Fastnacht : Grenzenloses Vergnügen mit der DNZ

Der Spaß überwog, doch es gab auch Tränen des Abschieds bei der Sitzung der Dengmerter Narrezunft.

Die Narren waren bei der Kappensitzung der Dengmerter Narrezunft am Samstag los und sie amüsierten sich grenzenlos. Einige überwanden ihre Grenzen, andere setzten sie sich selbst. Aber Spaß hatten sie unter dem Motto „Narren ohne Grenzen“ alle in der ausverkauften Stadthalle – die Akteure und die vielen Gäste. Die „Schnullerbrigade“ sorgten mit einem Regenbogentanz für einen stimmungsvollen Auftakt. „Wir sind zusammen stark“ hieß es auch in dem Song, nach dem die drei Mariechen der DNZ über die Bühne wirbelten. Solche Veranstaltungen und auch die Vereine leben von und mit der Gemeinschaft und von zum Teil grenzenlosem Engagement. Nicht immer können die Akteure das große Tempo durchhalten oder, weil ihnen der Körper Grenzen setzt, ihre eigenen Erwartungen erfüllen.

So geht es wohl auch dem Aktiventanpaar Julia Mathei und Alexander Wenz. Bereits bei der Sessionseröffnung schienen die Hebefiguren für Wenz ein Kraftakt zu sein. Bei der Kappensitzung klappten sie aber und alles lief so, wie man es von den Vize-Saarlandmeistern gewohnt war. Und doch gab es nach dem Tanz Tränen, die beiden umarmten sich und wollte sich gar nicht mehr loslassen. Was war passiert? „Das war der letzte Tanz für sie“, klärte Sitzungspräsident Markus Seel das närrische Publikum darüber auf, dass es die Abschiedstrauer war, die das Tanzpaar überwältigte, „die DNZ verneigt sich vor ihnen. Klar, dass die Emotionen hochkochen. Aber wenn Sie 18 Jahre auf dem Niveau tanzen, dann haben Sie irgendwann auch ein Problem mit der Bandscheibe. Eine Ära geht zu Ende, die Fastnacht fordert eben ihren Tribut.“

Aber es gab auch einen Neuanfang, denn mit dem Jugendtanzpaar Tim und Hanna stünden schon die Nachfolger für die beiden Aktiven in den Startlöchern. „Vielleicht sehen sie hier die Saarlandmeister 2028“, äußerte Seel den Wunsch, das Nachwuchstanzpaar möge in die Fußstapfen der großen Vorbilder treten. Gefühle brachen sich auch später Bahn, als sich Seel und seine Frau Nicole, wahlweise die „Fraa, die niemals ferdisch wird“ oder DNZ-Frontfrau Nicoletta von Lendelfingen offiziell von der Narrenbühne abmeldeten. Am Aschermittwoch verlassen sie das DNZ-Narrenschiff – noch stehen aber keine Nachfolger fest. Und doch musste die Show weitergehen. „De Wuschd“ machte es vor, wie es sich in der Fasenacht gut lebt, auch wenn er lieber „dahemm fort“ ist. Mit „Taritarattata, taritaro“ und Witzen zwischen Zahnarzt, in Zäunen hängenden Liebhaberinnen und Vaginalfachverkäuferinnen hatte er die Narren im Griff. Immer wieder schön an der grenzenlosen Narretei sind scheinbare Widersprüche oder der Spagat zwischen Klamauk und Können, der nicht trennt, sondern verbindet. Wo sonst gibt es solch eine Truppe wie die Ehrengarde, die sich redlich um den Gleichschritt müht, aber bei „Fehltritten“ über sich selbst lachen kann und die Narren im Saal auch dann mitreißt, wenn einige Uniformierte aus der Reihe tanzen. „Einzigartig und unnachahmlich“ nannte Seel die Grün-Gelben. Und wo gibt es sonst soviel Anmut und tänzerisch-turnerisches Geschick in dieser Konzentration wie bei den anderen Garden der DNZ? Doch nur bei der Fasenacht. Stars und Sternchen, der Mann im Mond, Schneewittchen und einige Hexen, die Zwerge abschleppten, eine vereinseigene Stimmungssängerin, Haar- und Bewegungskünstler und sogar eine PS-starke Männertanzgruppe – all sie waren für ein tolles Programm zuständig.

Die Karnevalisten sind schon ein besonderes Völkchen, das sich auch gegenseitig gern besucht. Tollitäten, Büttenredner und Showacts aus allen Teilen des Saarlandes kamen gern zur DNZ, und verlegten, wie Maja und Klaus, sogar ihren Wellness-Urlaub auf die Bühne der Stadthalle. Majorettes, Prinzen und Prinzessinnen, tanzende Männer und sogar ein Hausmeister gaben sich in Dengmert die Klinke in die Hand. Und da Narren auch in der Not zusammenstehen, rief Sitzungspräsident Markus Seel zur Unterstützung der „hallenlosen“ Spieser Karnevalisten auf. Diese müssen bereits in der zweiten Session eine Zeltfastnacht stemmen, für die noch Unterstützung gebraucht werde. 15 000 Euro müsste der KV „Alleh Hopp“ dafür aufbringen. „Der Verein steht vor dem finanziellen Kollaps“, so Seel. Auch hier steht man zusammen, über (Landkreis-)Grenzen und Vereinsfarben hinweg.

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