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Außergewöhnliche Wanderung setzt den Vögeln ein lyrisches Denkmal

Riegelsberg/Saarbrücken. Es gibt Momente, da sagt man sich im Stillen: Genauso habe ich mir das Leben vorgestellt. So haben sich die Wanderer gefühlt, die sich kürzlich beim Forsthaus Pfaffenkopf zu einem Spaziergang mit Lyrik und Ornitologie einfanden

Riegelsberg/Saarbrücken. Es gibt Momente, da sagt man sich im Stillen: Genauso habe ich mir das Leben vorgestellt. So haben sich die Wanderer gefühlt, die sich kürzlich beim Forsthaus Pfaffenkopf zu einem Spaziergang mit Lyrik und Ornitologie einfanden. Die Veranstaltung, organisiert vom Naturschutzbund Riegelsberg, dem Forstverein Rheinlandpfalz-Saar sowie dem Saarbrücker Bürgerforum - war so schön, dass man sie mit drei Sternchen auszeichnen sollte.Das ornitologische Fachwissen hatten die Vogelkundler Liane Walter und Heinz Schneider im Gepäck. Die Schauspielerin Ulrike Donié übernahm den lyrischen Teil und Björn Wallacher sorgte für das Wohl der Gäste.Das Motto des Tages: "Ich will's Gefieder schwingen gen Holz" hatte man des Knaben Wunderhorn entlehnt. Zur Einstimmung stimmte man das Lied: "Alle Vögel sind schon da" an. Dann marschierten die Wanderer über die Straße und runter ins Frommersbachtal.Wenig später meldeten sich Mönchsgrasmücke und Zaunkönig zu Wort. Dicht gefolgt von der Singdrossel. Früher, so erfahren wir, war sie ein reiner Waldvogel. Heute zieht die Drossel um die Häuser, macht auch vor der Stadt nicht Halt. In der Ferne grüßte ein Kuckuck. Adler, Specht und Nachtigall gesellten sich per Gedicht hinzu. Johannes Kühn schreibt von Vögeln, die "gegen die Langweile" ansingen. Rose Ausländer setze der Drossel ein lyrisches Denkmal, Maximilian Dauteney der Amsel. Die Lesungen sind immer an besonderen Stellen. So beispielsweise mit Blick auf den Schlammweiher, wo Wasservögel zuhause sind und Gelbbauchunken laichen.Die Walderdbeeren blühen mit den kleinen Veilchen um die Wette. Schnecken ziehen geduldig ihre Runden, und Liz Lorenz-Wallacher findet einen platt gefahrenen Frosch. Ein Waldlaufsänger schwirrt von Ast zu Ast, das Rotkehlchen zwitschert, und der Grünspecht lacht uns zu. Letzte Haltestation ist eine Aussichtsplattform, ein Belvedere, mit Blick aufs steile Tal. Björn Wallacher erzählt von alten Zeiten und von Ludwig dem Frommen, und er macht darauf aufmerksam, dass hier "die Natur aus zweiter Hand wieder vollkommen wild wird und aus der Aschenputtel-Landschaft eine Rarität entsteht". Dann heißt es "keine Müdigkeit vorschützen": Unter dem wuchtigen Nussbaum beim Forsthaus Pfaffenkopf wartet ein tradtitionelles Forstfrühstück. Brot und Quark. Wie es auch schon in den 1920er Jahren Brauch war. Ach ja, und gleich neben dem Forsthaus lud Christel Marschall in ihre Werkstatt für Wald- und Wiesenfloristik. hof