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Auch im Sulzbachtal
Das große Amselsterben scheint gestoppt

Eine Amsel sitzt in einem Garten im Schnee.
Eine Amsel sitzt in einem Garten im Schnee. FOTO: Tim Brakemeier / dpa
Sulzbach-/Fischbachtal. Usutu-Virus aus Südafrika gilt als Auslöser der Vogelkrankheit in unserer Region. Naturschutzbund sieht kein Massensterben wie 2011. Von Petra Pabst

SZ-Leser Helmut Veit füttert ganzjährig die Vögel in seinem Garten. Nun macht er sich große Sorgen um die Amseln. In einem Brief an die Redaktion schreibt er: „Schon vor dem Frühstück gehe ich in den Garten, und früher liefen mir immer schon etwa zehn, manchmal fünfzehn Amseln entgegen, um auf die Haferflocken zu warten. Im Winter waren es so viele, dass ich sie nicht einmal mehr zählen konnte. Im Frühjahr brüteten zudem regelmäßig zwei bis drei Pärchen in den Efeubüschen an meiner Hauswand.“ Aber seit mehreren Wochen sei keine einzige Amsel mehr zu sehen. Veit sieht seinen Verdacht bestätigt, als er in unserer Zeitung über das Amselsterben las.
Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass nunmehr auch im Sulzbach- und Fischbachtal dieses Virus den Amseln den Garaus macht. Laut Pressemitteilung des Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ist es bereits in den Jahren 2011 und 2012 zu einem Massensterben unter Vögeln gekommen, das durch das so genannte Usutu-Virus ausgelöst worden war. Seit mehreren Monaten häufen sich nun erneut Meldungen über erkrankte und kurz darauf verstorbene Amseln.



Ursprünglich stammt das Virus aus Südafrika. Da es von Stechmücken übertragen wird, begünstigt vor allem feuchtwarmes Wetter die Verbreitung und je wärmer der Sommer umso mehr Viren. Stechmücken und infizierte Vögel sind zu erwarten. Befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als „Amselsterben“ bekannt wurde.

„Auch bei uns im Saarland sind schon zahlreiche Meldungen eingegangen, und Zählungen verschiedener Ornithologen oder der Beringungsstation in Lisdorf bestätigen: Es gibt derzeit auch hier nur noch sehr wenige Amseln“, bestätigt Karl Rudi Reiter, der stellvertretende Landesvorsitzende des NABU Saarland auf SZ-Anfrage.

Um die Verbreitung des Virus und seine Auswirkungen auf unsere Vogelwelt zu dokumentieren und zu erforschen, bittet der NABU die Bevölkerung um Mithilfe und ruft dazu auf, auf seiner Internetseite, tote oder kranke Amseln über ein Online-Formular zu melden.

„Ich habe dem NABU meine Information bereits geschickt. Die Auswertung erfolgt aber erst später“, teilt Veit mit. Er würde sich dafür interessieren, zu erfahren, ob noch weitere Vogelfreunde im Sulzbach- und Fischbachtal dieselben Beobachtungen gemacht haben.

Leider könne man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln. Eine allgemeine Gefährdung der Amsel sei jedoch nicht zu befürchten. Dennoch gehen in den jeweiligen Ausbruchsgebieten zunächst die Amselzahlen messbar zurück. Lokal konnte in einigen Gebieten sogar das fast vollständige Verschwinden von Amseln festgestellt werden. In den folgenden Jahren konnten die Amseln die entstandenen Lücken jedoch recht schnell wieder schließen. Bleibende Auswirkungen auf überregionale Bestände der Amsel wurden bisher nicht bestätigt. Der weitere Verlauf des Auftretens von Usutu-Erkrankungen lässt sich schwer vorhersagen. Man geht derzeit davon aus, dass die Vögel zunehmend Resistenzen gegen dieses neue Virus entwickeln, so dass es nicht mehr zu so offensichtlichen Massensterben wie im Jahr 2011 führen wird.

Weitere Infos zu dem Thema bei: Lars Lachman, NABU-Vogelschutzexperte, Telefon: 030 - 284 984 - 1620 (Mail: lars.lachmann@nabu.de oder Marius Adrion NABU-Vogelschutzexperte, Telefon: 030 - 284 984 - 1954 (Mail: marius.adrion@nabu.de)