Baustellen beim LSVS zum 70. Geburtstag sind weiter groß

LSVS : Ein trauriger 70. Geburtstag

Der Landessportverband für das Saarland besteht seit 70 Jahren. Viele Gründe zu feiern, findet man dieser Tage aber nicht. Im Gegenteil: Die Situation an der Sportschule ist mehr als bescheiden.

Es gab Zeiten, da wurde beim Landessportverband für das Saarland gerne mal gefeiert. Gut gefeiert. Sei es, wenn ein Saarsportler auf internationaler Ebene WM- oder gar Olympiamedaillen gewann und er an der Hermann-Neuberger-Sportschule entsprechend gewürdigt wurde. Oder die runden Geburtstage des LSVS. Zum 60. vor zehn Jahren gab es erstmals einen „Ball des Sports“, der in der Congresshalle zelebriert wurde, nach einigen Jahren aber wieder eingestampft wurde. Aus Kostengründen, wie es hieß.

Kostengründe zwingen den LSVS, der nun seit 70 Jahren besteht, 2019 zu einem bescheidenen Geburtstagsfest. Adrian Zöhler, der Präsident des LSVS, hat für diesen Donnerstag an die Sportschule geladen. Nicht zum Feiern, sondern zum Diskutieren bei einer Veranstaltung unter dem Namen „Saarsport, quo vadis?“. Denn, so schreibt Zöhler in seiner Einladung: „Wir haben uns entschlossen, wegen den Ereignissen der letzten beiden Jahre einen anderen Weg zu gehen. Wir wollen, nachdem wir die Vergangenheit weitestgehend abgearbeitet haben, nach vorne schauen und diskutieren, wie es um den Saarsport heute steht und wie wir die Zukunft gestalten wollen.“

Das lässt aufhorchen. „Die Vergangenheit ist weitestgehend abgearbeitet“ – diesen Satz des LSVS-Präsidenten dürfte nicht jeder so unterschreiben. Zwar sind diverse strafrechtliche Gerichtsverfahren abgeschlossen. Aber noch immer ist die Verantwortung ehemaliger LSVS-Präsidenten und -Präsidiumsmitglieder an dem desaströsen Finanzzustand des LSVS nicht geklärt. „Wir werden prüfen, und zwar sehr schnell, ob wir Regress-Ansprüche gegen Personen oder Institutionen stellen können“, hatte Zöhler der SZ gesagt – vor exakt einem Jahr. Gehört hat man davon nichts mehr.

Stattdessen ist zu hören, dass die Stimmung an der Sportschule unter den noch verbliebenen Mitarbeitern schlechter denn je ist. Der Frust angesichts des Berges von Arbeit ist groß, immer noch kündigen Mitarbeiter, deren Kompetenz und Erfahrung beim LSVS von unschätzbarem Wert sind, die Mensa hat hin und wieder nicht mal mehr geöffnet, weil nicht genug Personal vorgehalten werden kann. Wie unter dem Sparkurs von Michael Blank, Ex-LSVS-Konsolidierungsberater und jetziger „Chief Restructuring Officer“ (bis 2021), „Zukunft gestaltet“ werden soll, wie Zöhler schreibt, erschließt sich kaum jemandem an der Hermann-Neuberger-Sportschule.

Dass beim bescheidenen Geburtstag Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), CDU-Fraktionschef Alexander Funk oder Petra Berg, die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion zu Gast sind, trifft sich im übrigen ganz gut. Vielleicht suchen sie ja mal das Gespräch mit denen, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Schwierigkeiten, Gesprächspartner zu finden, dürften sie nicht haben.

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