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Eppelborn: Die Vermessung der Welt findet im Big Eppel statt

Figurentheatertage : Die Vermessung der Welt findet im Big Eppel statt

Auf drei Jahrzehnte können die Figurentheater-Tage in Eppelborn in dieser Woche zurückblicken.

  Von überlebensgroßen Puppen bis zu Fingerpüppchen, von Marionetten bis hin zu modernen Schattenspielen und Videoprojektionen, das Spektrum, das den 62  000 Besuchern seit dem Auftakt vor 30 Jahren geboten wurden, ist riesig. Und dennoch schafft es Aloysius Scholtes, der künstlerische Leiter und längst Vater des Figurentheaters in Eppelborn noch immer, Bühnen nach Eppelborn zu holen, die ihre Premiere im Saarland feiern dürfen.

So auch am Samstagabend, als sich erstmals für das Leipziger Theater Korona der Vorhang hob. Wobei, einen Vorhang brauchte das Ensemble  mit  Regisseur Harald Richter und den beiden Darstellern Frank Schenke vom Theater Fingerhut und Ralf Kiekhöfer vom Theater Töfte nicht. Sie begannen ihre Vorstellung in den Zuschauerreihen des Big Eppel und suchten auch immer wieder die Nähe zu den Zuschauern. Mitgebracht hatten die beiden, die für ihre mehr als eindrucksvolle Schauspielkunst am Ende stehende Ovationen erhielten, die Inszenierung von Daniel Kehlmanns Romans „Die Vermessung der Welt“ aus dem Jahr 2008.

Das Werk des 1976 geborenen Schriftsteller, der zweifelsohne zu den bekanntesten zeitgenössischen Autoren unserer Zeit gehört, wurde in 40 Sprachen übersetzt und bietet einen außergewöhnlichen Einblick in die Welt des beginnenden 19. Jahrhunderts. Auf nicht weniger beeindruckende Weise trafen auf der Bühne in Eppelborn eben diese Fiktion und die  Geschichte aufeinander, die Zeiten verschwammen, Dramatik, aber auch Komik, in deren Mittelpunkt die zwei alternden Herren standen, zogen das begeisterte Publikum in ihren Bann. Die beiden Akteure nahmen die Zuschauer mit auf eine Reise um die Welt, um selbige zu vermessen, blieben zugleich aber auch überaus häuslich. So, wie die beiden großen Väter der Biologie und Mathematik, Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauss.

Mit ihren überdimensionierten Köpfen ließen sie ihren Ahnen manchmal kaum Platz zu atmen, zeigten auf der anderen Seite aber mehr als menschliche Züge am Ende ihres Lebens. Beeindruckend war nicht nur das riesige Spektrum an Figuren, an dem sich die beiden Schauspieler bedienten, auch das Bühnenbild, das sich mit seinen Requisiten immer wieder atemberaubend schnell veränderte, ließ das Erzählte hautnah erleben. Ob Humboldt sich bei den Eingeborenen im Saal auf die Suche nach Kopfläusen machte oder Gauss sich lieber mit seiner Frau vergnügte.

Am Ende waren die Zuschauer mehr als begeistert, aber auch die beiden Akteure sparten nicht mit Lob für das Festival und seine Besucher. In den kommenden Tagen warten die Bühnen in den Eppelborner Theatersälen vor allem auf Kinder aus Kindertagesstätten und Grundschulen, ehe sich die Jubiläumsausgabe der Figurentheatertage  am Freitag, 5. April um 20 Uhr im Big Eppel mit dem Stück „Hear my Song“ des Theaters con Cuore verabschiedet.