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Grand-Slam-Turnier in Wimbledon: Der Letzte der „Fantastischen Vier“

Grand-Slam-Turnier in Wimbledon : Der Letzte der „Fantastischen Vier“

Tennis-Legende Roger Federer ist als einziger der Top-Favoriten im Wimbledon-Halbfinale dabei.

Vor genau einem Jahr lag Roger Federer am Boden. Das Knie schmerzte, der Rücken zwickte. Der Schweizer war so gefrustet, dass er einen radikalen Entschluss fasste: Sechs Monate Pause und sechs Monate Einspielen für sein großes Ziel, den achten Titel im All England Club. „Die Idee war, in der zweiten Woche von Wimbledon das beste Tennis zu spielen“, sagte Federer nach dem Einzug ins Halbfinale am Mittwochabend: „Und um ehrlich zu sein: Das klappt bislang ganz gut.“

Ganz gut? Nahezu mühelos schwebt Federer durch das Turnier, trotz einer Erkältung an den ersten Tagen hat er noch keinen Satz abgegeben. Am Kanadier Milos Raonic revanchierte er sich mit einer Glanzleistung (6:4, 6:2, 7:6) für die Niederlage im vergangenen Jahr, die ihn zum Umdenken und schließlich zur Auszeit bewogen hatte. Während Federer im biblischen Tennis-Alter von 36 Jahren auf der Höhe seiner Schaffenskraft ist, hat der Abnutzungskampf der vergangenen Wochen und Monate seine Dauerrivalen geschlagen und enttäuscht zurückgelassen.

Bei Sandplatzkönig Rafael Nadal reichte die Kraft nach seiner historischen Tat von Paris nur für die erste Woche. Titelverteidiger Andy Murray hinkte im Viertelfinale an der Hüfte verletzt aus dem Turnier, dem dreimaligen Champion Novak Djokovic schmerzte der Ellenbogen so sehr, dass er sein Match nach nur einem Satz desillusioniert aufgab. „Wir beide hatten ein sehr langes, sehr hartes Jahr. Unsere Körper mussten eine Menge aushalten“, sagte der Serbe. Wie Murray erwägt Djokovic nun, eine längere Pause einzulegen. Ganz nach Federers Vorbild.

Nach seiner sensationellen Rückkehr bei den Australian Open und zwei furiosen Auftritten bei den Masters in Indian Wells und Miami ließ der Schweizer die Sandplatzsaison aus, um die finale Vorbereitung für seinen achten Titel in Wimbledon anzugehen, der einzigartig in der Tennis-Geschichte wäre. Bislang teilt sich Federer die Bestmarke mit Pete Sampras (USA) und William Renshaw (Großbritannien). „Ich bin ausgeruht, frisch und selbstbewusst. Nur so passieren große Dinge“, sagte er. Den Experten, die nach dem Aus von Murray, Djokovic und Nadal von ihm nun einen Spaziergang erwarten, entgegnet Federer: „Es zählt nicht, ob ich der Favorit bin oder nicht.“ Er hat in all den Jahren schon zu viel erlebt, um seine drei verbliebenen Konkurrenten Tomas Berdych, Marin Cilic oder Sam Querrey zu unterschätzen. „Alle drei sind größer und stärker als ich. Daher muss ich einen anderen Weg finden – mit meinem Slice und meinem Spin und vielleicht meiner Konstanz“, sagte Federer.

Heute wartet der Tscheche Berdych, der Federer in der Vergangenheit bereits einige schmerzhafte Niederlagen zugefügt hatte, unter anderem 2010 in Wimbledon. Auch er ist nach Djokovics Aufgabe ausgeruht, auch er ist selbstbewusst. „Ich könnte in keiner besseren Ausgangslage sein“, sagte Berdych. Dennoch wäre es eine große Überraschung, sollte Federers Plan, den er vor einem Jahr gefasst hatte, am kommenden Sonntag nicht im historischen Triumph aufgehen.

Historisches gelang gestern auch Venus Williams. Die 37-Jährige spielt neun Jahre nach ihrem letzten Triumph erneut um den Titel. Die fünfmalige Turniersiegerin aus den USA setzte sich nach 65 Minuten gegen Johanna Konta 6:4, 6:2 durch und zerstörte damit die britischen Hoffnungen auf den ersten Sieg im Dameneinzel seit 40 Jahren. In ihrem neunten Endspiel im All England Club trifft Williams am Samstag auf die Spanierin Garbine Muguruza, die in ihrem Halbfinale noch weniger Probleme mit Debütantin Magdalena Rybarikova hatte. Muguruza, die im Turnierverlauf bislang nur gegen Angelique Kerber (Kiel) einen Satz abgegeben hat, deklassierte die Slowakin in nur 64 Minuten mit 6:1, 6:1.

Auch Williams hat hat im Laufe des Turniers erst einen Satz verloren und kennt das Gefühl genau, die Venus Rosewater Schale in Empfang zu nehmen. Vor 17 Jahren hatte Williams zum ersten Mal in Wimbledon gewonnen, damals im Finale gegen ihre Landsfrau Lindsey Davenport, die heute längst als TV-Kommentatorin arbeitet. Es folgten die Titel 2001, 2005, 2007 und 2008, zudem verlor sie dreimal im Finale gegen ihre Schwester. All diese Erfahrung warf sie gegen Konta, die erst ihr zweites Halbfinale bei einem der vier Majorturniere bestritt, in die Waagschale.