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Ausstellung
„Er hat das Leben und die Frauen geliebt“

Die Künstler Roland Schmitt (l.), Initiator der Ausstellung, mit Gaetano Gross, dem Sohn von Wolfgang Mario Gross.
Die Künstler Roland Schmitt (l.), Initiator der Ausstellung, mit Gaetano Gross, dem Sohn von Wolfgang Mario Gross. FOTO: Gerhard Alt
Saarwellingen . Werke von Wolfgang Mario Gross sind im Rahmen einer Ausstellung des Kulturtreffs im Saarwellinger Bistro Altes Rathaus zu sehen. Von Gerhard Alt

Rund drei Jahre nach dem Tod von Wolfgang Mario Gross zeigt der Förderverein Kulturtreff Altes Rathaus Werke aus sechs Jahrzehnten seines Schaffens – eine so nicht wiederkehrende Gelegenheit, dem bedeutenden saarländischen Künstler zu begegnen.


„Opa malt klasse: richtig Graffiti“, hat Gaetano Gross seinen Sohn zitiert, um die jüngsten Werke von dessen Großvater, Wolfgang Mario Gross – kurz: Gross-Mario – zu charakterisieren. Tatsächlich sind die gemeinten Gemälde lichter als frühere, heller, oft mit weißen Stellen, immer wieder in Primärfarben, viel Blau und Gelb, gezieltem Rot komponiert, wild und zärtlich zugleich, zitatenreich und lebensfroh. Ja, die Jugend der Welt drückt sich mit Graffiti so ähnlich aus.

Es scheint, als sei Gross-Mario am Ende seines Lebens dem nahe gekommen, was er mit anderen in den 50er und 60er Jahren suchte: Eine vom kunsthistorischen Ballast und von gesellschaftlichen Klischees befreite, jugendlich-frische und Daseins-bejahende Malerei.



In der Einladung zur Ausstellung „Mario W. Gross. 1929 – 2015. Werke aus dem Fundus von Sammlern“ im Kulturtreff Altes Rathaus in Saarwellingen steht dazu: „Wie vielen seiner Studienkollegen dieser Jahre ermöglichte ihm ein Stipendienaufenthalt an der Académie de la Grande Chaumière in Paris die Begegnung mit der Weltkunst der 50er“. Gaetano Gross, gleichfalls Künstler, erklärt, die Ausstellung zeige Werke aus verschiedenen Schaffensperioden von „Mario“, die Sammler bereitgestellt hätten. „Mario“ sei dem Mittelmeer und seinen alten Kulturen, insbesondere den Etruskern, verbunden gewesen und habe das Leben und die Frauen geliebt.

Stimmt. Auf den Bildern von Gross-Mario ist immer Mittag, die Sonne lässt alles in leuchtenden Farben erstrahlen. Wenn die Augen blinzeln, hilft es, dass Vögel, Fische, Früchte und immer wieder Frauen deutlich konturiert sind. Was ist auf diesen Kompositionen nicht alles zu erkennen: Einzelheiten und Geschichten, von den antiken Mythen über Märchen aus 1001 Nacht bis hin zu Urlaubserinnerungen, ganz zu schweigen von Expressionismus, Surrealismus, Kubismus, Matisse, Braque, Picasso ... 

Das ist auch eine besondere saarländische Geschichte: Gross war an der Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken Meisterschüler Frans Masereels, der ihn in Picassos Keramikwerkstatt vermittelte (Das Gemälde „Picassos Schloss“ aus dem Jahr 1954 hängt in der Ausstellung). Studien und Künstlerbegegnungen in Paris, Nizza, Griechenland, internationale Ausstellungen und Sammlungen, vor allem aber seine Persönlichkeit machten Wolfgang Mario Gross zu einem der bedeutendsten Künstler des Saarlandes. Roland Schmitt, dem Vorsitzenden des Fördervereins Altes Rathaus, ist es zu danken, mit der Ausstellung daran zu erinnern.

„Es ist mein Anliegen immer gewesen, mit meinen Bildern und Plastiken Freude zu bereiten, ohne Menschen verändern zu wollen oder mich selbst verändern zu lassen“, hat Gross-Mario einmal gesagt. Vor rund drei Jahren ist er verstorben. Jetzt sprechen seine Bilder zu und mit den Nachgeborenen.

Die Ausstellung ist bis 18. März zu den Öffnungszeiten des Bistros „Altes Rathaus“ geöffnet; dienstags bis sonntags von 18 bis 22 Uhr. Am 18. März ist um 11 Uhr ein Künstlergespräch mit Gaetano Gross über Wolfgang Mario Gross.