Zwei Welten treffen aufeinander

Zwei Welten treffen aufeinander

Neunkirchen. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Wahrscheinlich war auch deswegen die Neunkircher Nacht am Freitag in der Gebläsehalle solch ein Erfolg. Denn mit der saarländischen Old-Boy-Group Welljerholz und den Mëdlz aus Sachsen trafen zwei Welten aufeinander - sprachlich, musikalisch und auch sonst

Neunkirchen. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Wahrscheinlich war auch deswegen die Neunkircher Nacht am Freitag in der Gebläsehalle solch ein Erfolg. Denn mit der saarländischen Old-Boy-Group Welljerholz und den Mëdlz aus Sachsen trafen zwei Welten aufeinander - sprachlich, musikalisch und auch sonst. Die Welljerhölzer Claus Zewe, Hardy Schwickert, Richard Schöndorf und Joachim Weiss beschreiben sich selbst als "vier Herren mittleren Alters, die nemmeh gudd siehn, nemmeh gudd heere unn Huddel mit de Bandscheiwe hann". Dem Comedy-Urgestein aus Neunkirchen standen gegenüber "fünf bezaubernde junge Damen" (O-Ton Peter Bierbrauer, Chef der Neunkircher Kulturgesellschaft) namens Bine, Nelly, Lydia, Silli und Mary aus Dresden. Zu Stande gekommen ist die wunderliche Kombination "Welljerholz trifft die Mëdlz" übrigens auf echt saarländischem Weg, Motto "Ich kenn' do enner". In diesem Fall kannte Hardy Schwickert dank einer Urlaubsbekanntschaft die Familie von Sabine "Bine" Kaufmann von den Mëdlz. Auf den Vorschlag Schwickerts hin luden die Kulturgesellschaft und die Sparkasse Neunkirchen als Veranstalter die A-cappella-Gruppe ein. "Also ich denke mal, die Frauen sind wegen uns hier, die Männer wegen der Mëdlz", grinste Claus Zewe. Zur hellen Freude des Publikums frotzelten und sangen sich die Lokalmatadoren durch ein "Best of" ihres aktuellen Programms "Awei iss Zeit". Sie nahmen die "häusliche Erotik" ebenso aufs Korn wie das "neimodisch Zeich" (Navigationsgeräte mit GPS - Globus-Park-System und "Eier-Potts"): "Wenn du e E-Mail schiggschd, klebschde jo noch e Briefmark' uff's Handy". Nach dem "Maggi-Reggae" war es dann schon ein wahrhaftiger Kulturschock, als die Mëdlz die Bühne betraten und einen engelsgleichen Gesang anstimmten - in lateinischer Sprache. Wer sich auf das Kontrastprogramm einließ, der wurde belohnt: mit glockenreinen Stimmen (alle fünf waren im Philharmonischen Kinderchor Dresden), feinem A-cappella-Gesang, Live-Percussion und frechen, eindringlichen Texten, meist auf Deutsch. Da war deutlich die Handschrift von Tobias Künzel, Sänger bei den Prinzen, zu spüren, der die Mëdlz in Sachen Text und Produktion unter seine Fittiche genommen hat. Und dass die Damen nicht grade eine Beleidigung fürs Auge sind, schadet ja auch nichts. Kokett und naiv, ein bisschen böse, selbstbewusst und witzig präsentierten sich die fünf und brachten das Publikum sogar zum Mitsingen (dreistimmig!). Mary wünscht sich eine Badewanne, Bine, dass Michael Jackson endlich ihr Poesiealbum zurückschickt. Was sich die Welljerhölzer wünschten, zeigte die mit viel Applaus geforderte Zugabe: "Loss mer mei Ruuh-uh-uh, unn mach' die Dier von auße zu" - gemeinsam gesungen mit den Mëdlz, die in Hochdeutsch einstimmten: "Von dieser anderen Sprache haben wir gar nichts verstanden, wir haben einfach auf unser Stichwort gewartet", gestand Bine lachend. "Also ich denke mal, die Frauen sind wegen uns hier, die Männer wegen der Mëdlz."Claus Zewe von Welljerholz