| 20:39 Uhr

Fußball-Regionalliga Südwest
Bittere Erkenntnisse aus dem Topspiel

Der Mannheimer Jannik Sommer (links) dreht ab und lässt sich feiern. FCS-Torhüter Daniel Batz liegt geschlagen am Boden, seine Teamkollegen sind wie versteinert.
Der Mannheimer Jannik Sommer (links) dreht ab und lässt sich feiern. FCS-Torhüter Daniel Batz liegt geschlagen am Boden, seine Teamkollegen sind wie versteinert. FOTO: Ruppenthal
Völklingen. Der 1. FC Saarbrücken ist souveräner Tabellenführer der Regionalliga Südwest. Doch von der überragenden Form der Vorrunde ist er derzeit weit entfernt. Das zeigte die 0:1-Heimniederlage gegen Waldhof Mannheim deutlich. Von Patric Cordier

Seit 1. Juli 2016 ist Dirk Lottner Trainer beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Von den 71 Spielen unter dem 46-jährigen Kölner gewann der FCS 46, nur 13 gingen verloren. Dass ausgerechnet die beiden letzten Heimspiele gegen TuS Koblenz (0:1) und Waldhof Mannheim (0:1) dazugehören, sorgt beim nach wie vor souveränen Tabellenführer allerdings für besorgte Mienen.


„Wir sind immer noch Erster. Und wir haben einen guten Vorsprung“, stellte zwar Kapitän Manuel Zeitz nach der Niederlage an Karsamstag fest: „Aber wir sollten mal langsam aus dem Arsch kommen und wieder eine Serie starten. Am Ende zählt es, die Relegation zu erreichen und die beiden Spiele zu gewinnen. Dass wir uns steigern müssen, wissen wir selbst.“ Denn vom begeisternden Fußball der Vorrunde ist der FCS seit der Winterpause meist weit entfernt. Gegen durchschnittliche Regionalligisten reichte das bislang, gegen Kandidaten für die Aufstiegsrunde – wie den SV Waldhof Mannheim am Samstag – genügt die derzeitige Verfassung aber nicht.

Das Spitzenspiel machte nur fünf Minuten lang Hoffnung, ein Spitzenspiel zu werden. Nach 19 Sekunden brachte Saarbrückens Marlon Krause Waldhofs Dorian Diring im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Michael Kempter sah die Attacke von hinten nicht als strafwürdig, war sie aber wohl. Im Gegenzug spielte Mario Müller einen Traumpass auf Kevin Behrens. Saarbrückens einzige Spitze – Markus Obernosterer lief zwar auch vorne rum, war aber ein Totalausfall – verarbeitete den Ball mit der Brust, scheiterte aber aus spitzem Winkel am stark reagierenden Schlussmann Markus Scholz.



Fünf Minuten waren gespielt, als Markus Mendler einen Freistoß vors Tor brachte, Behrens und Zeitz den Ball aber nicht ins Tor befördern konnten. Mendler hatte sich wegen einer Risswunde am Fuß schmerzstillende Mittel spritzen lassen, war dennoch bester Saarbrücker.

Danach verflachte die Partie. Die zahllosen Fehlpässe nur auf den schlechten Untergrund im Hermann-Neuberger-Stadion zu schieben, wäre eine billige Ausrede. Dem FCS fehlten die Ideen, hinter die gut gestaffelte Mannnheimer Abwehr zu kommen. Es fehlte das Tempo, und viele der nur 4500 Zuschauer hatten den Eindruck, es fehlte die letzte Gier und die notwendige Kraft, in der Schlussphase noch zulegen zu können. „Es ist für uns derzeit schwierig, gegen tief verteidigende Mannschaften Chancen zu erspielen“, räumte Lottner ein: „Nach der Pause haben wir mit unseren Abspielfehlern den Gegner noch stärker gemacht.“

Der FCS bettelte förmlich um ein Gegentor, und Waldhof erfüllte den Wunsch. Der starke Jannik Sommer erzielte den Treffer des Tages, weil Steven Zellner zu früh grätschte und Mario Müller nicht eingreifen konnte (53.). Zellner zeigte Licht und Schatten, Marco Holz spielte ganz schlecht und vergab nach einem Mendler-Freistoß die größte Chance auf den Ausgleich (55.). Er wäre nicht verdient gewesen. Zu viele FCS-Spieler kommen derzeit nicht an ihre Normalform heran. Auch Tobias Jänicke nahm kaum am Spiel teil, den eingewechselten Pierre Fassnacht und Christoph Fenninger fehlt sichtbar Spielpraxis und Selbstvertrauen.

Die nächste Chance, beides zu sammeln, gibt es schon heute Abend im Nachholspiel bei Astoria Walldorf (18.30 Uhr). Müller musste gegen Waldhof mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt werden, holte sich zuvor wie Krause und Holz die fünfte Gelbe Karte ab. Sie alle fallen somit aus. Marco Kehl-Gomez (Faserriss) wird wie Martin Dausch (Aufbautraining) und Patrick Schmidt (Bänderriss) weiter fehlen. Sebastian Jacob und Alexandre Mendy gehören gegen Walldorf immerhin zum Aufgebot, so dass Lottner zwei neue Alternativen zur Verfügung hst.

Zwischen Waldhof und Walldorf waren kaum drei Tage Zeit, bis zum nächsten Punktspiel beim VfB Stuttgart II (14. April) sind es dann elf. Gelegenheit für Lottner, die Mannschaft auf die entscheidende Phase der Saison vorzubereiten. Denn ein paar schwächere Spiele verzeiht man dem Kölner und seiner Truppe, das große Ziel „Aufstieg“ darf aber nicht in Gefahr geraten. Das war an den Mienen der sportlichen Leitung am Samstag klar abzulesen.