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Gemeinderat
Altes Hallenbad weicht Kindergarten

Bous. Der Abriss des früheren Bades in Bous führt erneut zu Diskussionen im Gemeinderat.

Einfach beschließen und weiter in der Tagesordnung. So hätte es am Donnerstagabend im Bouser Gemeinderat laufen können bei der Vergabe der Abrissarbeiten für das alte Hallenbadgebäude. Aber die SPD-Fraktion nutzte die Gelegenheit zu einem vorwurfsvollen Blick in die Vergangenheit. Zuerst deutete Helmut Kiefer an, dass seine Fraktion die Kommunalaufsicht anrufen werde. Da schon seit 14 Tagen im Hallenbadbereich auf der Mühlenscheib gearbeitet werde. Das sei abgesprochen, wehrte sich Bürgermeister Stefan Louis. Wenn auf ein solches Wort kein Verlass mehr sei, müsse man das in Zukunft berücksichtigen. Diese laufenden Arbeiten betreffen vor allem Rodung und Vorbereitungen für den eigentlichen Abriss, erläuterte Louis. Der Abriss ist für die Osterferien geplant, um Belastungen für Kinder in der benachbarten Grundschule und im Kinderhaus zu vermeiden.


„Wir hätten hier Gelder bekommen“, kritisierte Kiefer dann die Entwicklung, „jetzt investieren wir.“ Es habe Ideen gegeben, beispielsweise eine Heizanlage für die nahe gelegene Grundschule. Aber „das ist ja überhaupt nicht untersucht worden“. Auch das einstmals geplante Awo-Altenheim sprach Kiefer an. Da habe die Gemeinde 1,5 Millionen Euro verschenkt. Und zehn Jahre lang sei keine Alternative verfolgt worden.

Peter Becka, Linke Liste Bous, meldete „schweres Bauchweh“ an. Es habe zwei Investoren gegeben, die sehr positiv wirkten. „Aber das wurde hier so zerredet, dass die abgesprungen sind. Diese Projekte stehen heute in Nachbargemeinden.“ Dem Beschluss könne die Linke dennoch zustimmen, denn „wir möchten diesen Schandfleck dort oben endlich weghaben“.



Auf eine andere Seite dieser Vergangenheit wies Anton Fery, CDU, hin. Demnach standen keine 1,5 Millionen Euro an Plus für die Gemeinde im Raum. „Ich weiß nicht, wo Sie das herhaben“, sagte Fery, „bei uns wollten die alles für nichts.“ Dafür wären eine Diskothek entstanden, oder eine Kletterhalle oder eine Wohnbebauung. Jetzt brauche die Gemeinde die Fläche in einem sauberen Zustand, sagte Fery, um einen Kindergarten zu bauen. Und 50 Prozent der Abrisskosten würden über Zuschüsse abgedeckt. Rund 16 Jahre gehe es mit dem Gelände der Schwimmbadanlage nicht weiter, sagte Bürgermeister Louis. „Irgendwann muss auch mal ein Schlussstrich gezogen werden.“

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Christoph Küntzer erinnerte an das Ende des Bades. „Das haben ein SPD-Landrat und ein SPD-Bürgermeister geschlossen. Darum haben die heute noch damit Probleme.“

Die ganze Diskussion gehe am Thema vorbei, meldete sich schließlich CDU-Fraktionschef Patrick Waldraff. Vor Monaten war der Abriss beschlossen worden, „heute geht es um die Vergabe“. Die Vergabe erfolgte mehrheitlich bei zwei Nein und einer Enthaltung der drei anwesenden SPD-Mitglieder. Der Angebotspreis für den Abriss beträgt 379 426,11 Euro. Durch einen Zuschuss trägt die Gemeinde nur die Hälfte davon. Mit dem Abriss des alten Hallenbades wird Platz geschaffen für einen weiteren Kindergarten in Bous. Sechs Gruppen sind vorgesehen, je zwei für Krippenkinder, altersgemischte Gruppen sowie Kindergartenkinder. Die Kosten dafür werden auf um die 3,5 Millionen Euro geschätzt. Womöglich mit etwa zwei Dritteln als Zuschüsse.

(az)