Ringer betritt in Doha absolutes Neuland

Leichtathletik-WM : Ringer betritt in Doha absolutes Neuland

Der Mittelstreckler des LC Rehlingen muss am Starttag der Leichtathletik-WM im Vorlauf über 5000 Meter ran. Die Hitze mag er nicht.

„Mein Motor“, sagt Richard Ringer und lacht, „mein Motor läuft ja eher, wenn es etwas kühler ist.“ Der Mittelstreckenläufer des LC Rehlingen ist sich bewusst, dass er in dieser Woche absolutes Neuland betreten wird. Wenn der 30-Jährige aus Uhldingen am Bodensee an diesem Freitag bei der Leichtathletik-WM in Doha/Katar seinen Vorlauf über 5000 Meter in Angriff nehmen wird, werden die Bedingungen für ihn – und vermutlich für die meisten anderen im Feld – alles andere als optimal sein.

Über 40 Grad Celsius sagen die Wetterfrösche für die Hauptstadt des arabischen Landes am Persischen Golf voraus – durchgehend, die ganze Woche über. „Eigentlich nicht das Wetter, bei dem man sich draußen aufhalten sollte“, sagt Ringer. Und schon gar nicht das Wetter, um Leistungssport zu betreiben. Doch Ringer, der einzige saarländische Athlet bei den Titelkämpfen, will das Beste daraus machen, plante anders als vor anderen Wettkämpfen. Er reiste möglichst kurzfristig an, erst zwei Tage vor dem Wettkampf. Eine kleine Laufeinheit diesen Donnerstag wird auf dem Laufband im Hotel stattfinden, und auch sonst wird er sich „so gut es geht drinnen aufhalten“.

Aber irgendwann am Freitagabend wird Ringer raus müssen – zu einem von zwei Vorläufen über 5000 Meter. 15 Läufer erreichen das Finale, Ringers Jahresbestzeit von 2019 (13:14,43 Minuten, gelaufen beim Meeting im belgischen Heusden-Zolder am 20. Juli) reicht in der Meldeliste für Platz 24. Ergo „ist der Vorlauf für mich schon wie ein Finale“, sagt der vierfache deutsche Meister des Jahres, „aber ich weiß, dass ich mich für den Endlauf qualifizieren kann. Die Form ist da.“

Eine Form, für die er beinahe ein Jahr ohne Unterbrechung trainiert hat. Trainieren konnte, weil er verletzungsfrei blieb und nur mal zwei Tage wegen Krankheit kürzer treten musste. Umso wichtiger ist es, sich in Doha in den vielen klimatisierten Bereichen keine Erkältung einzufangen. „Im Callroom und im Aufwärmbereich musst du dich schon richtig warm anziehen“, erzählt Ringer, „das Stadion ist mit modernsten Klimatechniken ausgestattet und extrem heruntergekühlt.“ Für die WM wurde das Khalifa Stadium eigens noch einmal modernisiert. Mit einer Klimaanlage kann in der Arena die Luft angeblich auf 24 bis 28 Grad Celsius heruntergekühlt werden – eine Temperatur, mit der sich Ringer dann anfreunden muss.

Zwei Vorläufe finden am Freitag statt – einer um 18.55 Uhr deutscher Zeit, der andere um 19.10 Uhr. Und bei internationalen Meisterschaften ist es oft üblich, dass es besser ist, im zweiten zu laufen. Die ersten fünf jedes Laufes kommen ins Finale, dazu fünf weitere Zeitschnellste. „Oft ist es so, dass der zweite Lauf ein paar Sekunden schneller ist als der erste“, erzählt Ringer, „deswegen schaffen es meistens zehn Läufer aus dem zweiten ins Finale.“ Kein Wunder also, dass sich Ringer ein bisschen Losglück wünscht und gerne im zweiten Vorlauf dabei wäre. „Aber ich weiß, dass ich es auch ins Finale schaffen kann, wenn ich im ersten Lauf ran muss“, sagt Ringer selbstbewusst.

Wenn der Freitag nach Ringers Geschmack verlaufen sollte, muss er zwei weitere heiße Tage in Doha überstehen, ehe am Montag um 20.20 Uhr dann das WM-Finale über die Bühne geht. Es soll sein letztes großes Rennen in dieser langen, kräftezehrenden Saison werden. „Danach ist es gut“, sagt Ringer, „schließlich muss ich auch mal wieder was arbeiten.“ Am 1. Oktober steht die Rückkehr an seinen Arbeitsplatz bei der Firma MTU in Friedrichshafen an. Der Wetterbericht sagt übrigens für den Bodensee 18 Grad Celsius voraus. Genau das Richtige für den Motor von Richard Ringer.

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