| 20:30 Uhr

Sitzung
Flotte Tänze und humorvolle Seitenhiebe

Markus Zerm, alias Willi, versprühte zum Auftakt der Kappensitzung mit seiner Biene Maja (Andrea Diehl) viel Humor auf der Bühne und im Publikum.
Markus Zerm, alias Willi, versprühte zum Auftakt der Kappensitzung mit seiner Biene Maja (Andrea Diehl) viel Humor auf der Bühne und im Publikum. FOTO: Marion Schmidt
Theley. Die Karnevalsgesellschaft „Lach mit Theley“ hatte das närrische Volk zu ihrer Kappensitzung in die Sporthalle eingeladen. Gut 450 Fastnachter waren der Einladung gefolgt und erlebten ein tolles Programm mit Tanz und Witz. Von Marion Schmidt

Pünktlich um 20.11 Uhr zieht am vergangenen Samstag der Elferrat der Karnevalsgesesellschaft Lach mit Theley zu den Tönen des Narhalla-Marsches in farbenfroh geschmückte Sporthalle ein. Mit Witz und Charme begrüßt Sitzungspräsidentin Bärbel Rausch in rot-glitzernden High Heels und weißem Frack etwa 450 feierlustige Narren. Traditionsgemäß wird zu Beginn der Sitzung das Prinzenpaar vorgestellt. Eigens zur Proklamation aus Mainz angereist ist Jana I. Die Theleyerin hat es berufsbegingt in die Fastnachtshochburg am Rhein verschlagen. Um bei der Theleyer Faasend nicht auf ihren Liebsten verzichten zu müssen, hat die Prinzessin ihren Lebensgefährten zu ihrem Prinz Marcello I. gekürt und ihn aus Wiesbaden mitgebracht. So kommt es in diesem Jahr auf der Theleyer Kappensitzung zu einer Premiere. Während der Proklamation des Prinzenpaares stellt sich Marcello I. vornehm in Hochdeutsch vor, was Sitzungspräsidentin Bärbel Rausch zu dem ein oder anderen humoristischen Seitenhieb ermuntert.


Anschließend präsentieren 14 Tänzerinnen der Prinzengarde einen schwungvollen Gardetanz. In der folgenden etwa vierstündigen Kappensitzung präsentieren mehr als 40 Akteure Sketche, Tänze und Büttenreden. Der Showact von Markus Zerm und Andrea Diehl eröffnet als Eisbrecher das Programm. Als Willi und Biene Maja verkleidet liefern sich die beiden einen munteren Dialog, in dem so einige ortsbekannte Narren auf die Schippe genommen wurden. Tholeys Bürgermeister Hermann Josef Schmidt, als Hippie verkleidet, muss kurzer Hand seinen Platz für Markus Zerm, alias Willi, räumen. Und Landrat Udo Recktenwald, in stattlicher Uniform gekleidet, bekommt auch sein Fett weg. „Der Udo, das ist der größte politische Brummer im Landkreis“, posaunt Andrea Diehl, alias Biene Maja, ins Publikum.

„Ich bin seit meiner Kindheit ein Faasendboze. Mein Vater war schon Präsident in einem Karnevalsverein in Furschweiler“, verrät die 51-jährige Diehl. Einen Tag vor der Kappensitzung treffen sich alle Akteure zur Generalprobe in der Sporthalle. Und das Lampenfieber ist auch schon da. „Ich bin jetzt schon angespannt. Das Lampenfieber kommt oft schon nachts. Aber ich freue mich auf den Auftritt. Angst habe ich nicht. Wenn der Auftritt los geht und mich alle anschauen, muss ich einfach loslegen und meine Sätze raushauen.“ Sie schlüpfe gerne in andere Rollen und liebe das Verrücktsein auf der Bühne. Markus Zerm ist schon ein wahrer Bühnenprofi. Seit 25 Jahren ist er in der Faasend aktiv. Sein Spezialgebiet sind Büttenreden und Zwiegespräche. Er spricht beinahe respektvoll über seine ständige Begleiterin, das Lampenfieber. „Bei mir kommt es etwa zwei Stunden vor dem Auftritt. Das gehört dazu. Das Lampenfieber ist wichtig. Wenn es mal nicht mehr da ist, wird die Sache zur Gewohnheit und verliert ihren Reiz“, verrät der 52-Jährige.



Mehr als 20-jährige Bühnenerfahrung bringt auch Bärbel Rausch mit: „Seit elf Jahren bin ich Sitzungspräsidentin. Die Moderation übernehme ich schon zum 20. Mal.“ Trotzdem wird auch sie jedes Jahr vom Lampenfieber heimgesucht. Steht sie aber erst einmal auf der Bühne, beginnt ihre redegewandte Moderation und von Aufregung keine Spur. „Ich moderiere sehr spontan und schlagfertig. Für meine Bühnenpartner ist das dann manchmal sehr schwierig, zu reagieren“, verrät Bärbel Rausch mit einem Augenzwinkern. Tanja Roos, die gemeinsam mit Sohn Benedikt als „Mutter und Sohn-Duo“ auf der Bühne steht, spürt bereits eine Woche vor der Kappensitzung das Lampenfieber und erlebt die eine oder andere schlaflos Nacht: „Wenn ich auf der Bühne stehe und das Mikrofon in die Hand nehme, dann ist es gut.“ Grundlage ihrer Sketche sind immer persönliche aktuelle Lebensumstände. „Dieses Mal stehen das Studium meines Sohnes und sein Auszug von Zuhause im Mittelpunkt“, so Tanja Roos.

Gardetänzerin Jessica Kirsch hat sich erstmals in einem Sketch mit Kathrin Quasten auf die Bühne wagt. Für Tobias Reisdorf, mit 21 Jahren gehört auch er zum Nachwuchs der Kappensitzung, ist das Lampenfieber unmittelbar vor dem Auftritt am Schlimmsten. „Sobald ich auf der Bühne stehe, ist es weg“, verrät er bei der Generalprobe. Seit 13 Jahren ist er in Sachen Faasend aktiv. Sein Talent für humoristische Vorträge wurde währedn einer Familienfeier entdeckt. „Auf einem Geburtstag meines Papas habe ich die Elfriede Grimmelwiedisch gemimt“, verrät Tobias Reisdorf. Horst Müller, dem damaligen Vorsitzenden des Theleyer Karnevalvereins, habe der Auftritt so gut gefallen, dass er ihn gleich für seine Kappensitzungen verpflichtete. Dieses Mal tritt er mit der Solonummer „Renate Granate“ auf.

Randolf Atz, Vereinsvorsitzender der KG Lach mit Theley, war am Ende höchst zufrieden mit der Kappensitzung und vor allem dem Einsatz seines Teams hinter den Kulissen.