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Obst wächst für den Mundraub

Und wieder sind sie fündig geworden: Mittels Smartphone dokumentieren (von links) Uwe Engstler und Manfred Reiter den Standort einer Brombeerhecke bei Piesbach im Internet.
Und wieder sind sie fündig geworden: Mittels Smartphone dokumentieren (von links) Uwe Engstler und Manfred Reiter den Standort einer Brombeerhecke bei Piesbach im Internet. FOTO: Dieter Lorig
Hüttersdorf. Was sich Manfred Reiter und Uwe Engstler ausgedacht haben, macht Lust aufs Ernten: Auf der Internet-Plattform www.mundraub.org listen die beiden auf, wo man umsonst und legal Früchte pflücken kann. Dieter Lorig

200 Jahre nach seiner Gründung könnte es in unserem Landkreis zunehmend "paradiesische Zustände" geben. Manfred Reiter (65), pensionierter Studiendirektor und der 45-jährige Berufsschullehrer Uwe Engstler arbeiten in ihrer Freizeit daran tatkräftig mit. Die beiden Hüttersdorfer sind in ihrer heimatlichen Umgebung immer wieder auf der Suche nach essbarem Obst und Früchten auf frei zugänglichen und öffentlichen Flächen, Fluren und Wäldern. Sie tun dies nicht, um sich selbst einen Garten Eden zu schaffen oder persönliche Vorteile zu haben. Vielmehr möchten sie anderen Menschen Hinweise geben, wo in der Natur umsonst geerntet werden kann.



Nach sorgfältiger Klärung der Eigentumsverhältnisse dokumentieren die beiden IT-Spezialisten die jeweiligen Fundorte in einer digitalen Karte auf der Webseite "www.mundraub.org“ . "So kann jeder im Internet sehen, wo beispielsweise Obst, Beeren, Gemüse, Kräuter oder Nüsse umsonst gepflückt und konsumiert werden können", erläutert Reiter im Gespräch mit der SZ. Die Internetplattform, auf der jeder nach Anmeldung selbst mitarbeiten kann, gibt es seit über sechs Jahren. Die beiden Hüttersdorfer sind zwei von weit über 30 000 Menschen, die ehrenamtlich unterwegs sind, um Fundorte für frei zugängliche Obstbäume und Beerensträucher zu dokumentieren. "Mundraub macht aus unentdeckten Landschaften essbare Erlebnisräume", schreibt Kai Gildhorn auf der von ihm gegründeten Webseite.

Die interaktive Karte von Mundraub werde immer detailreicher, bestätigt Engstler. So gebe es bereits Fundstellen beispielsweise für Maronen (Rehlingen-Siersburg), Kirschen (Wallerfangen), Bärlauch (Niedaltdorf), Walnüsse (Hemmersdorf), Haselnüsse (Dillingen), Brombeeren (Piesbach) und Äpfel (Niedersaubach), erläuterte der Hüttersdorfer.

Spezielle Karten sind die Basis

Grundlage für die "Mundraub-Plattform" sind unentgeltlich nutzbare Weltkarten mit Geoinformationen der Webseite www.openstreetmap.org . "Diese Karten, die von mehr als zwei Millionen freiwilligen Helfern weltweit kostenlos gepflegt werden, enthalten kleinste Details, wie beispielsweise Standorte von Parkplätzen, Briefkästen, Bankautomaten und Apotheken", schwärmt Reiter. Seit sechs Jahren ist er ehrenamtlich für den deutschen Ableger von "Openstreetmap (OSM)" tätig. Der pensionierte Lehrer mit langjähriger Auslandserfahrung spricht drei Fremdsprachen und hält Vorträge für die "OSM-Community" in ganz Europa. Aber auch in der "OSM-Humanitarian-Community", engagiert sich Reiter, zuletzt nach dem Erdbeben in Ecuador und den Überschwemmungen in Sri Lanka.