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Von Motorblöcken zu Eisenbahnen

Eugen Towae war Modellbauer für die Industrie. Im Ruhestand ist er Modellbauer für sich selbst. Im obersten Stock seines Hauses fahren Bahnen auf mehreren Ebenen. Foto: Becker&Bredel
Eugen Towae war Modellbauer für die Industrie. Im Ruhestand ist er Modellbauer für sich selbst. Im obersten Stock seines Hauses fahren Bahnen auf mehreren Ebenen. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Güdingen. Ersehnt und gefürchtet: der Ruhestand. Was passiert, wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen? Wie groß ist die Angst, nicht mehr zur Arbeitswelt zu gehören? Wir haben Saarbrücker gefragt, wie sie ihren Ruhestand erleben. Heute: Eugen Towae aus Güdingen. Frank Bredel

Im Giebel seines Güdinger Hauses ist sein Reich. Im obersten Stockwerk, am Ende einer kleinen steilen Treppe, beginnt eine eigene Welt. Züge fahren im Kreis, zweigen ab in Tunnels und über Brücken, kreisen auf mehreren Ebenen.

Eugen Towae war sein ganzes Berufsleben Modellbauer, 47 Jahre lang. Nur seine Modelle im Job hatten nie mit Eisenbahnen zu tun, sondern mit Motorblöcken und anderen Industriekomponenten. Heute fummelt er in filigranen Dimensionen, braucht hier und da eine Lupe und freut sich, wenn der rote Tunnelrettungszug über die Gleise schnurrt.

Und schon sind wir beim zweiten Hobby des heute 67-Jährigen, der seit nunmehr 50 Jahren Mitglied der Feuerwehr ist und gleich zweimal in Rente gehen musste. Nach dem Job konnte er seinen Fokus auf den Eisenbahnmodellbau verlegen. In der Feuerwehr hieß es aber Abschied nehmen von einer Leidenschaft, die noch immer in ihm glüht. "Mein Spitzname bei den Feuerwehrkameraden war Chefchen. Denn ich war immer streng", sagt er von sich selbst. Aber dem Löschbezirk habe seine Führung wohl nicht geschadet, er habe die Jugendwehr gegründet, den Personalbestand mehr als verdoppelt und sei von 1977 bis 2011 Löschbezirksführer gewesen.

Er bekam noch weitere Ämter und sogar das Bundesverdienstkreuz. Mit 63 zieht das Gesetz aber einen Schluss-Strich unter jede Feuerwehrkarriere. Towae machte Platz für Jüngere. "Ich muss zugeben, es juckt mich immer wieder. Aber ich geh' nur noch selten hin. Wir haben ganz tolle junge Leute. Ich bin sehr zufrieden mit denen und halte mich bewusst raus. Wenn ich hingehe, rede ich denen nur rein. Passiv zuhören kann ich nicht so gut", sagt er selbstkritisch. Nur wenn es in der Nähe brenne, dann gehe er schon mal gucken. "Dann bin ich Schaulustiger", gibt er unumwunden zu. Kein Wunder also, dass er den Löschzug auch auf seinen Schienen hat. Und dass er forscht und ein Buch über die Geschichte der Güdinger Wehr mitverfasst hat. Alte Schriften der Bürgermeisterei von 1908 liest er in Sütterlin-Schrift, sucht nach Bezügen zur Feuerwehr. Und so weiß er, dass es Feuermeldestellen in den Ortschaften gab, man den Feuerwehralarm mit der Ortsschelle läutete und Brände noch von Hand gelöscht wurden. Und noch ein Hobby hat er: den Country- und Westernclub Güdingen , der am 1. Mai den 20. Güdinger Trapperlauf organisieren wird.