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Ausstellung
Piepmätze zwitschern um die Wette

Torsten Simmet bringt dem sechs Jahre alten Leon die Freude am Vogel näher.
Torsten Simmet bringt dem sechs Jahre alten Leon die Freude am Vogel näher. FOTO: Carolin Merkel
Schwarzenholz. Bereits zum elften Mal richteten die Vogelfreunde aus Schwarzenholz die Landesschau der Vogelzüchter aus. Von Carolin Merkel

Als sich am Wochenende die Pforten zur 67. Landesschau der Vogelzüchter öffneten, hieß das zugleich für die Vogelfreunde Schwarzenholz, zum elften Mal Ausrichter der Saarlandesmeisterschaften zu sein. Während draußen Schneegestöber vor allem am Sonntagvormittag die Besucher fernhielt, zwitscherten in der Schulze-Kathrin-Halle die kleinen und großen Vögel um die Wette und vermittelten eher Frühlingsgefühle. „Wenn wir ehrlich sind, wissen wir, dass, wenn unser Verein die Landesmeisterschaft nicht mehr ausrichten wird, es diese Veranstaltung im Verband nicht mehr geben würde“, erklärte Mathias Schäfer, Kassierer im Verein und Präsident im Landesverband der Vogelzüchter.



Auch Harald Alt, Vorsitzender in Schwarzenholz, betonte, dass es immer schwieriger wird, genügend Helfer zu finden. Der Aufbau der Käfige erfolgte bereits am Donnerstag. „Die Tiere sollen einen Tag vor Ort im Käfig sein, um sich an die ungewohnte Umgebung ein bisschen zu gewöhnen“, erläuterte er.

Der Freitag stand dann ganz im Zeichen der Bewertung. Hier machten sich sieben Preisrichter ans Werk, um insgesamt 860 Vögel, darunter Kanarien und Wellensittiche, aber auch Großsittiche, Papageien und Wildvögel zu bewerten.

„Wir sind stolz auf die Qualität der ausgestellten Tiere. Viele haben ein „V“ für vorzüglich erhalten“, erklärte Alt. Darunter war in diesem Jahr auch ein Wellensittich, der normalerweise im Seniorenwohnpark Stefania in Schmelz in einer großen Voliere lebt. Er erhielt, ebenso wie die übrigen ausgestellten Vögel der Einrichtung, am Samstagnachmittag Besuch von den Bewohnern aus Schmelz. Seit gut einem Jahr, erklärte Mathias Schäfer, der das Projekt leitet, leben die Vögel in der Voliere, die in Eigenregie von den Hausmeistern gebaut wurde. „Ganz besonders eine Bewohnerin, Regina Arnold, hat einen engen Kontakt zu den Tieren und bekommt sie tatsächlich zahm“, erzählte er. Vor allem das positive Feedback, das er von den Pflegekräften bekommt, sagte er, bewege ihn, auch weiterhin mit den Tieren im Seniorenheim zu arbeiten.

Für die Zukunft der Vogelzüchter, sagte Harald Alt, sieht es nicht allzu gut aus. „Vor allem der Nachwuchs fehlt in den Vereinen. Aber auch das öffentliche Interesse ist längst nicht mehr so groß wie früher.“ Für den ausrichtenden Verein war die Meisterschaft sportlich gesehen ein voller Erfolg. Gleich viermal ging der Titel Landesmeister an die Schwarzengholzer Vogelzüchter, sie haben sich für die Deutsche Meisterschaft im Januar in Bad Salzuflen qualifiziert. Die Vereinsmitglieder, erklärte Alt, kommen inzwischen auch aus Luxemburg und Frankreich.



Ein echtes Urgewächs des Vereins ist Torsten Simmet. „Ich bin mit 16 Jahren zur Vogelzucht gekommen. Ich hatte Wellensittiche und wollte wissen, welche Farbe beim Nachwuchs rauskommt“, erinnerte er sich. So wurde der heute 40 Jahre alte, vierfache Vater mit dem „Vogelzuchtvirus“ infiziert, ist von der Vererbungslehre fasziniert, hat den besten Mutanten unter den Großsittichen in der Ausstellung gehabt. „Vogelzucht muss man wirklich wollen, ein Rezept zur Nachwuchsgewinnung gibt es nicht“, sagte er.