch DFB-Vize-Präsident Ronny Zimmermann nicht, der gleichzeitig Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest ist. „Der DFB hat auch Kooperationen mit Namibia, Jordanien, Rußland oder Japan“, sagte er. „Ob und welche Erlöse sich aus der Zusammenarbeit mit den Chinesen ergeben, kann man noch nicht sagen.“

Zimmermann kritisierte die Medien, welche die Hintergründe der U20-Kooperation anfänglich nicht korrekt dargestellt und damit zum kritischen Umgang der Öffentlichkeit mit dem Thema beigetragen hätten. „Das wurde viel zu hochgekocht. Das Problem sind nicht die Chinesen, das Problem ist die Aufstiegsregelung“, sagt Roland Seitz, sportlicher Leiter bei der SV Elversberg, der zuletzt zwei Mal in den Aufstiegsspielen scheiterte, „Die Regelung ist grausam. Man muss zu vier Aufsteigern in die 3. Liga kommen. Das wäre viel wichtiger.“

Beim Verband stoßen diese Vorstöße bislang auf taube Ohren. „Bei der dreigleisigen Regionalliga haben die Vereine die weiten Reisen, zu viele zweite Mannschaften und die fehlenden Derbys beklagt. Das haben wir jetzt nicht mehr. Dazu hat sich der Zuschauerschnitt verdoppelt“, versucht Zimmermann, die Beibehaltung des Status quo zu erklären. Es sei einfach, mit „Der Meister muss aufsteigen-Parolen“ zu kommen. „Die Regionalligisten konnten sich bislang auf kein gemeinsames Modell einigen“, berichtet Zimmermann. Und der 3. Liga, die gerade beginnen würde, sich finanziell gut zu entwickeln, seien fünf Absteiger nicht zuzumuten. Zur Erinnerung: In der Regionalliga Südwest gab es diesmal sechs Absteiger. Dafür aber jetzt ein Spiel gegen Chinas U20.