Kampfsport vom Feinsten in Saarbrücken: Ein Judo-Turnier der Spitzenklasse

Kampfsport vom Feinsten in Saarbrücken : Ein Judo-Turnier der Spitzenklasse

Der European Cup findet zum zweiten Mal in Saarbrücken statt. Unter den 477 Sportlern sind viele Weltklasse-Athleten.

Es ist ein Sportereignis mit seltenen Dimensionen: An diesem Wochenende richtet der Saarländische Judo-Bund (SJB) in der Multifunktionshalle der Hermann-Neuberger-Sportschule zum zweiten Mal den „Senior European Cup“ aus. Angemeldet sind 477 Sportler – 288 Männer, 189 Frauen – aus 31 Nationen. Und weil es so viele sind, geht es an beiden Tagen früh los, jeweils um 9 Uhr.

„Wir mussten kurzfristig auf vier Matten ausweichen“, unterstreicht SJB-Präsident Thomas Baronsky, wie bemerkenswert hoch die Teilnehmerzahl in diesem Jahr ist. 2016 hatten sich 330 Judoka angekündigt, davor in Sindelfingen mit 265 noch deutlich weniger. Baronsky meint: „Das zeigt, wie zentral Saarbrücken eigentlich liegt.“ Davon profitiert auch sein Verband: Unterstützt werden die Saarländer von den Verbänden aus Luxemburg und der französischen Region Grand Est. Diese Zusammenarbeit besteht schon länger, gefördert von der Europäischen Union – als ein Vorzeigeprojekt der Großregion.

Dass der SJB vom Deutschen Judo-Bund (DJB) erneut mit der Organisation des European Cup beauftragt worden ist, freut Baronsky: „Für uns ist es eine große Ehre, das machen zu dürfen.“ Der internationale Wettbewerb ist Teil einer etablierten Turnierserie. Und er findet zu einem guten Zeitpunkt statt.

Sechs Wochen vor der WM, die am 28. August in Budapest beginnt, passt der Termin im Saarland für viele Athleten gut in die Vorbereitung. Denn im Anschluss an die Wettkämpfe veranstaltet die Europäische Judo-Union (EJU) in Saarbrücken noch ein dreitägiges Trainingslager. Der DJB kündigt den European Cup als „letzten Test“ der Nationalmannschaft vor der WM an.

Auch der Franzose Teddy Riner wollte laut der Sportzeitung „L’Equipe“ zum European Cup kommen, um sich nach einer Verletzung auf die WM vorzubereiten. Der zweifache Olympiasieger und Mehrfach-Weltmeister im Halbschwergewicht (bis 100 Kilogramm) fehlt bisher auf der Meldeliste. Dass Riner offenbar über einen Start nachgedacht hat, unterstreicht den Stellenwert des Turniers.

An internationaler Prominenz wird es in Saarbrücken nicht mangeln. Seit der vergangenen Woche weilt die kasachische Nationalmannschaft in der Stadt. Die letzte WM fand 2015 in Astana statt, der Hauptstadt der früheren Sowjetrepublik. Dort gewann Jeldos Smetov den Titel im Superleichtgewicht (bis 60 Kilo). Diese Leistung bestätigte Smetov mit der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Nun bereitet sich der 24-Jährige an der Sportschule auf die Titelverteidigung vor. Mit dabei ist der Bulgare Ivaylo Ivanov. Der 22-Jährige landete in Rio im Halbmittelgewicht (bis 81 Kilo) auf dem siebten Platz.

Bei den Frauen ist auf die Niederländerin Guusje Steenhuis zu achten. Sie führt in der 78-Kilo-Klasse die Weltrangliste an. Drei Plätze hinter ihr liegt Abigel Joo aus Ungarn, die beim European Cup ebenfalls erwartet wird.

Unter den deutschen Judoka wäre Karl-Richard Frey der bekannteste Starter gewesen. Der Vize-Weltmeister und Olympia-Fünfte in der 100-Kilo-Klasse wollte antreten. Doch das verhindert eine Innenbandverletzung. „Ich werde nicht kämpfen“, sagt Frey. Auch bei der WM dürfte er fehlen. Dafür wird sein jüngerer Bruder Johannes im Saarland zu sehen sein. Er kämpft in der selben Gewichtsklasse, holte im Januar den dritten Platz bei der deutschen Meisterschaft. Auch ohne Karl-Richard Frey stellen die Deutschen mit 114 Meldungen die größte Teilnehmerzahl – gefolgt von Niederländern (72) und Franzosen (57).

SJB-Präsident Baronsky freut sich nicht nur auf die großen Namen. Im Blick hat er auch Talente wie Eduard Trippel, den deutschen Meister bei Junioren und Senioren. Über den 20-Jährigen sagt Baronsky: „So wie der auftritt, ist ihm richtig viel zuzutrauen.“ Nicht zu vergessen die Judoka aus der Region: Franz Haettich vom PSV Saarbrücken und Jessica Lindner (ATV Dudweiler), die in der 48-Kilo-Klasse drei Mal in Folge Dritte geworden ist.

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