„Nach uns“ keine Sintflut

Was nach dem Menschen oder dem eigenen Leben kommt, wird niemand selbst heute oder jemals beantworten können. Aber das Thema inspiriert und hat innerhalb eines Projektes Schüler zu ihren Malutensilien greifen lassen.

Als ein "wichtiges, künstlerisch-inklusives, soziales Projekt" bezeichnete Landrat Udo Recktenwald anlässlich der Eröffnung die aktuelle Ausstellung "Nach uns" im Kunstzentrum Bosener Mühle (KBM). Dieses Projekt, bei dem Künstler seit sechs Jahren mit behinderten und nicht behinderten jungen Menschen zusammenarbeiten, beschreite neue Wege und habe bereits eine gute Tradition.

Unter Anleitung von Projektleiter Christoph M Frisch haben je zwölf Teilnehmer der Lebenshilfe St. Wendel und Schülerinnen der Gemeinschaftsschulen in Marpingen, St. Wendel, Theley und Türkismühle ihre Gedanken zum Thema "Nach uns" aufs Papier gebracht. Dabei sollten sie sich überlegen, wie die Welt "Nach uns", das heißt nach dem eigenen Leben beziehungsweise nach dem Ende der menschlichen Existenz aussehen könnte. Die Jugendlichen hätten sich hierbei viel Interpretationsspielraum genommen, erklärte Frisch schmunzelnd.

"Wie nonchalant man am Thema vorbeigehen kann, sieht man an vielen Bildern." Einer der jungen Künstler habe zum Beispiel mit einem Drachen begonnen und die anderen waren davon so begeistert, dass diese Fabelwesen nun eine ganze Wand mit großformatigen, bunten Drachenwelten schmückt.

Ziel erreicht

Aber insgesamt zieht Frisch ein positives Resümee. Denn die Zielperspektive sei nicht ergebnisorientiert, sondern viel wichtiger sei das soziale Miteinander. Und das sei geglückt, es hätte keine Widerstände gegeben. Das läge zum einen an der hohen Sozialkompetenz der Schüler aus den einzelnen Schulen, zum anderen aber auch an dem teilweise schon eingespielten Team, das die neuen Teilnehmer mitgenommen habe.

Das empfanden auch zwei Schülerinnen aus Syrien und Bulgarien von der Gemeinschaftsschule in Türkismühle, die zum ersten Mal teilgenommen haben. Für sie war dieses Miteinander in der Gruppe eine wichtige Erfahrung und ein weiterer Schritt zur Integration. Denn die beiden 17-Jährigen sind erst im vergangenen Schuljahr nach Deutschland gekommen und sofort beste Freundinnen geworden. Daher war es auch selbstverständlich für sie, dass sie gemeinsam an dem Workshop teilnehmen wollten. Während die Syrierin Maram Hlal bereits seit ihrer Kindheit malt und zeichnet, hatte ihre bulgarische Freundin Joanna Gancheva damit noch keine Erfahrung. Aber sie waren beide begeistert vom Rötel, und Maram hat damit ein sehr ausdrucksstarkes Mädchen-Porträt gezeichnet.

Kunstdozent Edgar Brück hat Maram großes Talent bescheinigt, das sie weiter ausbauen solle.

Wer sich die farbenfrohen Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten aus den beiden Workshopwochenenden ansehen möchte, kann dies noch bis zum 18. Dezember tun. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 13 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.

bosener-muehle.de